Eine ganze Region ist betroffen

PFOA: Schonungs- und lückenlose Aufklärung gefordert (Teil 3)

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Die Aktivkohlefilteranlage in Alzgern
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Emmerting/Landkreis Altötting - Obwohl es keine Anzeichen für dauerhafte gesundheitliche Schäden am Menschen durch PFOA gibt, rät der Experte: "Der Leitwert im Trinkwasser muss unterschritten werden". Das Zauberwort hier heißt "Aktivkohlefiltration".

Angesichts der Ergebnisse der Studie des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und angesichts allem, was die Medizin heute über PFOA weiß, steht laut Professor Dr. Werner Fromme fest: „Das Trinkwasser darf den Leitwert für die PFOA-Belastung über die nächsten Jahrzehnte nicht überschreiten (und mehr noch): Es muss einen deutlich niedrigeren Wert aufweisen.“ Es gilt als die Hauptquelle für die Aufnahme des Stoffes.

Möglichkeiten

Das Trinkwasser wird aus Brunnen gefördert. Ist so einer mit PFOA belastet, haben Wasserversorger die Möglichkeit, auf andere Brunnen auszuweichen um

  • entweder ein Mischungsverhältnis im Versorgungsnetz zu erreichen, das den PFOA-Gehalt unter den Leitwert senkt
  • oder belastete Brunnen ganz vom Netz zu nehmen und nur mit Wasser aus PFOA-freien Quellen zu arbeiten,
  • oder aber sie setzten auf Aktivkohlefiltration.

Methode und Vorteile der Aktivkohlefiltration

Anfang März dieses Jahres gab die InfraServ GmbH dazu folgende Erklärung ab: „Bei der Aktivkohlefiltration handelt es sich um die derzeit bestmögliche verfügbare Technik. Es werden im Wasser gelöste organische Verunreinigungen hocheffektiv und vor allem selektiv absorbiert. Während des Vorgangs werden ausschließlich die organischen, das heißt kohlenstoffhaltigen, Stoffe entfernt. Schadstoffe können so vollständig herausgefiltert werden, während die wertvollen Mineralien im Trinkwasser enthalten bleiben. Auch im Geschmack gibt es keine Veränderung.“

Weiter heißt es: „Ein weiterer großer Vorteil der Aktivkohle besteht in der thermischen Reaktivierbarkeit, die eine umweltfreundliche und kostengünstige Alternative zur Entsorgung darstellt. In den meisten Fällen, so auch beim geplanten Einsatz im Öttinger Forst, lassen sich die beladenen Aktivkohlen durch einen thermischen Prozess wiederaufbereiten. Die dabei freigesetzten Schadstoffe werden bei hohen Temperaturen verbrannt und die Aktivkohle kann erneut verwendet werden.“

Eine entsprechende Anlage sei außerdem schnell umzusetzen und dabei auf Jahrzehnte hinweg effizient, also mindestens genau so lange, wie es braucht, bis die „Altlast“ PFOA aus dem Grundwasser verschwunden ist. Die Substanz kann sich nicht mehr im Menschen anreichern. Damit wäre Professor Frommes Forderung erfüllt.

Erfolgreiches Praxisbeispiel aus der Region

Schon seit 2009 gibt es in der Region so eine Aktivkohlefilteranlage, um PFOA aus dem Trinkwasser zu filtern. InfraServ zitierte dazu Anfang März den damaligen Vorstand des Wasserzweckverbands Inn-Salzach: „Die Filteranlage in Alzgern funktioniert sehr gut. Bei PFOA liegen wir mit einem Wert von 0,01 Mikrogramm weit unter dem Leitwert.“

Die Frage aller Fragen

"Wer zahlt?“ Johann Krichenbauer, Erster Bürgermeister von Burgkirchen und damit Chef der Wasserversorgung für unter anderem die beiden betroffenen Alzgemeinden erklärte am Diensagabend auf der Infoveranstaltung in Emmerting, dass die InfraServ GmbH signalisiert hatte, die Kosten für Bau und Unterhalt zu übernehmen. Ein entsprechendes Vertragspapier gebe es aber noch nicht. Daraufhin regte ein Teilnehmer im Rahmen der Diskussionsrunde an, kein bestimmtes Datum in das Vertragspapier aufzunehmen sondern die Laufzeit auf „bis das PFOA weg ist“ festzulegen.

Dazu muss man wissen, dass die InfraServ der Standortbetreiber des Chemieparks und nicht in direkten Zusammenhang zum PFOA-Problem zu bringen ist. Auf einer FAQ Seite heißt es zu ihrer Rolle in punkto PFOA: „InfraServ Gendorf übernimmt als Standortbetreiber des Chemieparks und Partner der Region die Rolle des Vermittlers und Kommunikators, um abgestimmte, praktikable Lösungen im Einklang mit Mensch und Natur schnell umsetzen und abwickeln zu können.“ 

Zum Kostenpunkt heißt es weiter: „Der Chemiepark GENDORF hat zugesagt, die durch PFOA bedingten Mehrkosten zur Umsetzung einer abgestimmten Lösung für die Trinkwasserversorgung unter Berücksichtigung des neuen Leitwerts zu übernehmen.“

Lesen Sie auch:

TEIL 1

TEIL 2

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