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Burghausen: Russische Sprachlehrerin hilft Ukrainern

„Jeder Russe hat Freunde oder Verwandte in der Ukraine!“

Eugenia Borchardt
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Eugenia Borchardt lebt und arbeitet in Burghausen

Putins Angriff auf die Ukraine gleicht einem Dolchstoß in das Herz vieler ukrainischer Familien. Aber auch die Russen selbst sind davon mehr als betroffen: Viele von ihnen sind familiär oder freundschaftlich mit Ukrainern verbunden. In Burghausen helfen einige von ihnen den ukrainischen Flüchtlingen, darunter Eugenia Borchardt.

Burghausen – Sie lebt seit 27 Jahren in Deutschland: Die gebürtige Russin, Eugenia Borchardt hat drei Kinder, drei Enkel und einen Ehemann. Alexander wurde in Kasachstan geboren, ist aber deutschstämmiger „Russe“. Das bedeutet, dass er in Russland als „Deutscher“, und in Deutschland als „Russe“ bezeichnet wird. In Russland hatte auch er unter den Folgen eines Krieges zu leiden, denn nach dem Zweiten Weltkrieg, verloren deutschstämmige Bewohne jedes Ansehen und litten unter Diskriminierung. Sie wurden umgesiedelt, ausgesiedelt und das Gefühl von Heimatlosigkeit verfolgt viele der sogenannten „Russendeutschen“. In Deutschland sind sie „Fremde im eigenen Land“, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Alexander Borchardt vor zwei seiner Werke

Eugenia Borchardt ist 64 Jahre alt, Musikerin und Sprachlehrerin und stammt aus Krasnodar, einer Stadt im Süden Russlands. Die Halbinsel Krim ist von dort aus in ein paar Stunden mit dem Auto erreichbar. Mariupol, Luhansk und Donezk ebenso. Eugenia ist erst fünf Tage vor dem Interview aus Russland zurück nach Burghausen gekommen. Sie war zum Geburtstag ihrer Mutter Tamara in Krasnodar. Der Rückflug war schwierig: Zwei Flüge waren abgesagt worden, ob es Erstattungen geben wird, bleibt offen. Borchardt ist Vorsitzende des „Internationalen Clubs“ in Burghausen. Diesen hat sie vor 18 Jahren mit einer Gruppe von Frauen aus zehn verschiedenen Ländern gegründet. Alle hatten zur gleichen Zeit Deutsch gelernt und zum Teil Hochschuldiplome, die aber in Deutschland nicht anerkannt wurden.

Wie geht es Eugenia Borchardt mit dem Krieg?

„Es ist schrecklich“, sagt sie „das Schlimmste, was mit Menschen passieren kann.“ Borchardt weiß viel zu erzählen, wenn es um die enge geschichtliche Verknüpfung von Ukraine und Russland geht, und auch um das letzte Jahrzehnt: „Jemand hat geschafft Russland und Ukraine auseinander zu bringen. Jeder Russe hat Freunde oder Verwandte in der Ukraine“, sagt die Sprachlehrerin. „Ich habe eine Freundin in Mariupol, die beste Freundin meiner Tante wohnt in Lwiw. Für mich ist dieser Krieg eine einzige Wunde.“ Auch um ihre Mutter macht sich Borchardt Sorgen: „300 km Distanz sind für eine Rakete Nichts.“

Eugenia Borchardts Mutter wohnt in Russland

Borchardt setzt sich mit dem Internationalen Club aktuell stark für ukrainische Flüchtlinge ein. Viele der Helfer stammen selbst aus früheren Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Der Club hilft mit Spenden, Unterkünften und Übersetzungen, doch der Informationskrieg sorgt auch hier bisweilen für Diskussionsstoff. Borchardt möchte dem aber nicht zu viel Stellenwert beimessen, ihr ist Frieden wichtiger: „Ich möchte dass der Krieg so schnell wie möglich zu Ende ist, vor allem wegen der Kinder“, betont sie. Eugenia macht sich dabei nicht nur um die ukrainischen Kinder Sorgen, erst kürzlich habe ihre Enkelin erzählt, sie sei es satt, zu erklären, dass Putin nicht ihr Onkel ist.

Der „Internationale Club“ auf Reisen

Aktuell hat sich der Zentralrat der Russlanddeutschen zum Ukraine-Krieg geäussert, und spricht sich gegen jegliche Anwendung von Gewalt aus. „Wir, als Deutsche aus dem post-sowejtischen Raum, haben es schon einmal erlebt, in Sippenhaft genommen worden zu sein. Dies führte zu unermesslichem Leid bei der deutschen Minderheit in der Sowjetunion“, heißt es in dem Schreiben. Der Zentralrat appelliert an die Deutschen, die hier lebenden Russlanddeutschen nicht auf „Putin-Sympathisanten“ zu reduzieren.

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