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Erfolgsgeschichten aus dem Antoniushaus in Marktl

Wenn es zuhause in die falsche Richtung geht ...

Geschäftsführer Thomas Huber und Marktls Bürgermeister Benedikt Dittmann.
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Thomas Huber (l.) und Marktls Bürgermeister Benedikt Dittmann (r.)

... dann gibt es zum Beispiel das Antoniushaus in Marktl. Dort wollen Pädagogen und Therapeuten jungen Menschen einen guten Start ins Leben ermöglichen. Aber nicht nur das.

Marktl – Beim Betreten des Hauptgebäudes des Antoniushauses in Marktl ist schon der erste Eindruck recht sympathisch. Wo früher Klosterschwestern und Pfarrer die damalige „Kinderbewahranstalt“ betrieben, tummeln sich heute Heilpädagogen, Heilerzieher und und Therapeuten. 101 Angestellte arbeiten in den verschiedenen Gebäuden, die sich aus der Antonius-Schule, dem Hort „Plus“ und mehreren Wohngebäuden zusammensetzen. Getragen wird das Haus von der christlichen Stiftung „Seraphisches Liebeswerk“ und den „Anstaltscharakter“ hat das Haus längst verloren.

Erfolgreiche Kooperation mit Gemeinde Marktl

Huber selbst gehört seit knapp 17 Jahren zum Inventar, seit 2016 ist er der Geschäftsführer. 51 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und achtzehn Jahren können im Antoniushaus vollstationär untergebracht werden, teilstationär sind 20 Kinder hier. Erst im vergangenen Jahr (2021) hat das Haus in Kooperation mit der Gemeinde Marktl den Regelhort Antonia gestartet, wo inzwischen 19 Grundschulkinder aus der Gemeinde betreut werden. Marktls Bürgermeister Benedikt Dittmann ist mit der Zusammenarbeit mehr als nur zufrieden:

Wir haben den Hort erst zu Beginn des Schuljahres 2021/22 in kürzester Zeit ins Leben gerufen. Der Bedarf für die Nachmittagsbetreuung erhöhte sich in den letzten Jahren zunehmend. Früher wurden sie im Kindergarten durchgeführt, aber weil dort die Kapazitätsgrenze erreicht wurde, mussten wir eine Alternative schaffen. Nun sind wir glücklich über die gelungene Kooperation.

Marktls Bürgemeister Benedikt Dittmann
Die Wohnhäuser des Antoniushauses in Marktl

Schreinerei und Radlwerkstatt

Als besonders hervorragend findet Dittmann, dass im Antoniushaus auch männliche Kräfte arbeiten. „Es gefällt mir zum Beispiel sehr, dass der Schreiner so viel Projekte mit den Kindern im Haus angeht. Ich hoffe, dass sich hieraus eine Zusammenarbeit für mögliche Ferienbetreuung ergeben kann“, so der Bürgermeister. Huber, der auch das Projekt „Radlwerkstatt“ im Antoniushaus leitete, das nun von Franz Köpfelsberger (Bereichsleiter Wohngruppen) übernommen wurde, bestätigt, wie wichtig die Projekte für die Kinder sind. Im Antoniushaus sind ausschließlich Jungen untergebracht, gerade für sie ist das handwerkliche Arbeiten wichtig.

„In unsere Radlwerkstatt können auch alle Marktler kommen, um Kleinigkeiten auf Spendenbasis reparieren zu lassen. Die Jungs können zum Beispiel Bremsklötze austauschen oder Reifen wechseln“, so Huber. Zuerst sei nur der Ortspfarrer gekommen, dann habe sich das Angebot aber bei den Nachbarn herumgesprochen. Bürgermeister Dittmann lobt auch den Einsatz der Antonius-Jungs beim „Ramadama“ in Marktl, wo die Kinder einen ganzen Vormittag lang Müll im Ort gesammelt und weg geräumt haben. „Den Kindern tut es unheimlich gut, zu sehen, dass ihre Arbeit etwas Positives hervorbringt“, sagt Huber.

„Es bräuchte dringend ein anderes Finanzierungsmodell“

Leider müssen sowohl Huber als auch Bürgermeister Dittmann beklagen, dass der Bedarf in den vergangen Jahren massiv gestiegen ist. Das liege aber nicht an Corona, sondern an der Finanzierung im Hintergrund, erläutert Huber. Aus Einsparungsgründen müssen heute im heilpädagogischen Bereich auch die Kinder untergebracht werden, die früher in therapeutische Einrichtungen kamen. „Das Problem hierbei ist, dass der Landkreis die Kosten dafür tragen muss. Es bräuchte dringend ein anderes Finanzierungsmodell“, so Dittmann.

„Als Pädagoge bleibt einem manchmal die Luft weg, wenn es im Amt rein um die Kostenfrage und nicht mehr um das Kind geht.“

Thomas Huber, Geschäftsführung Antoniushaus

Erziehung ohne Bindung nicht möglich

Auch der Staat würde durchaus gewinnen, wenn durch gelungene Jugendhilfe Kosten für Dauertherapie, Inhaftierung oder ähnliches eingespart werden könnten. Solche Erfolge hat das Antoniushaus durchaus zu verzeichnen: „Ein Junge aus Rügen war zuvor durch acht verschiedene Einrichtungen gegangen, und dann zu uns gekommen. Hier konnte der Bursche andocken“, erzählt Huber mit leuchtenden Augen. „Erziehung ist ohne Bindung einfach nicht möglich“, schließt er. Ein zweiter Junge habe laut Huber bei seinem Abschied vom Einrichtungspersonal gesagt: „Ihr redet über Rückführung, ich möchte aber nicht zurück. Da geht es in die falsche Richtung, weil ich keine richtigen Vorbilder habe.“ Der junge Mann lebe nun im Umkreis von Marktl und habe inzwischen eine Karriere zum Teamleiter hingelegt, erzählt Huber und freut sich: „Der geht seinen Weg, und hat immer noch die Bindung zu uns.“

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