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Burghausen will Strom und Wärme sparen

Energiekrise in der Region: Welche Maßnahmen die Bürger und auch die Stadt entlasten sollen

Burghausen plant umfangreiche Maßnahmen zur Einsparung von Energie und Wäre sowie Entlastungen für die Bürger
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Burghausens Bürgermeister Florian Schneider über die Energiekriese und mögliche Lösungen für die Stadt und ihre Bürger

Steigende Preise bei den Energieträgern sorgen für eine Kostenexplosion bei Strom und Wärme - sowohl bei den Bürgern, als auch bei den Kommunen. Im Gespräch berichtet der Burghauser Bürgermeister Florian Schneider, wie die Stadt ab sofort gegensteuern will und was die Maßnahmen für die Bürger bedeuten.

Burghausen - „Man weiß einfach nicht, wie es kommt“, richtet Burghausens Bürgermeister Florian Schneider den Blick mit Sorge auf den bevorstehenden Herbst und den Winter. Die steigenden Energiepreise sowie die Gas-Knappheit machen nicht nur den Kommunen, sondern jedem einzelnen Bürger jetzt schon gehörig zu schaffen. Im ersten Energie-Gespräch der Stadt Burghausen zeigt Schneider nun vielfältige Maßnahmen auf, wie sowohl die Verwaltung, aber künftig auch alle Anwohner der Salzach-Stadt Energie- sowie Wärme-Kosten senken und somit bares Geld sparen können.

Licht aus in der Stadt - aber keine sicherheitsrelevanten Bereiche betroffen

„Es ist auch an uns einen Beitrag zu leisten, um jetzt gut durch den Winter zu kommen“, steigt das Stadtoberhaupt am Freitag in seine Analyse ein. Im ersten Schritt sollen bis zum 22. August die meisten Gebäude-Anstrahlungen abgeschaltet werden. Die Außenbeleuchtung des Stadtsaals, des Rathauses und der Kirche St. Jakob sei schon vor geraumer Zeit eingestellt worden; die restlichen kommunalen Gebäude sollen nun folgen. Die Burgbeleuchtung soll fortan nur noch reduziert zum Einsatz kommen: Von Freitag bis Sonntag und an Feiertage wird das Wahrzeichen nach sogenannter „Winterschaltzeit“ beleuchtet - also nur bis 23 Uhr. Die Beleuchtung entlang der Burg bleibt künftig aus.

„Die Straßenbeleuchtung ist nicht betroffen. Nichts was die Sicherheit der Bürger betrifft, wird reduziert“, versichert Schneider; und dennoch: Die Verwaltung arbeite derzeit daran, die Beleuchtung in den Wohngebieten längere Zeit um 50 Prozent zu dimmen. Bislang war die Helligkeit nur zwischen 1 Uhr und 5 Uhr merklich reduziert. Künftig soll diese Zeit um rund drei Stunden - also bereits ab 22 Uhr - verlängert werden. Zusätzlich werde auch die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf die stromsparende LED-Technik forciert: „Heuer wollen wir nochmal rund 600 Leuchten austauschen. (...) Im kommenden Jahr dann nochmal 900 Lampen“, so Bürgermeister Schneider. Das Einspar-Potential ist signifikant: Anstatt 180.000 kWh wie bisher sollen die 600 neuen Lampen in diesem Jahr nur noch 28.000 kWh an Strom verbrauchen. Einen Monat früher wie bisher - also bereits Ende September - sollen dann auch die städtischen Brunnen außer Betrieb gehen. Diese Maßnahme entspreche einer Einsparung von rund 12.000 kWh. Zum Vergleich: Der Stromverbrauch eines typischen 3-Personenhaushalts beträgt pro Jahr rund 3500 kWh.

Zusätzliche Sparmaßnahmen und wie den Bürgern geholfen werden soll

„Selbstverständlich ist auch die Verwaltung angehalten, in den Liegenschaften und Büros Energie zu sparen“, fährt Florian Schneider fort. So soll die Raumtemperatur auf 19 bis 20 Grad gesenkt werden; allerdings mit „Augenmaß und Fingerspitzengefühl“. Kindergärten und Schulen sollen dabei gesondert betrachtet werden, gleiches gelte für die Versorgung mit Warmwasser. Im städtischen Hallenbad werden die Wassertemperaturen um ein bis zwei Grad abgesenkt - das beliebte Sole-Becken soll allerdings komplett geschlossen bleiben. Alleine diese Maßnahme spare der Stadt rund 1.000.000 kWh an Wärme-Energie, so der Bürgermeister. Die Schließung der Erd-Sauna bringe nochmal 50.000 kWh. Würden alle Maßnahmen im gesamten Stadtgebiet berücksichtigt, werde insgesamt eine Ersparnis von rund 20 Prozent erreicht.

Doch die Stadt geht noch einen Schritt weiter: „Mir ist klar, dass es die Stadt stark trifft und manche Haushalte sogar noch stärker“, fährt das Stadtoberhaupt fort. „Aus diesem Grund wird aktuell geprüft, wie wir bei den Nebenkosten einen einmaligen Zuschuss geben können.“ Bedürftige Mieter unter einer gewissen Einkommensgrenze sowie insbesondere Wohngeld-Empfänger kämen dafür in Frage. Weiter überlege man derzeit, auch die Weihnachtsbeihilfe aufzustocken. Der Stadtrat werde diese Maßnahmen noch im September diskutieren und „wahrscheinlich so beschließen. Das ist besonders notwendig und gut“, so der Bürgermeister weiter. Zusätzlich soll auch die Energieberatung für die Bürger weiter ausgebaut werden und gegebenenfalls sogar kostenlos angeboten werden. „Grundsätzlich kann ich mir auch gut vorstellen, dass sogenannte Balkon-Kraftwerke ihren Beitrag leisten können“, so Schneider.

Burghausen will Energie-autark werden: Kräftige Investitionen in den nächsten fünf Jahren

Mittelfristig will die Stadt die Energie- und Wärme-Versorgung massiv ausbauen; „eine gewaltige Investition, die Sinn machen muss“, so Schneider abschließend. So will die Stadt zunächst die rund 40 kommunalen und nach dem KEMS (kurz für: Kommunales Energiedaten Monitoring System) analysierten Gebäude weiter energetisch sanieren. PV-Anlagen auf den Dächern sollen weiter ergänzt werden. Zusätzlich will der Bürgermeister die Freiflächen-Anlagen von derzeit rund vier Hektar auf künftig rund 20 Hektar vergrößern. Eine Erweiterung des Hieringer Feldes könne sich der Bürgermeister sehr gut vorstellen doch „wir müssen den Strom auch ins Netz geben. Der Einspeisungspunkt in Pirach müsste dazu aber ausgebaut werden. Das Ganze muss aber auch wirtschaftlich sein“. Und auch ein Windrad im Bereich des Güter-Terminals komme aus Sicht der Verwaltung durchaus in Frage.

Als Parade-Lösung schwebt Florian Schneider schließlich ein Fernwärme-System aus nicht fossilen Quellen vor: Idealerweise in Zusammenarbeit mit der heimischen Industrie könne das bestehende Netz weiter ausgebaut werden. Auch die Geothermie nach dem Modell in Halsbach könne hier unter Umständen einen wertvollen Beitrag leisten. „Das ist allerdings ein Fünf-Jahres-Projekt. Die Ingenieure untersuchen die Möglichkeiten. (...) Insbesondere für die Altstadt wird das aber nicht leicht sein“, so der Bürgermeister. Besonders in diesen Bereichen der Stadt wolle man sich allerdings keinesfalls neuen Lösungen gegenüber verschließen. Eine Entscheidung zu PV-Anlagen in Verbindung mit dem Denkmalschutz seitens des bayerischen Landtags wolle man allerdings in jedem Fall noch abwarten.

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