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Vorbildlicher Einsatz an Burghauser Schule

Für ukrainische Schulkinder: Aventinus-Gymnasium legt nach Ostern mit zweiter Willkommensgruppe los

Erste Willkommensgruppe am Aventinus-Gymnasium in Burghausen.
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Die erste Willkommensgruppe am Aventinus-Gymnasium.

Schulleiter Ulrich Kanz ist ein wahrer Vorreiter wenn es um schnelle Unterstützung für ukrainische Schüler geht. Nach den Osterferien wird er am Aventinus-Gymnasium bereits die zweite Willkommensgruppe starten. Insgesamt vier ukrainische Lehrerinnen werden dann bis zu 30 Kinder unterrichten und unterstützen können.

Burghausen – Das Aventinus-Gymnasium in der Burghauser Neustadt legt sich für Schulkinder aus der Ukraine mächtig ins Zeug: Erst letzte Woche startete Schulleiter Ulrich Kanz eine Willkommensgruppe für etwa 15 Schüler. Inzwischen hat er aber genug Personal organisiert, um nach den Ferien mit einer weiteren Gruppe loszulegen. Am Freitag wird außerdem noch ein Spendenlauf durch das Gymnasium veranstaltet. Dessen Erlös soll an eine Hilfsorganisation gespendet werden, die in der Ukraine aktiv ist.

Die erste ukrainische Lehrkraft, die bei dem Schulleiter vorsprach hatte sich freiwillig bei der Stadt gemeldet. Veronika Antonova wollte so schnell wie möglich wieder arbeiten und damit anderen helfen. Die 27-Jährige hatte in der Ukraine Deutsch unterrichtet. Sie kam nach der Flucht mit ihrer Mutter privat in Burghausen unter. Antonova stammt aus Krywyj Rih, wo auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski geboren wurde. Während Veronika und ihre Mutter kurz nach den ersten Bombardements flohen, blieb der Vater und Ehemann in der Heimat. Ein schwerer Abschied für die beiden Frauen.

Die Flucht war für Mutter und Tochter war sehr anstrengend: „Es sind 800 km von Krywyi Rih bis an die Grenze. Wir sind in einen Zug eingestiegen, und wussten nicht wohin er fuhr. Immer wieder gingen die Sirenen. Im Zug mussten wir uns öfter auf den Boden legen, weil es so gefährlich war.“ In Lwiw angekommen mussten die beiden Frauen neun Stunden bei minus 12 Grad am Bahnhof bleiben. Für die warmen Getränke und das Essen von ehrenamtlichen Helfern waren die beiden mehr als dankbar. Das Menschengedränge am Bahnhof setzte sich in den Zügen fort: „Wir standen wie die Fische in den Dosen. Es waren so viele kleine Babys, Kinder und auch Haustiere mit im Zug. Sogar in den Toiletten standen die Menschen.“

Auch die Kinder, die Antonova jetzt in Burghausen unterrichtet, haben Schreckliches erlebt. Manche stammen aus Charkiw, Kiew oder Donetsk: In Deutschland sind die ukrainischen Städte inzwischen wegen der erschütternden Kriegsberichterstattung zum Begriff geworden. „Von fast allen Kindern sind die Väter in der Ukraine geblieben“, berichtet die 27-Jährige. „Im Unterricht erzählen die Kinder von der Zerstörung, davon dass sie die Väter vermissen und Angst um sie aber auch um ihre Haustiere haben, die sie zurücklassen mussten.“

Das Aventinus-Gymnasium in der Burghauser Neustadt.

Für die Hilfsbereitschaft ihrer Kollegen ist die jungen Lehrerin sehr dankbar. „Sie haben mich aufgenommen, wie in einer Familie. Sie haben mich mit Wohnung, Umzug, Möbel und sogar Kleidung unterstützt.“ Besonders helfe Antonova aber, dass sie arbeiten könne, denn die ständige Sorge und Angst sei das Schlimmste. Etwas, das auch die drei anderen Lehrerinnen bestätigen können. Valeria Sitak, ihre Mutter und deren Freundin haben in einem früheren Artikel schon über ihre Flucht aus der Ukraine und der unerwarteten Hilfe einer Familie aus Burghausen erzählt. Sie werden nun Mathematik, Geografie, Ukrainisch und Psychologie unterrichten.

Für Ulrich Kanz ein Glücksfall und zugleich wahre Freude. „Wir haben das besondere Glück drei professionelle Lehrerinnen aus der Ukraine hier zu haben. Da bin ich mit dem Angebot vorgeprescht, denn die Schüler sind da, und es musste etwas getan werden“, so der Aventinus-Schulleiter. „Von der Politik habe ich nur die Information, dass es finanzielle Mittel geben wird, mehr wissen wir noch nicht.“ Nach den Osterferien wird Kanz die drei weiteren Lehrerinnen aus der Ukraine einstellen. Der Unterricht von Veronika Antonova in Deutsch als Fremdsprache wird weitergeführt. Inzwischen sind auch Bücher und Unterrichtsmaterialien für die ukrainischen Schüler vorhanden. Sie reichen vorraussichtlich auch für die zweite Gruppe noch, und wurden von der Schule vorfinanziert.

„Die Schüler sind jetzt schulartübergreifend bei uns untergebracht. Es gibt für sie keine Noten, es geht einfach um die Alltagsintegration“, erläutert Kanz. Nach dreistündigem Unterricht in Deutsch und den anderen Fächern, werden die ukrainischen Schüler in ihre regulären Klassen integriert. „Ich habe bei der Verteilung darauf geachtet, dass es russisch-sprachige Mitschüler in den Klassen gibt. Bei den Kleinen funktioniert die Eingliederung aber auch ganz ohne Sprache“, lacht der Schulleiter. Er erzählt, wie er einen ukrainischen Jungen schon in der ersten gemeinsamen Pause mit seiner deutschen siebten Klasse beim Fussballspiel beobachten konnte.

„Herausfordernd wird, wie es weitergeht“, sagt Kanz. „Werden die Kinder bleiben oder wieder in die Ukraine zurückkehren?“ Fragen, die sicherlich auch die ukrainischen Kinder und Mütter gern beantwortet hätten. „Eine dritte Gruppe bringen wir bei uns leider räumlich nicht mehr unter“, so der Schulleiter. In Burghausen ist das Aventinus-Gymnasium bezüglich der Willkommensgruppen jedenfalls ein Vorreiter . Nur eine weitere Schule hat bisher eine Gruppe für die ukrainischen Schüler gegründet, nämlich die Johannes-Hess-Grundschule unter der Leitung von Margit Burgstaller. Auch an der Maria-Ward-Realschule möchte Rektor Thomas Sompek eine Willkommensgruppe einrichten, und kann sich ein Personal-Sharing mit dem Aventinus-Gymnasium vorstellen.

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