Bevölkerung wie Mitarbeiter der Kreisklinik verunsichert

Zukunft der Burghauser Notaufnahme weiter offen

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Verschaffen sich einen Überblick über den geplanten Umbau der Altöttinger Klinik: Bürgermeister Hans Steindl, Klinikvorstand Michael Prostmeier, Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Dr. Michael R. Kraus und der Personalratsvorsitzende des Burghauser Klinikums Otto Becker (v.l.n.r.).

Burghausen - Die Burghauser Klinik muss sich mit ihrem medizinischen Angebot neu positionieren, wenn sie als vollwertige Klinik samt Notaufnahme erhalten bleiben will. Das ist wohl das wichtigste Ergebnis der Jahreshauptversammlung des Fördervereins der Kreisklinik Burghausen.

Etwa 60 Mitglieder, die teilweise auch Beschäftigte des Burghauser Krankenhauses sind, sowie der Verwaltungsrat, aber auch Entscheidungsträger wie BRK-Leiter Josef Jung waren zur Jahreshauptversammlung in das Burghauser Bürgerhaus gekommen. 

Vereinsvorsitzender Bürgermeister Hans Steindl informierte die Anwesenden über den kürzlich beschlossenen Kreishaushalt und die Finanzierung der Umbaumaßnahmen im Krankenhaus Altötting, die bis 2025 abgeschlossen sein sollen. „Der Landkreis Altötting steht derzeit wirtschaftlich sehr gut da. Wenn die Situation so anhält, dann ist die Finanzierung des Umbaus kein Problem, aber das kann niemand vorhersagen“, sagte Bürgermeister Hans Steindl.

Baumaßnahmen in Altötting dauern noch acht Jahre

Klinikvorstand Michael Prostmeier informierte über den Zeitplan der Baumaßnahmen am Klinikum Altötting. Im ersten Bauabschnitt wird der OP-Bereich neu gebaut und die Bettenhäuser aufgestockt. Im zweiten Bauabschnitt wird die Intensivstation erweitert. „Wir werden hier nahezu die doppelte Kapazität schaffen müssen“, so Postmeier. Im dritten Abschnitt werden die bestehenden Bettenhäuser saniert. Das Krankenhaus Altötting hat 1985 den Betrieb aufgenommen

2025 sei zwar das Ende der Bauarbeiten anvisiert, „aber wir versuchen natürlich schneller zu sein. Das gelingt uns jedoch nur, wenn uns der Freistaat Bayern unterstützt“. Der erste Bauabschnitt sei derzeit bei der Regierung von Oberbayern zur Prüfung. Im Juli könne der Bescheid erwartet werden, ob der erste Bauabschnitt ins Krankenhaus Bauprogramm aufgenommen wird. „Es ist eine maximale Förderung von 80 Prozent möglich“, so Prostmeier. 

Die Kosten für den gesamten Umbau belaufen sich auf 96,8 Millionen Euro, wobei die Erweiterungen mit etwa 24 Millionen Euro und die Sanierungen mit 72 Millionen Euro kalkuliert wurden. Wenn die entsprechenden Förderungen erreicht werden können, kommt auf den Landkreis eine Gesamtinvestition von 25–30 Millionen Euro zu. Aber Michael Prostmeier gibt auch zu bedenken, dass sich bis 2025 im Gesundheitswesen wieder viel ändern könne und daher langfristige Planungen schwierig seien. 

Steigende Patientenzahlen sprechen eine deutliche Sprache

Der Klinikvorstand präsentierte außerdem aktuelle Patientenzahlen, die Burghausen und Altötting zusammen betreffen. 2012 hatten wir noch 24.383 Patienten im Jahr, 2016 waren es 27.700. „Allein dies verdeutlicht, wir haben keine leeren Stationen. Im Gegenteil: In den letzten beiden Monaten waren beide Kliniken übervoll. Ich gebe zu Bedenken, dass wir das nur durch hochmotivierte Mitarbeiter meistern können.“ Zur Entlastung sei ein sogenanntes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) geplant.

Das MVZ soll als Tochterunternehmen der Kreiskliniken Spitzen im ambulanten Bereich kompensieren und diene auch rechtlich der „einwandfreien Organisation“, so Prostmeier. Das MVZ hat der Gesetzgeber mit dem GKV-Modernisierungsgesetz 2003 als ambulante Einrichtung zur medizinischen Versorgung eingeführt. Ein MVZ darf allein von zugelassenen Krankenhäusern gegründet werden. Das MVZ soll bereits zum 1. Oktober 2017 anlaufen. „Wir haben für ein MVZ gekämpft. Es hat lange nicht gut ausgesehen, aber nun haben wir den Zuschlag erhalten“, so Prostmeier. 

Was passiert mit der Notaufnahme?

Nach den ausführlichen Informationen durch Fördervereinsvorsitzenden Hans Steindl und Klinikvorstand Michael Prostmeier stellte sich für die Mitglieder des Fördervereins die Frage nach der künftigen Rolle des Burghauser Krankenhauses und vor allem nach dem Fortbestand der Notfallmedizin in Burghausen, die auch kürzlich erst Thema im Stadtrat war.

Hier meldete sich auch Otto Becker zu Wort, der seit 1998 in der Burghauser Notaufnahme als Krankenpfleger arbeitet und Personalratsvorsitzender ist. Er machte darauf aufmerksam, dass die N otaufnahme sehr unter der Schließungsdiskussion leidet. „Es rufen täglich besorgte Bürger an, die Fragen, ob wir noch eine Notaufnahme haben. Für uns ist derzeit die Anerkennung unserer Patienten die einzige moralische Stütze. Die Patienten sagen uns, es ist gut, dass wir da sind“, erzählt Otto Becker aus seinem Berufsalltag. 

Seine Kollegen seien natürlich auch verunsichert. Es gehe schließlich um den Arbeitsplatz am Wohnort, um zusätzliche Kosten für einen Zweitwagen oder eine längere Kinderbetreuung. „Die ganze Diskussion schadet dem Haus und den Mitarbeitern enorm. Es muss bald eine Lösung kommuniziert werden“, so Beckers Forderung. 

Die Zukunft könnte in der Geriatrie liegen

Bürgermeister Hans Steindl versprach, dass er in den nächsten drei Jahren seiner Amtszeit alles dafür tun werde, das Burghauser Krankenhaus als vollwertiges Krankenhaus mit einer Notversorgung zu erhalten. „Wir werden in nächster Zeit ein geeignete Modell erarbeiten“, so Steindl. Eine Zusammenarbeit mit der Medias Klinik, die sich ohnehin direkt neben dem Burghauser Krankenhaus befindet, werde hier ebenso geprüft wie eine Spezialisierung in Richtung Akutgeriatrie

Hier wies auch Professor Dr. Armin Dietz, ehemaliger Leiter der Inneren Abteilung der Kreisklinik Burghausen, darauf hin, dass die Gefäßchirurgie unmittelbar mit der Geriatrie verbunden bleiben muss. „Das gehört unweigerlich zusammen. Die Gefäße sind so alt wie der Mensch selbst. Gerade bei älteren Patienten sind hier teilweise schwierige Eingriffe nötig“, so Dietz. 

Er wies außerdem darauf hin, dass überregionaler Bedarf an spezialisierten Zentren für Altersmedizin herrsche und zwar mit zusätzlicher psychologischer Betreuung und Reha-Anbindung. „Gebündelt in einem Haus gibt es das noch nicht lange. Da muss man sich jetzt positionieren“, so Dietz.

Pressemitteilung Stadt Burghausen

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