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PFOA-Deponien in Haiming und Kastl?

Ewigkeitsproblem PFOA: Landkreis Altötting will Deponie-Lösung

Die Karte zur Allgemeinverfügung des Landratsamts Altötting zum Umgang mit PFOA-belastetem Bodenmaterial.
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Die Karte zur Allgemeinverfügung des Landratsamts Altötting zum Umgang mit PFOA-belastetem Bodenmaterial. Das Stadtgebiet von Burghausen ist dabei nicht betroffen.

Wo der Verursacher von „Verunreinigung“ spricht, sprechen andere von „schädlicher Bodenveränderung“: Der Unterschied liegt in der Sanierungsmöglichkeit des Bodens. Im Landkreis Altötting wird jetzt eine Deponielösung für PFOA-Erde angestrebt.

Landkreis Altötting – „Ich beziehe mich heute nur auf den Boden“, begann Dr. Robert Müller seine Präsentation in der Kreistagssitzung Altötting. Er berichtete über den aktuellen Stand des Umgangs mit PFOA-haltigem Bodenaushub. „Letzten Sommer haben wir uns gedanklich auf die Schulter geklopft, weil wir dachten, mit der Allgemeinverfügung eine Lösung gefunden zu haben“, so Müller. Die Auseinandersetzung mit dem Bayerische Umweltministerium habe man in dieser Sache aber verloren, die Allgemeinverfügung wurde gekippt. „Es gibt jetzt eine Lösung: In der Erarbeitung stehen wir aber noch am Anfang“, so Müller.

PFOA: gekommen, um zu bleiben

„PFAS sind unsere ewigen Begleiter. Sie sind gekommen, um zu bleiben“, führt Müller weiter aus. „Die außerordentliche Stabilität, die für beschichtete Materialien so von Vorteil ist, hat gravierende Nachteile für die Umwelt. Die Wissenschaft geht davon aus, dass sich ein weltumspannender Kreislauf etabliert hat.“ In einer Untersuchung des Wasserwirtschaftsamtes heißt es, dass „mit Abklingzeiten von mehreren Jahrzehnten, und teils mehr als hundert Jahren, zu rechnen ist.“ Man habe schon viele Diskussionen mit den betroffenen Bürgermeistern geführt, so Müller. Aber das Thema gehöre auch in den Kreistag. „Fatalistisch betrachtet wird dieses Problem nie gelöst sein“, ergänzte Landrat Erwin Schneider. „Es gibt etwa 6000 dieser Stoffe und nur 50 davon kann man analysieren.“

Schädliche Bodenveränderung oder Verunreinigung?

Der Verursacher steht schon seit Jahren fest: Abluft aus dem Chemiepark Gendorf hat die umliegenden Gebiete – insgesamt 190 km2 – mit dem Umweltgift belastet (Link zu den Bodenscreenings). Zwischen 2006 und 2009 hat das Wasserwirtschaftsamt eine orientierende Untersuchung vorgenommen. „Die Ergebnisse waren eindeutig. Es muss aber weiter untersucht werden, weil der Verdacht auf eine schädliche Bodenveränderung besteht“, so Dr. Müller. Laut dem Bundes Bodenschutzgesetz liegt dieser Tatbestand vor, wenn Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für den einzelnen oder die Allgemeinheit durch die Veränderung des Bodens entstehen. In einem Gutachten der Dyneon GmbH aus dem Jahr 2019 wird dagegen nur von „Verunreinigung“ gesprochen. Dies sei laut Dr. Müller „kein Zufall“. Das Gutachten besagt: „In Gebieten, in denen Bodenfunktionen trotz Überschreitung der [...] Schwellenwerte nicht in dem [...] vorausgesetzten Maß beeinträchtigt sind, liegt keine schädliche Bodenveränderung vor.“ Eine großräumige Sanierung sei unmöglich und es gebe keine erprobte oder effiziente Sanierungstechnologie, so das Gutachten.

Deponie innerhalb von drei Jahren realisierbar

„Für unsere Allgemeinverfügung besteht keine Rechtsgrundlage mehr, solange keine weiteren Untersuchungsergebnisse da sind“ führte Dr. Müller aus. Seitens dem Landratsamt bejahe man die Untersuchungen aber vorgeschaltet müsse eine Lösung für den belasteten Boden her, um gewerbliche Investitionen sicherzustellen. „Wir werden im großen Maße Boden einer Deponie zuführen müssen. Die Schaffung einer DK1 Deponie wird uns in die Lage versetzen, jegliches Bodenmaterial dort unterzubringen“, so Müller. Der Plan sei innerhalb von drei Jahren umsetzbar. Das Ministerium befürworte die Lösung und stehe hinter dem Landkreis.

Ewigkeitsthema und Ewigkeitskosten

Ich halte den Weg für fachlich zweifelhaft“, so Erwin Schneider, „aber wir müssen ihn gehen.“ Die Schaffung einer DK1-Deponie sei kein Problem, aber das Sickerwasser müsse behandelt werden – möglicherweise mit Tiefkohlefilter, so der Landrat. „Jetzt müssen wir den Weg der Deponie gehen, weil wir keinen anderen gehen können – und das schnell“, sagte der Burghauser Bürgermeister Florian Schneider zur Sache. „PFOA ist eine der ganz großen Katastrophen für neue Ansiedlungen im Landkreis. Das Thema ist unser ewiger Begleiter. Es stellt sich nur die Frage wer das zahlen soll. Der Verursacher sollte sich jetzt so schnell wie möglich einbringen, sodass wir die Sache auch finanziell und wirtschaftlich angehen können.“ Laut Landrat Schneider sollen die Anlieferer für den Boden-Aushub an die Deponie zahlen.

Deponien in Haiming und Kastl?

Dr. Robert Müller stellt außerdem infrage, ob man jemanden finde könne, der eine PFOA-Deponie betreiben wolle. „Wir wollen auf jeden Fall eine Deponie im Landkreis,“ so Landrat Schneider. Der verunreinigte Boden solle im verunreinigten Gebiet bleiben. Auch Kreisrat Hans Steindl und Altbürgermeister von Burghausen meldete sich zu Wort: „Ich glaube wir müssen einen sehr pragmatischen Weg gehen. Wir haben zwei Kiesgruben, die man umbauen kann: In Haiming und in Kastl. Man weiß, dass die zwei Deponien eine Summe von 10 bis 15 Millionen Euro kosten werden. Das Landratsamt muss jetzt federführend klärend wie die Sache finanziert wird. Wenn die Gemeinden Haiming, Burgkirchen und Kastl mitspielen, dann könnte man innerhalb weniger Monate die Kiesgruben umrüsten.“

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