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Materialschlacht zum Schulstart in Burghausen

Weder nachhaltig noch sparsam? Händler und Käufer wünschen sich Bedarfslisten

Jedes Jahr die gleiche Materialschlacht zu Schulbeginn. Doch könnte einiges einfacher gemacht werden.
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Für Eltern, Schüler und Schreibwarenhändler purer Stress: die Materialschlacht zum Schulbeginn.

Der Schulstart nach den Sommerferien naht und damit auch das alljährliche Chaos im Schreibwarenhandel. Was Schüler für das kommende Schuljahr brauchen, erfahren sie oft erst, wenn sie schon tagelang die Schulbank gedrückt haben. Das führt zu Spontankäufen, die weder nachhaltig noch gut für den Geldbeutel sind. Was Handel, Eltern und Schulen dazu sagen.

Burghausen – „Mama! Du hast vergessen das Heft für Bio zu kaufen!“, so oder ähnlich beginnen die ersten Schultage vieler Eltern. „Die Lehrer unserer Kinder lassen die benötigten Hefte von den Schülern irgendwo aufschreiben“, sagt eine Burghauserin. Sie ist Mutter zweier Söhne an einer weiterführenden Schule und möchte namentlich nicht genannt werden. „Letztes Jahr konnte ich die diversen Zettel – das Hausaufgabenheft war noch nicht gekauft – nicht einmal entziffern. Wir mussten teilweise täglich einkaufen gehen um ein oder zwei Hefte oder Einbände zu besorgen, denn wenn das Kind die Hefte nicht hat, müssen Einträge nachgetragen werden“, so die 43-Jährige. Nachhaltigkeit und Sparsamkeit seien in Bezug auf Schulmaterial in den Schulen noch nicht angekommen, meint die Mutter.

Grundschulen geben Listen aus

„Es ist jedes Jahr ein unglaubliches Chaos“, bestätigt eine Angestellte des Schreibwarengeschäftes Dr. Naue am Telefon. „Die Grundschulen sind da vorbildlich: Sie geben die Bedarfslisten meistens noch vor den Sommerferien aus. Aber für die Schüler der weiterführenden Schulen gibt es scheinbar keine Listen.“ Die Verkäuferin gibt an, dass manche Lehrer sogar für ihre Schüler einkaufen, worauf diese Prozente bekämen und die Hefte am Ende billiger für die Eltern werden. Den Rabatt gäbe es aber für alle: „Ab einem Einkauf von zehn Euro sind es zehn Prozent, und ab einem Einkauf von 50 Euro 20 Prozent“, so die Angestellte. Es lohne sich also, mit einer Sammelliste einkaufen zu gehen.

Auch Schreibwarenverkäuferin fände Listen besser

„Es wäre einfacher, wenn es einheitliche Listen für die ganze Schule gäbe. So könnten in jeder Jahrgangsstufe die gleichen Hefte und Einbände genutzt werden“, sagt die zweifache Mutter. Auch der Verkäuferin gefällt diese Idee weil sowohl Ein- als auch Verkauf wären besser planbar und nachhaltiger werden könnten. Außerdem könnte damit auch der Kauf umweltfreundlicher Produkte gefördert werden. Durch die einheitlichen Hefte, könnten ‚angefangene‘ Schulhefte und Einbände über eine Jahrgangsstufe hinaus weiter genutzt werden", so die Burghauser Mutter. "Und abgesehen davon, dass man bei größeren Einkäufen Rabatte bekommt und Geld spart, würden sich auswärtige Eltern auch diverse Einkaufsfahrten mit dem Auto ersparen."

Realschule lässt eigens Hefte herstellen

Die Maria-Ward-Realschule in der Burghauser Altstadt hat auf der eigenen Homepage eine Bedarfsliste für alle Jahrgangsstufen veröffentlicht. Für die meisten Fächer gibt die Schule aber Hefte aus, die eine Kombination aus Schnellhefter und Schulheft darstellen. "Das ist für die Kinder leichter zu organisieren. Vor allem dann, wenn sie Kopien im Unterricht bekommen, die sie sonst in Hefte einkleben müssen", so eine Sekretärin der Schule. Die Schule hat eigens eine Druckerei mit der Herstellung der "Schul-Schnellhefte" beauftragt und erhält diese dadurch günstiger. "Auch Einbände können sich die Schüler für unsere Hefte sparen, die brauchen sie nicht", sagt die Sekretärin. Das Konzept sei also insgesamt nachhaltiger und billiger, weil statt einem Heft, einem Einband und einem Schnellhefter nur ein Produkt verwendet werde.

Aventinus-Gymnasium führt Änderung ein

Beim Aventinus-Gymnasium in der Burghauser Neustadt nachgefragt, sagt Schulleiter Dr. Ulrich Kanz: "Bislang haben wir die Einkaufslisten für Schüler der 5. Klassen per Post zugesandt." Bereits im letzten Schuljahr habe der Elternbeirat eine ähnliche Kritik wie die Burghauser Mutter geäußert, weshalb die Schule bereits reagiert habe: "Wenn in dieser Woche die Klassen und Schüler in das neue Schuljahr 'umgezogen' sind, erhalten die Schüler auch der 6. und 7. Klassen Einkaufslisten für alle Fächer über das Elternportal zugeschickt", so Kanz. "Über die 7. Jahrgangsstufen hinaus halten wir die Vorgaben nicht für sinnvoll. Ab der 8. Klasse wollen viele Schüler ihre Heftführung in Ordnern halten oder nach eigenen Vorstellungen gestalten. Für die Lehrkräfte wichtig ist dann nur, dass die grundsätzlichen Vorgaben (liniert, kariert mit/ohne Rand) eingehalten werden und die Mitschrift im Unterricht sauber erfolgt." In den höheren Klassen spiele selbst das, laut Dr. Kanz, keine Rolle mehr.

Preissteigerung bis zu 13,6 Prozent

"Das sind gute Nachrichten", so die Mutter. „Vor allem jetzt, wo alles teurer wird." Laut statistischem Bundesamt sind Schulhefte und Zeichenblöcke im Juli um 13,6 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Für Stifte und Farbkästen sowie für Füller und Füllerpatronen mussten Verbraucher 5,2 Prozent mehr zahlen als noch im Juli 2021. Die Preise für Schulranzen lagen 4,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Als Grund für die Preissteigerung vermutet das Bundesamt anhaltende Papierknappheit und höhere Kosten in der Papierproduktion.

Finanzielle Unterstützung für Schulmaterialien

"Wer finanzielle Unterstützung benötigt, kann sich über das Landratsamt helfen lassen", so Schulleiter Ulrich Kanz. "Aus dem Programm "Bildung und Teilhabe" erhalten Schüler beispielsweise Zuschüsse bei Schulfahrten, beim Mittagessen oder auch bei der Beschaffung von Schulmaterialien. Auch die Fördervereine von Schulen kann helfend unter die Arme greifen." Die Stadt Burghausen bietet selbst keine finanzielle Unterstützung an und verweist Empfänger von Arbeitslosengeld an das Jobcenter. Alle anderen Hilfeempfänger wie Sozialhilfe (SGB XII), Wohngeld, Kinderzuschlag und Asylbewerberleistungen können laut der Stadt ein Antrag beim Landratsamt stellen.

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