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Burghauser Nahversorger muss dicht machen

Katastrophe für die Anwohner: Der Edeka am Bichl schließt

Vor allem Senioren, Mütter mit kleinen Kindern oder körperlich beeinträchtigte Menschen sind sehr abhängig von dem Nahversorger.
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Der Altstadtmarkt am Bichl ist überlebenswichtig für einige Bewohner.

Der einzige Nahversorger in der Burghauser Altstadt macht zu – und das bereits zum 30. Juli. Der Grund? Personalmangel.

Burghausen – „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir aus personellen Gründen den Frischemarkt am Bichl zum 30. Juli schließen werden“, so heißt es auf einem Plakat vor der Edeka Filiale in der Burghauser Altstadt. Aufgestellt am Montag (11. Juli). Es dauert nicht lange, bis besorgte Anwohner die Diskussion auf Facebook starten: Es sei eine „Katastrophe für die Altstadt“, heißt es da: Die Stadt sei nun gefragt, das zu verhindern.

Böse Überraschung am Montagmorgen.

Auch der Bürgermeister ist überrascht

„Die Stadt bedauert die Schließung des Altstadtmarktes“, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Burghauser Rathaus. „Wir sind mit einer Situation konfrontiert, die unsere Bemühungen um eine Belebung und weitere Attraktivierung der Altstadt völlig konterkariert. Die Schließung des Frischemarktes ist ein großer Verlust und stimmt uns auch mit Blick in die Zukunft sehr nachdenklich, da die Stadt Burghausen und die Burghauser Wirtschaftsförderung in den letzten Jahren erheblichen Aufwand betrieben haben, um den Markt an diesem Standort zu garantieren“, äußert sich Bürgermeister Florian Schneider in einer ersten Reaktion.

Nachgefragt bei Josef Wimmer, einem der Geschäftsführer des Marktes heißt es: „Vor sechs Wochen hatten wir ein Gespräch mit Anton Steinberger, Geschäftsführer der Burghauser Wirtschaftsförderung, und Bürgermeister Schneider. Wir haben angekündigt, dass dieser Schritt kommen wird, und die Stadt um einen Plan B gebeten. Als Filiale ist das kaum machbar. Das Sinnvollste wäre es, wenn ein Privatmensch den Laden führt. In Bezug auf das Inventar würden wir uns sehr kooperativ zeigen.“

Gespräch mit der Stadt sei erfolglos geblieben

Die mit den Betreibern geführten Gespräche hätten leider zu keinem Ergebnis geführt und letztendlich müsse man die wirtschaftliche Entscheidung vor dem Hintergrund der geschilderten akuten personellen Engpässe akzeptieren, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt. „Natürlich werden wir alle Hebel in Bewegung setzen, um möglichst schnell wieder eine entsprechende Versorgung der Altstadt zu garantieren und sind für jedes Geschäftsmodell und jede Anregung offen. Die Stadt wird auch künftig jegliche Bemühungen für eine Versorgung der Altstadt mit den Dingen des täglichen Bedarfs unterstützen, und sich entsprechend einbringen.“ Von der Kurzfristigkeit der Schließung zeigt sich der Burghauser Bürgermeister sehr überrascht und betont, dass die Stadt nicht in der Lage sei, Personal für den Markt einzustellen. „Wir sind auf der Suche und in Kontakt mit Interessenten. Außerdem sind wir offen für Ideen, Anregungen und unterstützen gerne jedes Vorhaben“, so Schneider.

Verlustgeschäft stehen nicht im Vordergrund

Im Telefonat gibt Wimmer nähere Details zur Entscheidung bekannt: Obwohl die Stadt Burghausen die Filiale am Bichl mit Mietfreiheit unterstütze, habe der Frischemarkt am Bichl seit April 2011 insgesamt 350.000 Euro Verlust eingebracht. „Bei den derzeit steigenden Energiekosten und sinkenden Umsätzen ist der Standpunkt hoch defizitär“, so Wimmer. Allein im Jahr 2021 habe der Markt 60.000 Euro Miese gemacht. Die Schritte zur Schließung seien über Monate überlegt und keine Spontanaktion gewesen. „Anscheinend brauchen die Leute den Laden nicht“, erklärt Wimmer weiter. „Seit Jahren haben wir sinkende Kundendurchlaufszahlen. Dennoch: Die Schließung hat Nichts mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten zu tun. Das Hauptproblem ist der Personalmangel. Wir stellen ein, wer arbeiten will. Man kann alles lernen. Aber es ist kein Personal zur Verfügung. Ich bekomme keine Bewerbungen.“

Schließungs-Verschwörungstheorien

Dem Unternehmen werden in der Facebook-Diskussion diverse andere Gründe für die Schließung unterstellt. Auch dass nicht aktiv genug nach Personal gesucht werde. Doch Geschäftsführer Wimmer betont, dass ihm die Altstadtversorgung immer am Herzen gelegen sei. Man habe diese „sozusagen subventioniert“ – mit umgerechnet 30.000 Euro Verlusten pro Jahr. Auch bei der Filialschließung in Burgkirchen habe es schon bitterböse Leserbriefe gehagelt. Danach habe eine Private den Laden übernommen und wegen fünstelligen Verlusten nach kurzer aufgeben müssen. „Als Filialunternehmen lässt sich so ein Laden nicht rechnen“, sagt Wimmer. Unternehmen sind de facto gewerberechtlich verpflichtet, Gewinne zu erwirtschaften.

„Aber die wirtschaftlichen Gegebenheiten sind – wie schon erwähnt – nicht das Hauptproblem“, betont Wimmer. „Wir haben kein Personal mehr. Wir suchen permanent. Auch für die anderen Märkte. Bisher konnten wir einen personellen Engpass mit Aushilfen von der Neustadt-Filiale überbrücken, aber das geht jetzt nicht mehr. Mit so wenig Personal können wir die gesetzlichen Auflagen wie beispielsweise das Arbeitsschutzrecht oder Hygieneregeln nicht mehr gewährleisten. Und auch den Anspruch an unser eigenes Niveau nicht mehr aufrecht erhalten.“

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