Pete Kilkenny hat Galerie in Burghausen

Maler über seine Arbeit: „Kunst ist nicht in Geld zu messen“

Pete Kilkenny vor seinen aktuellen Projekten in seiner Galerie in Burghausen
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Pete Kilkenny hat vor 16 Jahren alles aufgegeben, was Sicherheit bedeutet. Für die Kunst. Seit 21 Jahren malt er Kühe. Aber auch andere Motive finden ihren Weg auf seine jeweils aktuelle Tageszeitung, an dem Ort wo er sich gerade aufhält. Denn Kilkenny ist ein Reisender.

Burghausen - Seit 1987 lebt der gebürtige Engländer Pete Kilkenny nun bereits in Deutschland. In Burghausen und Tittmoning ist er ein bekanntes Gesicht, aber auch in der internationalen Kunstszene hat Pete sich einen Namen gemacht. „Seit 21 Jahren male ich schon Kühe“, erzählt Pete im Gespräch nachdenklich. Wie es dazu kam, ist eine längere Geschichte, doch wie so oft, und wie bei so vielen Menschen, lösen ungeplante Veränderungen Krisen aus. Und die kitzeln Dinge aus uns heraus, von denen wir vorher nichts geahnt hätten.


Petes Geschichte ist die eines Reisenden. In Doncaster, England geboren, entdeckt er schon früh sein künstlerisches Talent und studiert Malerei und Druck an der Newcastle University. Er selbst legt keinen Wert auf Biographien. Für Pete sind es die Erlebnisse, die Erfahrungen, die Seele, die einen Menschen und seine Qualitäten ausmachen. 

Auf seiner letzten Reise ging es im Bus von Wien über Köln nach Amsterdam, mit der Fähre nach England in seine Heimat, und dann nach Schottland. Das war 2019. In Newcastle, wo er die Uni besucht hat übernachtet Pete in seinem Bus am Meer. Am Morgen wird er geweckt von Seemöwen. Ein Moment, ein Ort, ein Gefühl und ein Motiv, das Pete einfängt und auf die tagesaktuelle Zeitung „The Daily Telegraph“ malt. Im Hintergrund Boris Johnson und die Wirren um den Brexit. Das Werk „Seagull“ bleibt für Pete lange unverkäuflich. Doch ein Schweizer Interessent war hartnäckig genug, und der Künstler steckte seit Corona in einer schwierigen finanziellen Lage. 


Derzeit leidet auch Pete unter dem Lockdown und seinen Folgen. Seine Kunst verkauft er zwar nur zu 20% in seiner Galerie in Burghausen, doch dass der Austausch zwischen den Menschen fehlt, macht sich bemerkbar. Und dann natürlich das Hauptproblem, das im ganzen Land und in ganz Europa noch eine Weile Thema bleiben wird. Kilkenny: „Die Leute zögern Geld auszugeben, weil die Zukunft so unsicher ist“. 

Ewiger Wandel auf einer ewigen Reise. Als der Künstler mit 43 Jahren seine Baumpflegefirma aufgab, um nur noch von und für die Kunst zu leben, hat er begonnen sich privat zu reduzieren. Erst als er durch das Fernsehen und Medienberichte über die regionalen Grenzen hinaus bekannt wurde, konnte er größere Sprünge machen. Seine Verbindungen zu internationalen Künstlern beflügeln ihn, doch als Inspiration für seine eigenen künstlerischen Werke dienen oft persönliche Krisen.

„Mein Leben ist sehr vom Schicksal bestimmt. Irgendwann habe ich die Kontrolle dem Wind übergeben.“ Pete hatte keine leichte Kindheit, wie viele andere Künstler kämpft er mit Depressionen und Schüben von manischem Charakter, die oft mit enormen Schöpfungsdrang einhergehen. „Du kannst keine solche Krise künstlich herstellen“, erzählt Pete. Kilkenny ist ein Grenzgänger. Nicht nur als Reisender. 

„Zeitungen sind so kurzlebig“ sinniert der Künstler, der seine Kunst auf etwas verewigt, das am Morgen gekauft und nach dem Lesen weggeworfen wird. Inzwischen hat er etwa 500 Gemälde auf Zeitungspapier geschaffen. „Ha(e)re Today, Gone Tomorrow“ der Titel eines seiner Werke. Es zeigt einen sprintenden Feldhasen, der die Zeitung von gestern nach morgen überquert. 

Vergänglichkeit, Eile, Unrast. Themen die vor Corona hochaktuell waren. Doch die aktuelle Ruhe, die man derzeit im Lockdown beobachten kann, täuscht: In einer Zeit wo Planung unmöglich geworden, und Gesetze von Woche zu Woche erlassen werden, kämpfen Existenzen ums nackte Überleben. Eines der unverkäuflichen Werke Kilkennys ist: „I changed. Did You.“ auf der letzten Druck-Ausgabe von „The Independent“. Die bekannte britische Tageszeitung wird seit März 2016 nur noch digital vertrieben.

Im Internet sind wir nicht mehr vergänglich, wir sind immer und überall auffindbar. Wir haben uns verändert. Und auch Pete Kilkenny steckt in einer Veränderung, sowie die ganze Kunstwelt in einer Krise steckt. Auch die Spanischen Grippe hinterließ einen Riss in Kunst und Kultur, was danach zu bahnbrechenden Neuschöpfungen führte. Vielleicht braucht jede Geburt eine schmerzhafte Wehen-Phase. Es bleibt zu hoffen.

Daniela Haindl

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