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Frischemarkt in den Burghauser Grüben

Altstadt ohne Nahversorger: „Zum Glück gibt‘s den Brücken-Automaten!“

Vor allem Senioren, Mütter mit kleinen Kindern oder körperlich beeinträchtigte Menschen sind sehr abhängig von dem Nahversorger.
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Der Altstadtmarkt am Bichl ist überlebenswichtig für einige Bewohner.

Knapp einen Monat ist es her: Nach überraschender Ankündigung des Betreibers schloss der Edeka-Markt in der Burghauser Altstadt. Was seither passiert ist, und ob es bereits Nachfolger gibt? Eine Zusammenfassung.

Burghausen – „Ohne E-Bike wäre ich aufgeschmissen“ und „Zum Glück gibt‘s den Brücken-Automaten“: Das hört man, wenn man in den Burghauser Grüben mit Bewohnern über deren aktuelle Nahversorgung spricht. Seit fast einem Monat leben die Altstädter nun ohne ihrem „Frischemarkt am Bichl.“ Für manche war er der einzige soziale Bezugspunkt, für andere ein Nachmittagsausflugsziel mit den Kindern. In einem sind sich aber alle einig: Ohne einem Laden ist das Leben im historischen Kessel an der Salzach beschwerlicher geworden.

Parkplatzmangel, Baustelle und unzuverlässiger Citybus

Nicht nur, weil die Berge den Weg in die Neustadt versperren. Weil Parkplätze in der Altstadt Mangelware sind, kann es durchaus passieren, dass die Mutter mit ihren drei Kindern den gefüllten Rucksack vom Parkplatz am Pulverturm bis zum Stadtplatz schleppen muss. Mit den drei Päckchen Milch im Rucksack kommt sie aber nicht weit. Auch auf den Citybus möchte sich inzwischen niemand mehr verlassen müssen. Seit der Baustelle an der Uferlände ist nämlich gewaltig der Wurm drin: Da fallen planmäßige Linien ohne Ankündigung aus, Kinder warteten vergebens auf ihren Schulbus und Altstädter verpassten ihre Züge. Innsalzach24.de wird auch darüber berichten.

Wohnzimmer ohne „Herz“

All das wäre hinzunehmen im „Wohnzimmer der Stadt Burghausen.“ Die so gern von Touristen und Neustädtern für einen Bummel, den Biergarten- oder Wöhrseebesuch besucht wird. Doch der Altstadt fehlt das Herz. „Ihr werdet mir fehlen“, „was sollen wir ohne Euch bloß tun?“, das und noch vieles mehr konnte man in den „Abschiedswochen“ an der Kasse des Ladens hören. Manches Auge wurde feucht, mancher Empörung wurde Luft gemacht. Auf Social Media Kanälen liefen heiße Diskussionen und sogar die ein oder andere Verschwörungstheorie wurde gesponnen. Auch Bürgermeiste Florian Schneider war bestürzt über das plötzliche Aus des Frischemarkts, packte aber gleich an und warb mit diversen Kampagnen, um neue Betreiber für den Standort zu finden.

Idee der Bewohner: Eine Genossenschaft

Währenddessen formierten sich die Bewohner der Altstadt und redeten in mehreren Treffen die Gründung einer Genossenschaft. „Gemeinsam statt allein“ sollte das Motto lauten. Initiiert von Lotte Reitzner wurden in konstruktiven aber eilig organisierten Versammlungen ein Vorstand, Aufsichtsrat, Genossen und Ehrenamtliche gefunden. Man diskutierte über die mögliche Umsetzung eines Dorfladens mit Ehrenamtlichen und einer oder zwei festangestellten Kräfte. Beispiele wurden angeführt, über Sortiment und Lieferanten gesprochen. Nach drei Treffen wurde die Idee aber als „Plan B“ in die Schublade gelegt. Denn es gab Neuigkeiten, die Hoffnung spendeten.

Steinberger im Gespräch mit Interessenten

Anton Steinberger ist Geschäftsführer der Burghauser WirtschaftsförderungsGmbH (Wifög). Er ist überzeugt, das sich mit einem Geschäft am Bichl Gewinne erzielen lassen. „Ich bin im Gespräch mit zwei jungen Leuten aus der Landwirtschaft und einer Frau aus dem Lebensmittelbereich“, berichtet er. „Wir arbeiten zusammen an Konzepten: also dem Geschäftsplan, dem möglichen Sortiment und Preisen“, so Steinberger. Immerhin sollen die Leute auch etwas verdienen, das sei die Kernfrage. „Wir werden in der Altstadt keinen Billig-Supermarkt einrichten. Mit einigen Cent Gewinnspanne wird das nicht klappen.“

Laut Steinberger sei es wichtiger ein gutes Brot-, Wurst- und Käsesortiment, qualitativen Wein und regionales Gemüse dort anzubieten. „Es gab viele, viele Ideen und über alles muss man nachdenken“, so Steinberger. „Aber auch für einen Automatenladen der mit künstlicher Intelligenz betrieben wird, muss man mehrere hunderttausend Euro hinlegen. Das ist zu viel.“ Wichtig sei laut dem Wifög-Geschäftsführer auch, die persönliche Bindung der Kunden. „Die Person, die am Ende im Laden steht muss ihren Job gern machen.“

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