100 Bäume im Naturschutzgebiet gefällt

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Emmerting - Das Wasserwirtschaftsamt hat im Naturschutzgebiet Untere Alz rund 100 Bäume fällen lassen. Bei den Naturschützern ist die Empörung groß.

Georg Bonauer ist noch immer aufgebracht, wenn er auf die rund 100 Pappeln angesprochen wird, die am Alzufer gefällt wurden. Der Emmertinger engagiert sich seit vielen Jahren im Bund Naturschutz und erhebt schwere Vorwürfe gegen das Wasserwirtschaftsamt Traunstein, das als Grundstückseigentümer die Fällungen in Auftrag gegeben hat. "Es ist wirklich eine Frechheit", schimpft Bonauer. "Ich bin seit 40 Jahren in Emmerting, aber so was ist mir noch nicht untergekommen." Der Emmertinger stört sich vor allem an "dieser rüden Gangart" des Wasserwirtschaftsamts. Die Vorgehensweise sei schlicht "ein Skandal".

Wurden gesunde Bäume vorsorglich gefällt?

Aus Sicht des Wasserwirtschaftsamts Traunstein waren die Fällungen hingegen eine unerlässliche Maßnahme zur Verkehrssicherung. "Wir sind als Grundstückseigentümer dafür verantwortlich, dass keine Gefahr von den Bäumen ausgeht", erklärt Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamts. Die Bäume standen entlang eines Waldwegs, sodass herabfallende Äste eine Gefahr für Spaziergänger und Radfahrer dargestellt hätten - eine akute Gefahr, denn die Bäumen seien beschädigt gewesen, so Raith. Die Fällungen seien nicht willkürlich gewesen und man habe damit nicht mehr warten können. "Wir haben Baumkontrolleure, die zwei Mal im Jahr durchgehen. Im wesentlichen hatten alle Bäume Schäden an Krone und Baum insgesamt."

Bonauer hingegen hält es für ausgeschlossen, dass alle Pappeln auf einmal entfernt werden mussten. Vielmehr vermutet er, dass auch gesunde Bäume entfernt wurden, weil sie voraussichtlich in wenigen Jahren ohnehin einen Schaden gehabt hätten. "Das war eine finanzielle Frage", so der Emmertinger. Außerdem seien manche Bäume erst beim Umsägen anderer Bäume beschädigt worden und mussten entfernt werden, "weil sie zum Tode verurteilt waren".

Dass noch nicht beschädigte Bäume quasi prophylaktisch gefällt wurden, wollte Raith weder bestätigen noch dementieren. Allerdings sagte er: "Wir müssen wirtschaftlich arbeiten." Der Behördenleiter räumt darüber hinaus ein, dass durchaus "ein, zwei" nicht beschädigte Bäume aus Versehen gefällt worden sein könnten.

Gibt es eine "Hexenjagd gegen alte Bäume"?

Hildegard Greisinger aus Burgkirchen, Vorsitzende der Kreisgruppe Altötting des Landesbundes für Vogelschutz, schenkt der Argumentation des Wasserwirtschaftsamtes keinen rechten Glauben. Sie ist schlicht "enttäuscht vom Wasserwirtschaftsamt". Verkehrssicherung werde aufgebauscht, so Greisinger, die von einer regelrechten "Hexenjagd gegen alte Bäume" spricht. "Jeder, der für die Natur was übrig hat, denkt doch, dass in einem Naturschutzgebiet die Natur Vorrang hat."

Bonauer möchte gegen die Fällungen unbedingt vorgehen. Die Polizei habe allerdings abgelehnt eine Anzeige aufzunehmen, so der Emmertinger, der nun eine Beschwerde bei der Oberen Naturschutzbehörde erwägt. Diese ist bei der Regierung von Oberbayern angesiedelt. Bei Fällungen dieser Größenordnung hätte ohnehin eine Überprüfung durch die Obere Naturschutzbehörde stattfinden müssen, findet Bonauer.

Wurden seltene Schwarzpappeln gefällt?

Bei den Fällungen sollten eigentlich ausschließlich Hybrid-Pappeln entfernt werden. Bonauer ist jedoch überzeugt, dass mindestens zwei seltene Schwarzpappeln ebenfalls gefällt wurden. Diese Baumart sei geschützt, weil sie vom Aussterben bedroht ist. Dass tatsächlich Schwarzpappeln den Sägen zum Opfer gefallen sind, wollte Raith gegenüber innsalzach24 nicht bestätigen.

So oder so gebe es im Moment Überlegungen, im abgeholzten Gebiet junge Schwarzpappeln anzupflanzen, so Raith. "Man muss darüber nachdenken: Was machen wir mit der Fläche?" Zudem sei denkbar, dass die gefällten Bäume als Totholz im Naturschutzgebiet verbleiben - eine Maßnahme, mit der auch Bonauer und Greisinger sehr gut leben könnten.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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