Rathaus, Landratsamt, Landtag: Die ersten Reaktionen

Krebserregende Stoffe im Emmertinger Trinkwasser? NEIN aber Aufklärung tut not

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Emmerting/Landkreis Altötting – „Der belastete Brunnen ist abgeschaltet“, sagt das Landratsamt. „Das Trinkwasser ist sauber“, sagen die Beprobungen. „Kein Grund zur übertriebenen Panik“, sagt Burgkirchens Erster Bürgermeister Johann Krichenbauer. Hier sind die aktuellen Stellungnahmen zu den Ergebnissen einer Blutuntersuchung unter Emmertinger Bürgerinnen und Bürgern:

Update am Mittwoch um 19.15 Uhr

Aufklärung in Emmerting

Der Bürgermeister der Gemeinde Emmerting lädt zu einer Informationsveranstaltung. Titel: "Sachstandsbericht ADONA und perfluorierte Substanzen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit". Es spricht Dr. Franz Schuhbeck, Leiter des staatlichen Gesundheitsamtes Altötting am Dienstag, 14.11.2017, 17:00 Uhr bis 18:00 Uhr, im Sitzungssaal der Gemeinde Emmerting.

Aufklärung auf Landesebene

Die teilweise enorm hohen Blutwerte in punkto ADONA/PFOA bei den Probanden aus Emmerting beunruhigen auch Dr. Martin Huber (CSU), Mitglied des Bayerischen Landtages. Er lässt per über sein Pressebüro wissen: "Die teils enorm hohen PFOA-Werte in Blutproben bei Bürgerinnen und Bürgern aus Emmerting beunruhigen auch Landtagsabgeordneten Martin Huber, der im Bayerischen Landtag auch Mitglied im Umweltausschuss ist. Huber hat sich bereits an das Umweltministerium und an das Gesundheitsministerium gewandt und weitere Auskünfte gefordert. Insbesondere geht es Huber um die Frage, inwieweit eine Gesundheitsgefährdung der betroffenen Bevölkerung gegeben war bzw. sein könnte."

Aufklärung auf Landkreisebene

Auch das Landratsamt Altötting hat sich - hier auf Nachfrage von innsalzach24.de - gemeldet: 

"In Gesprächen mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) im Zusammenhang mit der Absenkung des Trinkwasserleitwertes für PFOA von 0,3 µg/l auf 0,1 µg/l (Empfehlungen des Umweltbundesamtes nach Anhörung der Trinkwasserkommission am 20.09.2016) erhielt das Landratsamt Altötting Anfang November 2016 Kenntnis von Humanbiomonitoring-Untersuchungen des LGL. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurde vom LGL auch der Gehalt von PFT untersucht und ein Anstieg des gemessenen PFOA-Gehalts in Blutplasmaproben von Blutspendern aus Emmerting im Vergleich zum Jahr 2009 festgestellt. Diese Untersuchungen und deren Ergebnisse waren dem Gesundheitsamt Altötting bis November 2016 nicht bekannt.

Nach der Publikation des „Sachstandberichts ADONA und perflourierte Substanzen“ durch das Bayer. Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurde der Bericht umgehend auf die Homepage des Landratsamtes Altötting/Gesundheitsamt eingestellt, wo er bis heute einsehbar ist und bis heute über 800 mal aufgerufen wurde. Das Gesundheitsamt hat zudem in vielen Gesprächen mit unterschiedlichen Personen, Bürgern, Bürgermeistern/Gemeindevertretern auf die Ergebnisse der Humanbiomonitoring-Untersuchungen hingewiesen und hat Anfragen hierzu auch stets schriftlich beantwortet.

Im Rahmen der Umsetzung des abgesenkten Leitwerts für PFOA im Trinkwasser wurde schon vor Publikation des o.g. Sachstandberichts der belastete Brunnen abgeschaltet, um die weitere Exposition über das Trinkwasser auszuschließen. Die Emmertinger Bürger bezogen somit ab November Trinkwasser, welches dem neuen Leitwert für PFOA entsprach ( Probe vom 29.11.2016 , Rathaus Emmerting, PFOA < 0,004 µg/l)."

Update am Mittwoch um 16.20 Uhr

Was ist hier genau passiert? In Blutwerten offenbar zufällig und damit nicht statistisch ausgewählter Emmertinger Bürgerinnen und Bürger wurden Auffälligkeiten in punkto ADONA und PFOA festgestellt. Eigentlich sei nur auf ADONA, einem Austauschstoff für das krebserregend geltende PFOA getestet worden, erklärt Emmertings Erster Bürgermeister Stefan Kammergruber auf Nachfrage gegenüber innsalzach24.de. Man habe aber den PFOA-Test quasi gleich mitgemacht. Ergebnis: schlecht (siehe Erstmeldung). Weder von der Untersuchung, noch von dem Ergebnis habe man vorher gewusst. Laut Kammergruber muss sich die Verwaltung der Kommune selbst erst einmal mühevoll die Zusammenhänge und Abläufe von offizieller Seite im Detail erklären lassen.

Brunnen im Öttinger Forst vom Netz

Was fängt man mit dieser Meldung an? Ganz klar: Man muss nachfragen.Der Erste Bürgermeister der Gemeinde Burgkirchen – die ist zuständig für die Wasserversorgung von Burgkirchen, Emmerting und Teilen der Gemeinde von Mehring – sagt, man müsse die aktuelle Sachlage erst einmal so nehmen wie sie ist. Am aktuellen Trinkwasser könne es nicht liegen, so Krichenbauer als Chef der Wasserversorgung für unter anderem eben in Emmerting. Nach der Senkung des Leitwertes für die PFOA Belastung im Trinkwasser von 0,3 auf 0,1 µg/l habe man im gesamten Landkreis Altötting zeitnah reagiert. Die Folge unter anderem: Die Brunnen im Altöttinger Forst wurden vom Netz genommen. Dieses Wasser wies nämlich eine erhöhte Konzentration von PFOA auf.

Die Ergebnisse der Blutuntersuchungen bei Emmertinger Bürgerinnen und Bürgern auf das Trinkwasser aus der Leitung zu schieben ist offenbar richtig und falsch zugleich. Seit der „Abschaltung“ der PFOA belasteten Brunnen im Ötinger Forst ist das Trinkwasser in Emmerting PFOA-frei. Was vorher war, wie sich der als Krebs erregend geltende Stoff im Körper ansammelt bzw. lagert: Darüber gibt es laut Auskunft bis dato offenbar noch keine Informationen.

„Wir alle wussten, dass da etwas auf uns zukommt“

Johann Krichenbauer fasst das so zusammen: Wenn jemand von seinem Arzt hört, dass er mit PFOA und/oder ADONA belastet ist, dann könne sich dieser darin verlieren. „Wir alle wussten, dass da etwas auf uns zukommt“, sagt Krichenbauer weiter. Jetzt gehe es darum, zumindest beim Thema Trinkwasser noch einmal einen Gang hoch zu schalten, um wirklich alles getan zu haben, dass PFOA/ADONA auch weiterhin nicht auf diesem Wege in die Menschen aus der Region gelangt. Ein Bau für eine entsprechende Filteranlage für mit PFOA belastetes Wasser aus dem Öttinger Forst stehe so gut wie in den Startlöchern unter Beteiligung der InfraServ. Diese Brunnen würden nämlich ohnehin dringend gebraucht um eine umfassende Versorgung auch in Spitzenzeiten garantieren zu können.

UPDATE, 14.45 Uhr: Trinkwasser inzwischen PFOA-frei

Wie der BR berichtet, habe Ernst-Josef Spindler vom Bund Naturschutz erklärt, das Trinkwasser sei inzwischen praktisch PFOA-frei, da auf andere Quellen ausgewichen wurde. Bis Mitte 2018 sollen die belasteten Brunnen mit sogenannten Aktivkohlefiltern ausgestattet werden, drei Millionen Euro würden dafür vom betroffenen Unternehmen investiert. Auch hätten Messungen zum Beispiel in Alzgern gezeigt, dass inzwischen kein PFOA mehr nachgewiesen werden könne. 

Erstmeldung:

In Blutproben von Bürgern aus Emmerting (Landkreis Altötting) wurden laut einem Bericht der Passauer Neuen Presse zum Teil enorm hohe Werte festgestellt. Perlfluoroctansäure (PFOA) gehört zu der Stoffgruppe der perfluorierten Carbonsäuren innerhalb der perfluorierten Tenside. Sie soll leberschädigende, reproduktionstoxische und krebserregende Eigenschaften haben und wird vor allem über das Trinkwasser aufgenommen.

Laut dem Bericht würden die entsprechenden Ergebnisse aus Emmerting den Behörden bereit seit einem Jahr vorliegen. Die Information gegenüber der Öffentlichkeit beschränkte sich bisher allerdings auf ein Minimum. Wie die Zeitung weiter schreibt, seien in den Emmertinger Proben zehn- bis zwanzigfach erhöhte Mittelwerte festgestellt worden. Beim Maximalwert lag Emmerting sogar beim bis zu 150-fachen des Münchner Mittelwertes.

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