Seltene Vögel werden in Burghausen nachgezüchtet

Wilderer haben in der Corona-Pandemie mehr Zeit - Burghauser Waldrappe gefährdet

Corinna Esterer, zuständig für Birdmanagement beim Waldrappteam, berichtet gegenüber innsalzach24.de, dass es in der Pandemie mehr Abschüsse von Waldrappen als in den Vorjahren gab. Die seltenen Vögel werden an mehreren Standorten in Deutschland, darunter auch in Burghausen, nachgezüchtet  und ihnen beigebracht, wie sie ihren Flug in ihre Überwinterungsgebiete in der Toskana absolvieren.
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Corinna Esterer, zuständig für Birdmanagement beim Waldrappteam, berichtet gegenüber innsalzach24.de, dass es in der Pandemie mehr Abschüsse von Waldrappen als in den Vorjahren gab. Die seltenen Vögel werden an mehreren Standorten in Deutschland, darunter auch in Burghausen, nachgezüchtet und ihnen beigebracht, wie sie ihren Flug in ihre Überwinterungsgebiete in der Toskana absolvieren.

Waldrappen sind durch die Jagd fast ausgestorben. Auch in Burghausen arbeiten Fachleute daran, die Tiere wieder in der Wildnis zu etablieren. Während der Corona-Pandemie kam es nun zu mehr Fällen von Wilderei.

Burghausen - „Sobald ein Gebiet zum Hotspot erklärt wurde und damit Jagen nicht mehr erlaubt war, haben wir festgestellt das plötzlich keine Tiere mehr verschwanden“, berichtet Corinna Esterer, zuständig für Birdmanagement beim Waldrappteam, gegenüber innsalzach24.de. „Davor verschwanden immer wieder Vögel in einem größeren Ausmaß als in den Jahren davor.“ Die meisten dieser Vorfälle ereignen sich auf der Zugroute entlang der italienischen Küste zwischen La Spezia und Grosseto, welche auch viele andere Vogelarten nutzen. Vermutlich sorge mehr Zeit während der Pandemie dafür, dass vermehrt Wilderer losziehen. Sieben der Tiere seien so vermutlich gestorben. Genaue Zahlen seien schwierig zu benennen, da manche Tiere trotz Sender komplett verschwunden bleiben, so dass Wilderei als Ursache nur ein Verdacht bleibe.

„Meistens werden die Tiere von Wilderern einfach liegengelassen“, führt Esterer aus. „Da geht es eher um Abschießen um des Abschießens willen. Sie werden weder als Trophäe noch als Delikatesse gejagt.“ 2019 hatte es auch drei Tiere aus Burghausen erwischt. Glücklicherweise sei aber die Wilderei, trotz des Anstiegs zuletzt, nicht mehr existenzbedrohend für das Projekt. „Die häufigste Todesursache sind inzwischen zudem Stromschläge durch Hochspannungsleitungen.“ Zuletzt war auf diese Weise im Juni des vergangenes Jahres „Smaug“ ums Leben gekommen.

Waldrappen gehören zu den bedrohtesten Tierarten der Welt. Einst waren sie auch in Bayerns Wäldern häufig anzutreffen, ehe sie in Europa durch intensive Bejagung bereits vor Jahrhunderten hierzulande ausgerottet wurden. Das Projekt „Waldrappteam“ hat es sich seit 2007 zur Aufgabe gemacht, den Vögeln, die aus der Zoohaltung stammen, den Weg in ihr Wintergebiet, die Toskana, zu zeigen. Dazu gibt es mehrere Brutgebiete, eines davon in Burghausen. Mit der Hand aufgezogene Waldrappen lernen dort durch ein Training, bei dem sie einem Ultraleichtflugzeug folgen, wie sie in ein passendes Wintergebiet gelangen. Insgesamt sind es inzwischen 160 Tiere, die jährlich die Wanderung unternehmen.

Die Brutnischen der Waldrappen in Burghausen:

„Momentan sind bereits acht der Vögel in Burghausen eingetroffen. Das Rennen gewonnen haben dabei die beiden Männchen Carlo und unser ‚Paradevogel‘ Jazu“, berichtet Oliver Habel, der für das Koloniemanagement in Burghausen zuständig ist, gegenüber innsalzach24.de. Die Tiere würden nach ihrem Start in der Toskana in der Regel ein bis zwei Tage für ihre Reise brauchen. Es sei zu erwarten, dass bis zu 13 Tiere am Ende vor Ort sein werden. „Sie beginnen jetzt allmählich mit dem Nestbau. Am Anfang ist das noch eher zaghaft, sobald sich aber die Eier ankündigen ist das Nest dann in wenigen Wochen fertig.“

Immer wieder sorgen Sichtungen von Waldrappen in der Region bei den Lesern von innsalzach24.de für Begeisterung. Zuletzt im April 2020, als Tiere sogar in Prien auftauchten. „Jetzt, da es immer mehr von ihnen gibt, denn trotz aller Rückschläge wächst die Population insgesamt immer mehr, wird es auch immer häufiger Sichtungen auch abseits der Brutgebiete geben“, bemerkt Habel dazu. „Bitte verursachen Sie den Tieren aber keinen unnötigen Stress, indem Sie für Fotos zu nah zu ihnen hingehen.“

Weitere Waldrappen gesichtet

 © Leserin
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Vor zirka zwei Wochen waren Waldrappen in Reischenhart zu Gast, wie uns ein Leser mitteilte. Auch ihm gelangen Schnappschüsse der Tiere. © Privat
Die Waldrappen in Reischenhart. © Privat

hs

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