Urlaubsstimmung im Keller

Insolvenz von Thomas Cook: Burghauser aus Hotel geworfen

Der Strand in Conil bei Jerez lädt zum Entspannen ein. Doch die Urlaubsstimmung ist bei Thorsten und seiner Freundin aufgrund der Insolvenz von Thomas Cook im Keller.
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Der Strand in Conil bei Jerez lädt zum Entspannen ein. Doch die Urlaubsstimmung ist bei Thorsten und seiner Freundin aufgrund der Insolvenz von Thomas Cook im Keller.

Jerez/Burghausen – Thorsten (42) und seine Freundin Angela (38) wollten eigentlich eine Woche Urlaub machen. Doch aufgrund der Insolvenz von Thomas Cook mussten sie das Hotel wechseln – auf eigene Kosten.

Eine Woche Sonne, Strand und Erholung an der andalusischen Küste – das war der Plan des gebürtigen Burghausers Thorsten und seiner Freundin. Doch aufgrund der Insolvenz von Thomas Cook kam alles anders. Zunächst hieß es, es sei nur das britische Unternehmen betroffen. Am Mittwoch hat nun aber auch die deutschen Tochtergesellschaften ihre Pleite bekannt gegeben. Davon betroffen ist auch Neckermann, bei denen der 42-Jährige die Reise gebucht hat.


Bereits einen Tag nach ihrer Ankunft, hatte das Hotel am Montag beschlossen, dass allen Gäste von Thomas Cook der Aufenthalt in Rechnung gestellt wird, obwohl alle diese bereits im Vorfeld beglichen hatten. „Wir hätten rund 970 Euro bezahlen sollen“, berichtet Thorsten, der in Emmerting aufgewachsen ist. Rund 200 Gäste seien laut dem 42-Jährigen davon betroffen gewesen. Viele Gäste weigerten sich zunächst, den Betrag zu bezahlen, da das deutsche Unternehmen noch nicht von der Pleite betroffen war.

Thorsten: "Ich hätte mir mehr Hilfe erhofft"

Es wurde der deutsche Konsul von Jerez eingeschaltet und man organisierte am Dienstag eine Gesprächsrunde, um eine Lösung für dieses Problem zu finden. Die Hotelbesitzer fürchteten, dass sie kein Geld von Thomas Cook Deutschland bekommen würden. Die Gäste dagegen wollten nicht doppelt für ihren Urlaub zahlen, da die Vertragspartner der Hotels bisher keine Insolvenz angemeldet hatten. Die Hotels rückten allerdings nicht von ihrer Meinung ab. „Es war sehr enttäuschend. Ich hätte mir mehr moralische Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland erhofft“, sagte Thorsten gegenüber innsalzach24.de.


Am Mittwoch bekamen alle Gäste einen Brief vom Hotel mit dem Hinweis, dass alle Zimmer der Urlauber gesperrt werden, die ihren Aufenthalt für den Zeitraum von Montag bis Mittwoch nicht zahlen würden. Danach könnte man tageweise zahlen. Viele Gäste hätten daraufhin den fälligen Betrag gezahlt, Thorsten allerdings weigerte sich, da Thomas Cook Deutschland erst am Mittwoch Insolvenz beantragt hat und somit für das Hotel kein rechtlicher Anspruch auf diese Summe bestehen würde.

Hotel setzt Pärchen vor die Tür

„Zahl oder raus“, so lautete am Ende das Ultimatum des Vier-Sterne-Hotels an das Pärchen. Stattdessen buchten beide eine alternative Unterkunft für 136 Euro bis zum geplanten Rückflug am kommenden Sonntag. Das Hotel befindet sich in der Stadt und nicht mehr direkt am Strand und hat natürlich eine geringere Sternekategorie als der Vorgänger.

Seit der offiziellen Pleite von Thomas Cook Deutschland ist die Zurich-Versicherung für die laufenden Kosten aller betroffenen Urlauber zuständig. Problem dabei ist, dass nur ein Betrag in Höhe von 110 Millionen Euro abgedeckt ist. Dieser reiche vermutlich aber nicht für alle Kosten aus. Der Rückflug ist nach Angaben der Versicherung aber gesichert. Daher versuchen beide jetzt, die Summe für den restlichen Urlaub so gering wie möglich zu halten.

Das Pärchen kann alle Kosten bei der Versicherung einreichen, dennoch gehen beide nicht davon aus, die ganze Summe erstattet zu bekommen. Die Hotlines aus den Reiseunterlagen wären nicht mehr besetzt und bei der Versicherung ständig besetzt. Die Stimmung ist im Keller. „Man hängt in der Luft und fühlt sich ziemlich alleine gelassen. Aber wir versuchen jetzt noch das beste aus dem Urlaub zu machen“, so Thorsten. Immerhin scheint der Rückflug gesichert zu sein.

jz

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