Eine ganze Region ist betroffen

PFOA: Schonungs- und lückenlose Aufklärung gefordert (Teil 2)

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PFOA: Schonungs- und lückenlose Aufklärung gefordert bei der Informationsveranstaltung in Emmerting am Dienstagabend
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Emmerting/Landkreis Altötting – „Die Quelle ist bekannt“, sagte Professor Dr. Hermann Fromme, Toxikologe vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf der Infoveranstaltung zum „Sachstand ADONA und perfluorierte Substanzen“ an Dienstagabend in Emmerting. PFOA sei ein sich im Körper kumulierender Soff, „er reichert sich an“.

TEIL 2:

Als Experte in punkto Gesundheit im Zusammenhang mit dem mit PFOA belasteten Trinkwasser und natürlich auch als Mitautor der Studie, in der das LGL im vergangenen Jahr Blutkonserven Emmertinger Blutspenderinnen und Blutspendern untersucht hatte, sprach Professor Fromme am Dienstagabend in Emmerting in seinem Referat vor allem von einem: „Die Quelle für den Eintrag von PFOA in das Blut der Menschen in der Region muss geschlossen werden.“ Als signifikante Quelle sehe er einzig und allein das Trinkwasser, so der Toxikologe.

Leitwert nicht nur einhalten?

Das Trinkwasser darf den Leitwert für die PFOA-Belastung über die nächsten Jahrzehnte nicht überschreiten (und mehr noch): Es muss einen deutlich niedrigeren Wert aufweisen.“ Dies ist – und das sei hier in aller Deutlichkeit gesagt – auch passiert. Im Moment sind die belasteten Brunnen ohne Aktivkohlefilter vom Netz. Die Wasserversorger ohne entsprechende Filtration sind auf andere Brunnen ausgewichen und/oder arbeiten mit einem Mischungsverhältnis der verschiedenen Wässer, um am Ausgang zum Endverbraucher den aktuellen Leitwert einzuhalten.

Lebensmittelsicherheit?

Im Laufe des Abends kam die Frage nach der Lebensmittelsicherheit auf. Eine Bürgerin wollte es genau wissen. Nach ihrem Verständnis könne man, genau wie von der Lebensmittelindustrie, auch vom Wasserversorger eine entsprechende Rücknahme des „Produktes“ und/oder einen angemessenen Ausgleich erwarten.

PFOA: Schonungs- und lückenlose Aufklärung gefordert

Das ist bei PFOA im Trinkwasser anders. „Die Grenzwerte wurden eingehalten“, erklärte Johann Krichenbauer als Vertreter der Wasserversorgung für Burgkirchen, Emmerting und Teilen von Mehring: vorher 0,3 und jetzt 0,1 1µg/l. Zu beachten ist auch, dass es sich „nur“ um einen Leitwert handelt. Warum das so ist: Dazu führte Professor weiter aus:

„Keine signifikanten Anzeichen für einen Anstieg von etwa Krebserkrankungen“ (Professor Dr. Hermann Fromme)

Den vorliegenden Ergebnissen der Untersuchung von Blutproben bei Emmertingerinnen und Emmertingern zufolge, seien alle Detailfragen nach beispielsweise Brustdrüsenkrebs bei stillenden Müttern und die nach den möglichen Folgen auf das Baby so gut wie nichtig. Warum? „Es gibt in den zum Problem PFOA weltweit (weil es weltweit eingesetzt wurde) durchgeführten Untersuchungen keine signifikanten Anzeichen für einen Anstieg von etwa Krebserkrankungen.“

Weiter führte Professor Fromme vom LGL aus, dass die herangezogenen Blutproben anonym behandelt worden seien. Somit gebe es keinerlei Rückschlüsse, ob alle Bürgerinnen und Bürger betroffen sind und schon gar nicht, woher die Spitzenwerte stammen. Mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit seien letztere allerdings einer beruflichen Tätigkeit in fraglichen Jahren im entsprechenden Unternehmen Dyneon/3M im Chemiepark Gendorf zuzuorden.

Weltweites PFOA-Problem?

Sogar bei Eisbären hat man offenbar schon PFOA nachweisen können. Die epidemischen Untersuchungen hätten in unserer „Ersten Welt“ nur das gezeigt, „was zu erwarten war“, nachdem das Problem mit dem Stoff PFOA bekannt geworden war. Nach dem Stand der Wissenschaft, so der Toxikologe am LGL, gebe es keinen Grund zur Panik oder gar Hysterie. Man müsse sich die Werte in zwei bis drei Jahren noch einmal ansehen. Dann soll das PFOA im menschlichen Körper sich nämlich deutlich verringert haben.

Viele Fragen

Mitglieder des Gemeinderates Emmerting hatten ihre Fragen bereits im Vorfeld zur Informationsveranstaltung am Dienstagabend schriftlich gesammelt. Die vielen besorgten Bürgerinnen und Bürger konnten ihre direkt vor Ort stellen. Es gab viele Doppler in der Sache. Die sind aber wohl dem Umstand des Veranstaltungsortes wie auch der Masse der Besucher und nicht zuletzt dem Brennpunkt-Thema geschuldet.

Lesen Sie dazu auch den TEIL 1.

Die Antwort auf die Frage nach dem Verursacher bzw. demjenigen, der jetzt finanzielle Haftung übernimmt, lesen Sie in Teil 3 am Donnerstagvormittag auf innsalzach24.de.

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