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Fake-Hotel in Italien

Burghauser Pärchen gerät über Hotel-Portal in Betrüger-Falle

Das Zimmer sollte ein eigenes Bad und eine Klimaanlage haben, nichts davon war wahr.
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So wurde das Zimmer im Netz beworben.

Die Ferien stehen vor der Tür und die Corona-Maßnahmen sind gelockert: Viele Deutsche freuen sich nun auf den wohlverdienten Urlaub und machen sich auf die Suche nach Hotels. Plattformen wie Booking.com können dabei kaum übersehen werden, versprechen sie doch Rabatte, Kundendienst und Sicherheit. Ein Burghauser Pärchen ist dabei in die Hände von Betrügern geraten, die ein Fake-Hotel in Rom anbieten.

Burghausen – „Seit Februar waren wir entweder in Quarantäne, Isolation oder Dauerstress. Den Urlaub haben wir uns redlich verdient“, sagt Simone Huber. Die Burghauserin und ihr Freund Jochen Zimmer (Namen von der Redaktion geändert) aus Passau freuten sich auf eine Woche in Rom, um durchzuschnaufen und Zeit füreinander zu haben. Was sie dann erlebten, war jedoch das Gegenteil einer entspannenden Reise.

„Seit Jahren benutze ich booking.com, um Hotels und Unterkünfte im Ausland zu buchen,“ erläutert die 46-Jährige Angestellte. Auf der Online-Plattform habe sie als Vielbucherin bereits „Genius-Level 3“ erreicht. Das Treueprogramm verspricht 10 bis 20 Prozent Rabatt, kostenloses Frühstück und Zimmer-Upgrade sowie bevorzugten Kundenservice. „Es hat noch nie Probleme gegebe: Als mir einmal eine Zahlung für eine stornierte Reise rückerstattet wurde, war ich sogar positiv überrascht“, erzählt Simone. Ihr Partner habe noch nie über die Plattform gebucht, er verlässt sich lieber auf Hotel-Ketten. „Die waren aber in Rom zu weit ab vom Schuss. Deswegen war ich offen für Neues“, so der 49-Jährige.

Jahrelang gute Erfahrung mit booking.com

„Ich mag kleine und individuelle Unterbringungen, und habe immer wieder wunderschöne Apartments, aber auch super-günstige Gemeinschaftsunterkünfte über Booking.com gefunden. So etwas wie dieses Mal ist mir noch nie passiert!“ Simone Huber hatte auf der Plattform eine Liste von mehreren Unterkünften mit ihrem Freund geteilt. Er hatte eine Unterkunft ausgewählt und beide beschlossen, diese zu buchen. Wie immer wurden über die Plattform die Kreditkarteninfos abgefragt. „Ich habe der Unterkunft noch mitgeteilt, dass wir erst um 22 Uhr anreisen“, erzählt Jochen. Eine Antwort darauf erhielt er zwar bis zur Ankunft nicht, doch das Pärchen dachte sich nichts dabei. „Das kann schon mal passieren“, meint Simone.

Betrüger bieten Bruchbuden auf Internet-Plattformen an

Die Unterkunft war in denkbar schlechtem Zustand
Schwarzer Schimmel statt weißer Wand. © privat
Die Unterkunft war in denkbar schlechtem Zustand
Das Bett war notdürftig zusammengebastelt. © privat
Die Unterkunft war in denkbar schlechtem Zustand
Dicker Staub auf den Fußleisten © privat
Die Unterkunft war in denkbar schlechtem Zustand
Ausgerissenes Bad-Türschloss. © privat
Die Unterkunft war in denkbar schlechtem Zustand
Löcher in der Wand der Duschkabine. © privat
Die Unterkunft war in denkbar schlechtem Zustand
Die Türen waren aus einer Art Gips-Platte. © privat
Die Unterkunft war in denkbar schlechtem Zustand
Unverputzte Stellen im Zimmer selbst. © privat
Die Unterkunft war in denkbar schlechtem Zustand
Der Türrahmen der Badtüre. © privat

„Als wir bei der Adresse ankamen, war weit und breit kein Schild des angeblichen Hotel zu sehen. Also rief ich die Vermieterin an“, erklärt Jochen. Simone habe ihren Freund beruhigt, denn es handele sich bei Gallienus um ein Bed & Breakfast Angebot und kein Hotel im herkömmlichen Sinn. „Das Gebäude sah in Ordnung aus. Die Vermieterin kam etwa 30 Minuten nach dem Anruf. Zu dem Zeitpunkt machte ich mir noch wenig Sorgen“, erzählt sie. „Dass die Frau von einem Mann begleitet wurde, fand ich ‚verantwortungsbewusst‘. Ich vermutete es sei ihr Freund.“ Dass der dunkelhaarige Mann jedoch alle Bewegungen der vermeintlichen Vermieterin im Auge behielt und einen gewissen Argwohn ausstrahlte sollte Simone erst später beunruhigen.

Bed & Breakfast in der Bruchbude

„Als wir dann die Bruchbude betraten, sträubten sich mir die Haare“, so Jochen Zimmer. Auf Booking.com wurde die Unterkunft mit eigenem Bad, allergikerfreundlich und mit Klimaanlage ausgestattet beschrieben. Tägliche Säuberung, Desinfektion und Trinkwasser in Flaschen wurden versprochen. „Nichts von dem, was auf Booking.com angegeben war, stimmte mit der Realität überein. Angefangen beim Zimmer selbst bis hin zur Klimaanlage“, erzählt Jochen. „Das Bad inklusive der Toilette war ein Gemeinschaftsbad im Flur der 4-Zimmer-Wohnung. Es hatte ein ausgerissenes Türschloss und konnte nicht verriegelt werden. Die Türen waren aus Gips-Platten und bei jeder Berührung hatte man staubige Finger“, so Simone.

Metallrahmen, Holzfront, verrosteter Nachttisch

Es sei extrem unhygienisch gewesen, erzählt die Burghauserin. Sie zeigt Fotos von Haaren, Staub und Dreck auf den Fußböden. „Alles in der Wohnung war kaputt. Das Bett war ein Metall-Klapprahmen, an den ein Holzbrett montiert war. So sollte es wohl wie ein echtes Bett aussehen. Der Spiegelschrank war kaputt, der Schreibtisch, die Nachttischlampe. An der Wand war schwarzer Schimmel und überall befanden sich unverputzte Stellen und Löcher.“ Das Pärchen war dennoch zu müde für weitere Schritte. Die Vermieterin war bereits wieder weg. Erschöpft von der langen Anreise beschlossen die beiden eine Nacht zu bleiben. Sie machten Fotos und Videos und wollten am nächsten Tag weitere Schritte besprechen.

Angst vor weiteren kriminellen Handlungen

Während der schlaflosen Nacht findet die 46-Jährige haarsträubende Rezensionen auf Google und anderen Plattformen: „Ich bekam Angst vor einer Konfrontation mit der vermeintlichen Vermieterin und ihrem Begleiter. Die Rezensionen wiesen auf eine Bed&Breakfast Kette hin, die den Betrug mit Unterkünften seit Jahren betrieb. Manche Gäste seien nicht einmal in ihr Zimmer gekommen. Ein Gast hatte ein Foto von dem gebuchten Zimmer veröffentlicht: Unter dem Bett WC-Schüssel und Werkzeug. Eine junge Frauen sei angeblich ‚gezwungen‘ worden, in dem Zimmer zu bleiben. Niemand habe zurückgefordertes Geld bekommen. „Ich hatte das Gefühl einer organisierten Bande in die Hände geraten zu sein. Am Morgen haben wir dann gleich die Kreditkarte sperren lassen und bei booking.com angerufen. Dann sind wir in ein Hotel um die Ecke gezogen, und konnten endlich durchschnaufen“ so die Burghauserin.

So wurde das Zimmer auf der Internetseite beworben.

„Booking.com wollte, dass wir die Vermieterin kontaktieren, also haben wir angerufen und eine Nachricht geschrieben. Ohne Antwort. Danach hat die ‚Vermieterin‘ bei booking.com vorgegeben, dass wir überhaupt nicht gekommen seien“, erzählt Jochen. Bei einem sogenannten „No Show“ verlischt das Recht des Kunden auf Rückzahlung. „Natürlich habe ich das nicht auf mir sitzenlassen, seither rufe ich im Rhythmus von zwei Tagen bei Booking an. Jedesmal hänge ich etwa eine halbe Stunde in der Leitung und erkläre immer wieder den gleichen Sachverhalt. Jedesmal spreche ich mit einer anderen Bearbeiterin.“ Die Unterhaltungen finden immer in Englisch statt, zum Glück spricht der Passauer die Sprache fließend.

Hoffnung auf Rückzahlung und Hilfe durch booking.com

„Die Zahlungsreklamation bei der Kreditkarte wurde inzwischen abgelehnt, ich werde aber nicht so schnell aufgeben“, so Jochen Zimmer. Ob die Versicherung seiner Kreditkarte in diesem Fall greift ist noch unklar. Es handelt sich zwar offensichtlich um Internet-Betrug, doch die Güte der Kreditkarte sowie deren zugehörige Versicherungsabdeckung spielen eine entscheidende Rolle. Zimmer hofft auf die komplette Rückerstattung der 850 Euro, für die bereits bezahlten sieben Übernachtungen. Booking.com hat den Vermieter um eine Stellungnahme gebeten und das Angebot vorsorglich aus dem Portal genommen, ob Jochen Zimmer allerdings sein Geld von dem Portal bekommt bleibt vorerst offen. Eine Antwort wird in Kürze erwartet und nach Erhalt auf innsalzach24.de veröffentlicht.

Jens Jansen, Rechtsanwalt der Kanzlei Jansen & Würnstl in Altötting, sagt, dass solche Fälle immer häufiger werden. „Der Verantwortliche ist in solchen Fällen leider nicht das Reisebüro. Dieses ist nur der Vermittler, und für Schadensersatz ist nur der Vermieter selbst – in diesem Fall der italienische Vermieter– zuständig.“ Jansen empfiehlt Reisebuchungen deshalb nur direkt bei den Anbietern selbst abzuschließen. Eine Anzeige bei der Polizei mache wenig Sinn und gegen einen Vermieter im Ausland gerichtlich vorzugehen sei schwierig, weil der Gerichtsstand dann auch im Ausland sei. „Es bleibt also nur die Überlegung, ob man mit einer Klage dem schlechten Geld noch gutes Geld hinterherwirft“, so der Anwalt. „Am Ende hat man nie eine hundertprozentige Sicherheit bei einer Online-Buchung. Selbst mir könnte so etwas passieren“, schließt Jansen.

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