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Flüchtlinge in Burghausen

Starkes Heimweh: Ukrainische Kinder sechs Monate nach Kriegsbeginn

Sechs Monate nach Kriegsbeginn feierten Ukrainer in Deutschland ihren Unabhängigkeitstag.
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Ukrainische Kinder vermissen ihr Zuhause.

An vielen Schulen im Landkreis Altötting gab es sogenannte „Willkommensklassen“. Doch den ukrainischen Kindern fehlen die Väter, die Klassenkameraden und die Heimat. Zwei Lehrerinnen über ihre Erfahrungen.

Burghausen – Ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem Putin seinen Angriff auf die Ukraine startete. Sechs Monate voller Entsetzen, Kriegsgräuel und Tränen. Nahezu ein Drittel der ukrainischen Bevölkerung musste laut UN-Flüchtlingshilfswerk das Zuhause verlassen und allein in Bayern sind inzwischen knapp 180.000 Flüchtlinge angekommen. Mehr als 70 Prozent sei laut Hermann privat untergekommen, der Rest befinde sich in staatlichen Unterkünften. An bayerischen Schulen sind inzwischen 27.500 ukrainische Schüler angemeldet. Ab dem neuen Schuljahr sollen Geflüchtete Grundschulkinder in Regelklassen und der Rest in Regel- und sogenannten „Brückenklassen“ unterrichtet werden.

Starke Sehnsucht nach der Heimat

Iryna und Valeria Sitak stammen aus Rubizhne, einer Stadt in der russisch besetzten Region Luhansk, wo einst über zwei Millionen Menschen lebten. Auch sie sind nach Deutschland geflohen: in Luhansk leben nur noch 350.000 Ukrainer, die Infrastruktur der Städte soll nahezu gänzlich zerstört sein. Inzwischen sind beide Lehrerinnen für Willkommensklassen an zwei Burghauser Schulen. „Zu den Schülern haben ich und meine Tochter Valeria ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut. Obwohl die meisten der Kinder seit Kriegsbeginn in Deutschland sind, erinnern sie sich oft an ihre ukrainischen Klassenkameraden“, sagt Iryna Sitak. Die 52-Jährige war Mathematikdozentin an der Hochschule in Luhansk. Diese ist heute zerstört.

„Alle unsere Schüler sagen sie wollen nach Hause“, berichtet die 30-jährige Valeria Sitak „Leider verstehen die Kinder oft nicht, dass es keine Möglichkeit gibt, in das alte Leben zurückzu­kehren.“ Laut Sitak fänden es auch viele Mütter und Eltern schwer in Deutschland zu bleiben und wollen zurück in die Heimat. „Manche vermissen ihre Ehemänner, anderen fällt die Eingliederung sehr schwer. Es macht mich traurig, das zu hören, denn wenn sie zurückgehen ist das sehr gefährlich für sie“, so die Lehrerin.

Die Hochschule, an der Sitak einst unterrichtete.

1000 Kinder nach Russland verschleppt

Am 24. August veröffentlichte das Institute for the Study of War (ISW) eine Meldung: Mehr als 1000 Kinder aus Mariupol sollen nach Sibirien verschleppt und dort zur Adoption freigegeben worden sein. Russische Regierungsquellen hätten dies bestätigt. Über 300 Kinder sollen noch darauf warten ihre “neue Familien” zu treffen. Für die Adoption ukrainischer Kinder soll die russische Regierung eine einmalige Bonuszahlung in Aussicht stellen.

Im Gespräch zeigt Iryna ein Foto ihrer Eigentumswohnung in Rubizhne. Die geschiedene, zweifache Mutter lebte dort mit ihrer Tochter Valeria. In den letzten Jahren hatte die Hochschullehrerin auf vieles verzichtet, denn sämtliche Ersparnisse waren in die Renovierung ihrer vier Wände geflossen. Umso schwerer war es für sie diese dem Schicksal zu überlassen. „Ich weiß nicht, wie es dort heute aussieht. In der Nachbarschaft sind einige Häuserblocks komplett zerstört. Jemand hat mir geschrieben, dass in unserem Haus alle Türen aufgebrochen und geplündert wurde“, so Iryna.

„Deutsch lernen, um hier so nützlich wie möglich zu sein“

Aber für Traurigkeiten haben die beiden Frauen keine Zeit. Sie wollen das Negative nicht so stark in den Vordergrund lassen. „Wir müssen unser Leben neu aufbauen und müssen den Fokus auf den Moment richten. Für nächstes Schuljahr plane ich weiterhin mit ukrainischen Kindern zu arbeiten. Außerdem will ich Deutsch lernen und versuchen, mich besser zu integrieren, um hier so nützlich wie möglich zu sein“ Die 52-jährige hat gerade eine Mietwohnung bezogen, die sie mit Hilfe der Burghauser Buwog finden konnte. Dennoch hofft sie, dass der Krieg bald endet und ihre Heimatstadt wiederhergestellt wird. „Sodass ich ohne Angst um mein Leben dorthin fahren kann.“

  • Wie viele ukrainische Kinder sind bereits an deutschen Schulen gemeldet?
    Seit dem 24. Februar 2022 wurden im Ausländerzentralregister 351.061 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erfasst. Rund 160.000 wurden bereits an allgemein- und berufsbildenden Schulen aufgenommen. 
  • Wieviele Ukrainer arbeiten bereits in Deutschland?
    Laut Arbeitsagentur waren Ende Juli 2022 176.160 ukrainische Staatsangehörige arb­eitslos gemeldet. Bis Ende Mai 2022 waren 26.000 Ukrainer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 
  • Welche Qualifikationen bringen die Ukrainer mit?
    Etwa die Hälfte der erwachsenen Ukrainer im arbeitsfähigen Alter nehmen laut dem Institut für Arbeits- und Berufsforschung einen Hochschulabschluss mit. Erste Zahlen aus Beratungsstellen belegen, dass sich viele ukrainische Flüchtlinge als Lehr- oder Pflegekräfte bewerben möchten.
  • Werden die Schul- oder Berufsabschlüsse in Deutschland anerkannt?
    Für eine Anerkennung muss zuerst ein Integrationskurs ab- solviert werden. Dann kann geprüft werden, ob die Ab- schlüsse in Deutschland anerkannt werden.
  • Wieviele Ukrainer haben bereits mit einem Integrationskurs begonnen?
    Mit Stand August 2022 haben laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 82.000 ukrainische Erwachsene bereits einen Integrationskurs gestartet. Etwa 12.600 absolvieren einen Erstorientierungskurs.
  • Wieviele Drittstaatangehörige sind aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet?
    Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Beginn des Krieges 276.000 Personen aus Drittstaaten nach Deutschland geflüchtet. Insgesamt sollen in der Ukraine im Jahr 2020 293.000 Ausländer einen dauerhaften Aufenthaltsstatus genossen haben. Zudem waren etwa 150.000 Personen mit befristetem Aufenthaltstitel in der Ukraine. Etwa die Hälfte davon waren internationale Studenten, und 4.900 Personen sind laut UNHCR Asylsuchende.

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