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PFOA im Fokus einer ARD-Doku

„Verseuchter Ort“ Landkreis Altötting: Dokumentation über „Jahrhundertgift“

Warntafel mit Totenkopf
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PFAS sind giftige Chemikalien: Es gibt 4 bis 8000 verschiedene Stoffe dieser Sorte. Foto: Marc Müller dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++

PFOA hat im Landkreis Altötting einiges angerichtet. Der Stoff ist in der Beschichtung von Pfannen, Outdoor-Kleidung, Backpapier, Zahnseide ... und leider sogar im Regenwasser.

Landkreis Altötting – „Wir dürfen kein Blut mehr an andere spenden, denn das Blut ist kontaminiert“, so ein Bewohner aus dem Landkreis Altötting. Er ist ehemaliger Chemiker und arbeitete in dem Betrieb der PFOA herstellte – und hatte direkten Kontakt: „Es tropfte von der Decke“, erzählt er und berichtet von dem Schock, als er seine Krebsdiagnose erhielt. Die Dokumentation „Das Jahrhundertgift“ hat es in sich. Es ist besorgniserregend was berichtet wird.

Sondermüll: Zahnseide und Backpapier

Zwar wurde im Landkreis Altötting schon viel unternommen, um der Bevölkerung giftfreies Trinkwasser zu garantieren, doch aus dem Blut ist die Chemikalie noch immer nicht verschwunden. Forscher der Universität Stockholm und der ETH Zürich haben den Stoff in einer Studie bereits im Regenwasser nachgewiesen – selbst in entlegensten Weltregionen. Sie kamen zu dem Schluss, dass das Trinken von Regenwasser überall als unsicher eingestuft werden könne. Die ökologische Belastungsgrenze des Planeten sei überschritten, so die Forscher.

PFOA findet sich auch in der Schlacke und Asche von Müllverbrennungsanlagen. Es handele sich um ein „nicht zu handhabendes Risiko für die Umwelt,“ heißt es in der ARD-Doku. Die Produkte, die mit PFOA-Lacken beschichtet sind, geraten zu oft in den Hausmüll – eigentlich sollten sie in den Sondermüll. Klar, wasserdichte Schuhe, Regenjacken, Outdoorhosen und beschichtete Pfannen sammelt man, und bringt man eventuell zur Sondermüll-Deponie. Doch was ist mit Backpapier und Zahnseide? Auch sie enthalten den Stoff.

Auch ein Hollywood-Spielfilm behandelt die Thematik. In „Vergiftete Wahrheit“ wird die authentische Geschichte eines Farmers erzählt, der in unmittelbarer Nähe eines Chemiekonzerns lebte. Erst starben die Kühe, dann er und seine Frau. Durch einen Gerichtsprozess kam die Wahrheit ans Licht, doch der Landstrich ist noch immer kontaminiert und das Trinkwasser vergiftet. Inzwischen haben die USA reagiert und auch die EU arbeitet an Verboten. Das Umweltbundesamt schreibt: „Die EU hat die Verwendung einiger PFAS beschränkt, weitere Beschränkungen sind in Vorbereitung.“

Sondermüll: Erde im Landkreis Altötting

Im Landkreis Altötting macht das Thema schon lange die Runde: Doch es dauerte 20 Jahre bis die Chemikalie verboten wurde. Dabei handele es sich nur um einen von 4 bis 8000 Stoffen aus der PFAS-Gruppe, so die Doku. Die europäische Umweltagentur weist auf eine erhöhte Gefahr hin, durch den Stoff an Krebs zu erkranken – aber auch eine verringerte Impfreaktion konnte bereits nachgewiesen werden. Wohl einer der Gründe, weshalb im Sommer 2022 das Blut der betroffenen Bevölkerung im Landkreis Altötting erneut untersucht wurde.

Weil im Landkreis Altötting die Erde noch immer PFOA-belastet ist, ist auch der Umgang mit Bodenaushub sehr kompliziert. Gerade in Industrieparks ist das ein Problem für geplante Erweiterungen oder Neuansiedlungen. In einer Allgemeinverfügung hat das Landratsamt 2021 zwar ein Bodenmanagement-Konzept vorgeschlagen. Dies wurde auf Geheiß des Bayerischen Umweltministeriums aber wieder aufgehoben. Derzeit werde in Abstimmung mit der Wasserwirtschaftsverwaltung und der Regierung von Oberbayern eine Handlungshilfe erarbeitet, die den Umgang mit PFOA-belastetem Boden aufzeige, so Dr. Robert Müller vom Landratsamt Altötting. Er schreibt, dass angesichts der strengen Vorgaben nur die Beseitigung in einer Deponie als Möglichkeit bleibe. „Bis auf Weiteres steht für die Entsorgung von PFOA-haltigem Bodenmaterial keine Deponie im Landkreis Altötting zur Verfügung. Erste konzeptionelle Vorüberlegungen zur Schaffung entsprechender Deponiekapazitäten wurden deshalb bereits angestoßen.“

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