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Barrierefreiheit beim Burghauser Konzertsommer

Qual beim Konzertbesuch: Von Inklusion keine Spur

Großer Besucheransturm beim Burghauser Konzertsommer
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Großer Besucheransturm beim Burghauser Konzertsommer

Rund 22.000 Konzertbesucher zählten die Veranstalter beim Burghauser Konzertsommer. Doch ältere oder beeinträchtigte Musik-Liebhaber hatten einen schweren und langen Weg zum Ziel. Ein Betroffener berichtet von seiner Erfahrung.

Burghausen – Der 38-jährige Sebastian Friedlmeier aus Wittibreut im Landkreis Rottal/Inn lebt mit einer Gehbehinderung. Das heißt, dass er sich nur mit zwei mikroprozessorunterstützen Beinprothesen fortbewegen kann. Schon als er die Karten für das Kelly-Konzert auf der Burghauser Burg kaufte, fragte er nach, ob auf dem Weg vom Parkplatz zum Waffenplatz ein Shuttlebus angeboten würde. „Die Gegebenheiten auf der Burg Burghausen sind mir wohl bekannt“, so Friedlmeier. Sicherlich trifft dies nicht auf jeden Besucher zu, der zu einem der groß ausgelegten Konzerte auf der Burg angereist war.

Die Frage nach dem Shuttlebus wurde Friedlmeier verneint. Vor Ort fände sich aber bestimmt eine Lösung, hieß es. „Nun habe ich einen Tag vor der Veranstaltung bei der Tourist-Info in Burghausen nachgefragt. Hier wurde mir gesagt, dass es keinen solchen Service gibt und sie aber bereits mehrere derartige Anfragen hatten“, erzählt der Wittibreuter. Auch der Burgverwalter bestätigte dies, weshalb Friedlmeier schließlich beim Veranstalter anfragte.

Zwei 80-Jährige mit Krücken hätten den Weg auch geschafft

„Da sagte mir eine Dame, dass das organisatorisch nicht machbar sei und sie noch nie eine derartige Anfrage bekommen habe, was ich mir nicht so recht vorstellen kann“, schreibt Friedlmeier in seinem Social Media-Post.

 „Dann sagte sie, dass sich der Besucher selbst darum kümmern müsse, wie er vom Parkplatz bis zum Konzert kommt. Schließlich hatte sie vor zwei Tagen zwei 80-jährige Besucherinnen mit Krücken, die den Weg auch schafften. Das war für mich eine richtige Klatsche.“

Sebastian Friedlmeier, Betroffener

Kommentatoren bestätigen Friedlmeiers Bericht: „Mein Freund ist auf Stöcke angewiesen. Kein Rollstuhl. Man sagte mir, die Behindertenplätze seien nur für Rollstuhlfahrer. Den Weg nach vorne hätten wir vielleicht geschafft, nur nicht durchgehend am Konzert zu stehen. Es gab keine Möglichkeit, sich hinzusetzen. Es kann leider nicht jeder auf Postern am Boden sitzen.“ Weitere Kommentatoren schreiben, dass bei ihrem Besuch Shuttlebusse gefahren seien. Friedlmeier: „Im Telefonat vom 4. August mit COFO Entertainment wurde behauptet, dass ein Shuttleservice zu gefährlich wäre, da beim Kelly-Konzert Menschenmassen hinstürmen.“ Wie es auf dem Weg zum Konzert aussah zeigt das folgende Foto Friedlmeiers. „Wir haben es auf dem Hinweg zum Konzert, eine halbe Stunde vor Einlass gemacht. Am Einlass war eine Schlange von etwa 50 Metern.“

Dieses Foto machte Friedlmeier auf dem Weg zum Kelly-Konzert: Von Menschenmassen keine Spur.

„Dann rauschte ein Shuttlebus an uns vorbei“


„Als wir dann in der Schlange standen rauschte plötzlich ein Fahrservice an uns vorbei. Der Bus war leer und hatte Platz für acht Personen. Ich gehe davon aus dass dieser für die Band, Crew oder Techniker ist. Dennoch kam ich mir reichlich verarscht vor“, so Friedlmeier. „Selbst ein Burghauser, der uns entgegenkam, fragte mich, warum ich nicht ganz vor fahren würde. Es sei doch genug Platz zum Parken.“ Auf die Anfrage von Innsalzach24 an den Veranstalter, Cofo-Entertainment in Passau, antwortet Geschäftsführer Oliver Forster mit einem knappen Pressestatement: „Wir werden diese Problematik für den nächsten Burghauser Konzertsommer auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und uns dann bei den Planungen Gedanken machen, welche Lösungen wir für gehbehinderte oder anderweitig eingeschränkte Konzertbesucher anbieten können.“

Auch Birgit Reineke-Reiprich, Leiterin des Burghauser Kulturbüros möchte sich für eine bessere Lösung in der Zukunft stark machen: „Wir werden mit der Burgverwaltung besprechen, ob man eine Klausel in den Mietvertrag aufnehmen kann, sodass hier in Zukunft eine Lösung mitgedacht wird.“  Friedlmeier blieb am Abend des Konzertes bloß die Hoffnung: „Ich bin wahrlich nicht der Typ der seine Schwerbehinderung in den Vordergrund stellt. Ich nehme oft genug den schweren Weg in Kauf nur um keinen zur Last zu fallen. Nun, da ich meine Frau sehr liebe und ihr den Abend nicht vermiesen möchte, nehme ich den Weg auf mich. Das Konzert selbst war übrigens wunderbar.“

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