Zwei Inhaber aus Burghausen erzählen vom Alltag

Arbeiten bei extremer Hitze: Wenn das Thermometer 50 Grad anzeigt

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Sefa in seinem Imbisswagen arbeitet derzeit unter schwierigen Bedingungen
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Burghausen – Die Hitzewelle hält weiter an - wie die Inhaber eines Imbisswagens und einer Metzgerei die hohen Temperaturen in ihrer Arbeit erleben:

50 Grad Celsius zeigt das Thermometer in der Imbissbude am BayWa-Parkplatz an. Inhaber Sefa (29) ist nicht nur der Sonne ausgesetzt, sondern in seinem Imbisswagen strahlt die Wärme auch von seinen Küchengeräten aus. Bei ihm gibt es u.a. Pizza aus dem Ofen, Döner vom Grillspieß und Pommes aus der Fritteuse – alles trägt dazu bei, dass die Temperatur in seinem offenen Wagen noch wärmer ist als draußen.

Um etwas frische Luft abzubekommen, hat sich Sefa einen Ventilator vor die Tür gestellt. Doch die frische Luft kommt bei ihm meistens erst gar nicht an. Am Pizzaofen und Dönergrill hält er sich die meiste Zeit auf und diese stehen auf der anderen Seite des Wagens. Dort dürfte es noch wärmer sein als es das Thermometer anzeigt.

Andrang zur wärmsten Zeit

Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht und die größte Kraft ausstrahlt, kommen natürlich auch die meisten Gäste. „Wenn kein Kunde da ist, stelle ich mich auch gerne mal neben den Wagen, um der Hitze zu entgehen“, erzählt der 29-Jährige. Zwischen 14 und 17 Uhr sei generell weniger los.

„Normalerweise trinke ich zwei bis drei Dosen, momentan sind es ca. fünf Liter Flüssigkeit, die ich zu mir nehme“, berichtet Sefa. Doch Jammern will der Inhaber auch nicht, denn gegen das Wetter könne man sowieso nichts machen. „Es wird auch gemeckert, wenn es regnet“, so der 29-Jährige. Man müsse die Situation so annehmen, wie sie ist und es so erträglich wie möglich machen.

Kühlräume nur für Ware - hohe Temperaturunterschiede

Wer dachte, dass es ein Metzger bei diesen Temperaturen einfacher hat, hat sich getäuscht. Zwar gibt es große Kühlungen, die sind aber ausschließlich für die Ware. Im Produktionsraum zeigt das Thermometer auch über 40 Grad an. Es gibt viele Backöfen und auch Brühwürstchen wie Wiener oder Weißwurst müssen in über 70 Grad heißes Wasser verarbeitet werden. „Bei hohen Temperaturen können wir nur kleinere Mengen verarbeiten. Wir müssen also öfters in die Kühlung gehen, um die Rohprodukte zu holen“, so Wenzel Breu jun. von der Stadtmetzgerei in Burghausen.

Hier brühen die Würste bei über 70 Grad - ein derzeit unangenhmer Platz zum Arbeiten

Doch das sei keineswegs angenehm – im Gegenteil: „Wir haben wasserabweisende Latexschürzen an und dadurch schwitzen wir auch mehr. Wenn man dann in die Kühlung geht, besteht eine höhere Erkältungsgefahr durch den großen Temperaturunterschied“, so der Metzger. Seinem Vater seien sogar schon mal die Haare eingefroren. Die Kühlräume haben eine Temperatur von null Grad und der Tiefkühler liegt sogar bei -20 Grad. Das sind über 60 Grad Unterschied zwischen Produktions- und Kühlraum.

Dienstbeginn um 5 Uhr morgens

Ein Vorteil im Vergleich zu einer Imbissbude ist allerdings der Beginn der Arbeitszeit. So beginnt der Metzger mit seiner Crew bereits um 5 Uhr morgens. „Ab 9 Uhr bis mittags zum Feierabend merkt man die Hitze aber dann doch so richtig“, berichtet der Metzger.

Wenzel Breu jun. im Kühlraum, wo nur die Ware gelagert wird

Weitere Auswirkungen sind höhere Energiekosten für die Kühlung. Auch beim Kaufverhalten der Kunden fällt auf: „Die Menschen haben weniger Hunger durch die Hitze. Es ist sicherlich nicht verkaufsfördernd. Doch das gleicht sich dafür am Wochenende mit vielen Grillfesten aus“, so der Metzger.

Auch an diesem Wochenende soll die Hitzewelle weiter andauern - bestimmt mit der ein oder anderen Wust auf dem Grill.

jz

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