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Burghauser sollte für Strom zweimal zahlen

Drohung mit Abschaltung und Mahngebühren: Doch ein Vertrag bestand nicht

E.on Zentrale in Essen
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Eon ist als Grundversorger verpflichtet, die Energielieferung sicherzustellen.

Wenn überraschend eine Stromrechnung von Eon hereinflattert, dann liegt das nicht immer an den höheren Energiepreisen. So erhielt ein Leser für seinen Zähler Rechnungen von gleich zwei Stromanbietern. Eine weitere Leserin wurde für einen gänzlich unbekannten Zähler abgemahnt. Beides ohne Vertragsabschluss.

Burghausen – Die Diskussionen um höhere Energiekosten legen nahe, dass Strom- und Heizkostenabrechnungen künftig öfter einmal mit negativen Überraschungen einhergehen könnten. Was zwei innsalzach24-Lesern in Bezug auf ihre Stromrechnungen erleben musste, war allerdings nicht mit gestiegenen Energiepreisen begründbar.

Mahngebühren und Abschaltungsdrohung

Ludwig Schuster (Name von der Redaktion geändert), der in Burghausen mehrere Wohnungen vermietet, erhielt im Dezember 2021 eine 600 Euro-Rechnung von Eon. Der angebliche Vertrag sieht einen monatlichen Abschlag von etwa 100 Euro vor. Komisch ist nur: Für den Zähler besteht bereits ein Vertrag mit einem anderen Stromanbieter, der den monatlichen Abschlag einzieht. Schuster schrieb seit Dezember bereits drei Briefe an das Unternehmen. Einen davon per Einschreiben. Eon reagierte nicht, drohte aber im April mit Abschaltung und Verplombung des Zählers.

Im Fall Vanessa Öller (auch dieser Name wurde von der Redaktion geändert), die in Burghausen als selbständige Webdesignerin arbeitet, flatterte im März eine überraschende Rechnung von Eon ins Haus. Weil ihr Lebenspartner für die gemeinsame Wohnung bereits seit Jahren den Abschlag an einen anderen Stromanbieter zahlt, und auch die Zählernummer auf der Eon-Rechnung nicht übereinstimmte, wurde das Pärchen hellhörig. Es folgten mehrere Anrufe bei der Kunden-Hotline und Einschreiben an die Eon, auf die der Stromanbieter auch reagierte. Nach etwa einem Monat war die Sache dann geklärt: Hintergrund für den Fehler war die Verwechslung mit einer anderen Kundin, die ebenfals den Namen „Öller“ trug. Eon entschuldigte sich bei der Burghauserin und die Sache konnte schnell ad acta gelegt werden – im Gegensatz zum Fall ‚Schuster‘.

Kann der Strom so einfach abgeschaltet werden?

Bei Ludwig Schuster war der Sachverhalt etwas komplizierter: Ein Mieter Schusters war Ende August ausgezogen, weshalb ein Leerstand in der betroffenen Wohnung entstand, für den die Eon als Versorger eingesprungen war. Der Vertrag des neuen Mieters war aber scheinbar der Eon nicht bekannt. Weil Schuster für seine Schreiben aber auch fünf Monate nach der Erstrechnung von Eon noch keine Antwort erhalten hatte, musste die innsalzach24-Redaktion zu Hilfe kommen.

Kann der Strom von Schuster denn wirklich von einen auf den anderen Tag gesperrt werden? Wenn jemand den Strom abdreht, dann ist es ein Mitarbeiter des Netzbetreibers, und in Burghausen ist dies das Bayernwerk. Presseprecher Michael Bartels erklärt, dass eine sofortige Stromabschaltung nicht zu befürchten ist: „Der Fall ‚Schuster‘ ist ein echter Klassiker. Oft kommt es durch Verwechslung von Zählernummern oder Umzüge zu Vorfällen wie diesem. Bevor aber der Strom abgeschaltet wird, kontaktieren wir die Eon und prüfen den Fall. Auch den Kunden müssen wir vorher erreichen, da wir ja für eine Stromabschaltung in den Haushalt müssten.“

Ein Wald von Stromanbietern in Deutschland.

Tatsächlich ist Eon in vielen Regionen Deutschlands als Grund- und Ersatzversorger tätig. Wenn also – wie in Schusters Fall – nach einem Umzug noch kein Vertrag mit einem Stromanbieter gemacht wurde, oder eine Lücke bei Leerstand entsteht, so ist die Eon zuständig. „Wir springen als Ersatzversorger in vielen Regionen beispielsweise auch dann ein, wenn ein anderer Anbieter die Belieferung einstellt. Das ist ein automatisierter Prozess“, so der Eon-Pressesprecher Arne Schleef. Für das Stromunternehmen ist das nicht immer von Vorteil. Im letzten Jahr musste Eon wegen der Insolvenz von Billigstromanbietern plötzlich hunderttausende Kunden übernehmen, weil die plötzlich ohne Stromversorger dastanden. „Das ist auch für ein Unternehmen wie die Eon schwierig,“ so Bartels vom Bayernwerk. „Immerhin muss Eon selbst auch Strom einkaufen, und kalkulieren.“

Doch im ‚Fall Schuster‘ spielte weder die Insolvenz eines Billigstromanbieters noch eine unbezahlte Rechnung eine Rolle. Eon-Pressesprecher Arne Schleef konnte dennoch sowohl die Bearbeitung als auch die Aufklärung diesbezüglich beschleunigen. Am 2. Mai schrieb er:

„Leider kam es hier zu einem manuellen Bearbeitungsfehler, der zusätzlich zu einer Verzögerung führte – das tut uns leid. Von uns sind keine Forderungen mehr offen und die Angelegenheit ist aus unserer Sicht abgeschlossen. Für die verzögerte Reaktion entschuldigen wir uns.“

Eon-Pressesprecher Arne Schleef

Auf Plattformen wie beispielsweise Trustpilot wird der Eon-Kundenservice von 93 Prozent der User als „ungenügend“ bewertet. So schreibt eine Userin: „Ich habe noch nie eine so schlechte Kundenhotline erlebt wie bei Eon.“ Der Verbraucherservice Energie bietet im Falle von Unstimmigkeiten eine Vorlage für Verbraucherbeschwerden, das man direkt an das Unternehmen schicken kann. Einfacher dürfte ein Anruf bei der Kundenhotline sein.

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