Pressemitteilung Wasserwirtschaftsamt Traunstein

Deichmahd an der Unteren Alz steht bevor

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Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (lat.: phengaris nausithous) auf seiner blühenden Wirtspflanze, dem großen Wiesenknopf.

Emmerting - Ab Mitte Juli mäht das Wasserwirtschaftsamt Traunstein die landseitigen Deichflächen an der Alz bei Emmerting. Damit können auch die Samen von spätblühende Arten reifen.

Seit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" stehen Mähzeitpunkte in der Landwirtschaft und auf Flächen der öffentlichen Hand stark im Fokus. Zu Gunsten der Artenvielfalt und im Sinne des Insektenschutzes sollen Blühwiesen nicht zu früh im Jahr gemäht werden. Mit dem Volksbegehren wurde auch festgelegt, dass mindestens zehn Prozent der staatlichen Flächen Bayerns nicht vor dem 15. Juni gemäht werden sollen. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein mäht viele Deichflächen sogar erst nach dem 15. Juli, um auch spätblühenden Arten die Gelegenheit zum Absamen zu geben.


In bestimmten Fällen ist jedoch ein früherer Schnittzeitpunkt notwendig, um standortspezifischen Anforderungen und - beispielweise im Fall von Hochwasserdeichen - Sicherheitsvorgaben gerecht zu werden. So müssen Deiche auf der Wasserseite eine dicht geschlossene Grasnarbe vorweisen, um den Kräften eines angreifenden Hochwassers Stand halten zu können. Dies kann oft nur mit einer mehrmaligen Mahd, in der Regel im Frühsommer und ein zweites Mal im Herbst, gewährleistet werden.

Auf der Landseite hingegen werden die Deiche ausschließlich im Sinne des Naturund Artenschutzes, je nach Standort und Vorkommen von seltenen Tier- und Pflanzenarten, ein- bis zweimal jährlich gemäht. Um den Insekten genügend verbleibende Nahrungsfläche und Rückzugsraum anbieten zu können, erfolgt die landseitige Mahd darüber hinaus nicht nur zeitlich versetzt, sondern wie in Emmerting auch streifenweise, erst auf der unteren und später auf der oberen Böschungshälfte.


Eine Besonderheit auf manchen Abschnitten des Deichs an der Unteren Alz ist das Vorkommen des seltenen Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, einer streng geschützten Schmetterlingsart. Die teils feuchten Standorte der wasserseitigen Deichböschung bieten dessen Wirtspflanze, dem Großen Wiesenknopf, optimale Standortbedingungen. Jedoch bringt diese Pflanze nochmal spezielle Anforderungen an die Mahd mit. Damit der Große Wiesenknopf trotz zweischüriger Mahd rechtzeitig zur hochsommerlichen Flugzeit des Bläulings wieder in voller Blüte steht, erfolgt die erste Mahd auf der Wasserseite noch im Mai und dann erst wieder im Herbst. Diese Vorgehensweise ist somit auch aus naturschutzfachlicher Sicht am verträglichsten.

Deiche haben also nicht nur eine Hochwasserschutzfunktion, sondern dienen auch als biotopverbindende Struktur für eine Vielzahl von seltengewordenen Tier-und Pflanzenarten. Für die Pflege der Deiche und die Verkehrssicherung der staatseigenen Flächen ist die Flussmeisterstelle Salzach verantwortlich. Ein Teil der Arbeiten wird im Frühjahr auch an geeignete Unternehmen vergeben.

Pressemitteilung Wasserwirtschaftsamt Traunstein

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