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Podiumsdiskussion am Campus Burghausen

Düsteres Zukunftsszenario: Politik zu langsam und ohne Strom keine chemische Industrie

ChemDelta Bavaria, Wacker Chemie Ag, OMV Deutschland, TH Rosenheim und der Bürgermeister von Burghausen.
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Gerald Rhein begrüßte sechs Gesprächspartner zu einer Podiumsdiskussion am Campus Burghausen.

Die Unternehmen stehen in den Starlöchern: Doch sind am Ende die überbordende Bürokratie und Dauer-Vertröstung das Ende für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen? Das und mehr wurde gestern am Campus Burghausen diskutiert.

Burghausen – „Die Lage ist ernst“, begann BR-Moderatorin Anouschka Horn die gestrige(5.Juli) Veranstaltung am Campus Burghausen, zu der die Chefs der wichtigsten Chemieunternehmen der Region geladen waren. „ Durch explodierende Rohstoff- und Energiepreise sieht sich das Bayerische Chemiedreieck an seiner Achillesferse getroffen“, so Horn weiter: 20.000 Arbeitsplätze seien direkt und 40.000 indirekt von der Energiekrise betroffen. Um CO2-neutral werden zu können müsse auf Wasserstoff gesetzt werden, was bedeute, dass der Energiebedarf im Chemiedreieck massiv anstiege und so ein Zehntel des kompletten Energiebedarfes in Bayern ausmachen.

Lähmende Geschwindigkeit der Politik

Angesichts der Gaswarnstufe 2, die Ende Juni ausgerufen wurde und den ab Montag (11. Juli) bevorstehenden Wartungsarbeiten an Nordstream 1, könne man sich ein düsteres Zukunftsszenario ausmalen. „Wir fühlen uns etwas sehr verlassen. Äußerst verlassen, was die große Politik betrifft. Da wird man vertröstet, erfährt dass Förderanträge irgendwo rumliegen“, sagte der Burghauser Bürgermeister Florian Schneider (SPD) in seinem Grußwort. Er sprach dabei von Anträgen für das Projekt „Reallabor“, mit dem Technologien entwickelt werden sollen, die Wasserstoff als Energieträger in der chemischen Industrie, in Logistik und Wirtschaft nutzbar machen können, um CO2 einzusparen. Der Förderantrag für das Projekt sollte im Herbst 2021 genehmigt werden. Seitdem warte man.

Dr. Peter von Zumbusch, der Leiter des Burghauser Werkes der Wacker Chemie AG, betonte während seines Impulsreferates, dass man auf baldige Genehmigung hoffe. „Wir brauchen CO2-neutralen Strom zu international wettbewerbsfähigen Preisen. Der Ausbau muss in rasanter Geschwindigkeit vorangetrieben werden: Anhand unbürokratischer Förderinstrumente“, so von Zumbusch. „Wir müssen alles anpacken, und zwar sehr viel schneller als das im Moment passiert. Ein Projekt das uns dabei helfen würde ist das „Reallabor“. Die Geschwindigkeit der Bearbeitung des Förderantrages ist jedoch lähmend.“

„Laufen im Winter in echte Energieknappheit rein!“

Wir laufen im Winter in eine echte Energieknappheit rein“, sagte Manfred Weber (CSU), Europaabgeordneter und Chef der EVP, in einem Video-Einspieler. „Chemieunternehmen im eigenen Land können so nicht wettbewerbsfähig bleiben. Wir müssen alles dran setzen, dass wir günstigen Strom garantieren können. Die Frage danach wird jeden Tag ernster, und wenn Putin die Gasversorgung über Nordstream 1 komplett abstellt, wird die Sache noch mehr an Dynamik gewinnen.“ Auch Dr. Bernhard Langhammer, Sprecher der ChemDelta Bavaria stellte fest, dass es ein generelles Problem für die deutsche Industrie bedeute, wenn die dritte Warnstufe ausgerufen werde. „Ich denke wir haben dann ein großes Problem“, so Bürgermeister Schneider. „Wir laufen auf eine schwierige Krise zu, wie groß und wie sie gelöst wird – das kann man seriös nicht sagen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass kein Gas mehr kommt.

Anton Steinberger, Geschäftsführer der Campus Burghausen GmbH fügte hinzu, es sei ein großes Handicap dass es keine Stromtrasse nach Bayern gebe. „Ohne Strom gibt es keine Chemie. Mit der Bewilligung des Reallabors werden wir vertröstet, bis am Ende die Chancen verspielt sind. Ob es gelinge, dass die Wasserstoffpipeline bis 2040 erstellt wird, spiele für Dr. Stefan Hölbfer, Geschäftsführer der OMV Deutschland, keine Rolle. „Denn dann ist es deutlich zu spät. Dann wird keiner mehr hier sitzen, von den Firmen, die heute hier sind. Entweder es gibt ausreichend Energie oder ausreichend grünen Wasserstoff. Wir müssen auch überregionale Partnerschaften erwägen, um möglichst schnell zu sein und Energien dort nutzen, wo sie entstehen. Sonst ist es zu spät.“

Staat mit Genehmigungsverfahren überfordert

Dr. Bernhard Langhammer, Sprecher der ChemDelta Bavaria nahm dazu Stellung und betonte: „Die Umsetzungsgeschwindigkeit macht mir die größte Sorge. Die Politik kündigt Maßnahmen an, macht sich aber keine Gedanken mit welchen Genehmigungsverfahren. Wir bauchen seit 20 Jahren ein Gleis von München nach Burghausen: Wenn wir so weitermachen, können wir gar nichts, zum Schluß. Ich fordere einen Genehmigungsturbo! Zu viele gute Mitarbeiter, die früher Vieles angestoßen haben, hat der Staat an die Industrie verloren. Das Personal ist ausgedünnt und mit Genehmigungsverfahren überfordert. Es braucht Top-Leute, denn für ein Champions-League Spiel würde man auch keinen Schiedsrichter der Bayernliga pfeifen lassen.“

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