Wacker droht mit Abzug aus Burghausen

Das sagt die Politik: "Auf diesem Planeten regieren die Moneten"

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Burghausen – „Die Stromkosten für die energieintensiven Unternehmen hierzulande dürfen nicht weiter steigen“, sagt Wacker-Vorstandschef Dr. Rudolf Staudigl. „Ich warne davor, den Ast abzusägen, auf dem wir alle sitzen.“ innsalzach24.de hat Vertreter der Politik um Stellungnahme gebeten.

Update um 15.45 Uhr: Stellungnahme von Dr. Rudolf Saller (FDP)

Dr. Rudolf Saller (FDP) war bei der letzten Landtagswahl in Bayern Kandidat der Freien Demokraten. "Auf diesem Planeten regieren die Moneten", sagt er zum Thema. Auch er kann den Vorstandsvorsitzenden der Wacker Chemie AG verstehen. "Der Mann hat Verantwortung", erklärt Saller. Dass diese dem Klimaziel und der entsprechenden Politik entgegen stehe, sehe er sehr Wohl, so Saller. Dennoch mache Staudigl seinen Job richtig. "Das Problem ist bekannt", sagt der Kandidat der Kreis-FDP für den Bayerischen Landtag. "Die brauchen erheblich viel Energie."

Diese Energie sei jahrzehntelang in ausreichendem Maß und zu bezahlbaren Preise verfügbar gewesen und mehr noch: Sie konnte sogar selbst produziert werden mittels des Alzkanals. Natürlich reiche das heute nicht mehr. Wir sind also offenbar an einem Punkt angekommen, an dem wir uns entscheiden müssen, was uns wichtiger ist. Menschen wie Rudolf Staudigl würden das tun müssen, so Saller weiter. Der müsse im Sinne der Anleger entscheiden, also für Wachstum und - zweifelsohne streitbar - gegen die Umwelt. 

Warum gegen die Umwelt? In den USA gibt es andere Vorschriften, Kernkraftwerke, die Politik eines Donald Trump. Natürlich mache es keinen Sinn, entsprechende Silizium-Qualitäten (Produkte) von Amerika aus nach Deutschland zu verschiffen, so Saller aber wenn die Wirtschaftlichkeit einer Produktion dieser Produkte in Deutschland es nicht mehr hergebe, dann sei der "Umzug" dieser Sparte der Wacker Chemie AG wirtschaftlich richtig

Der einstige Standortvorteil sei weg. Verschwunden ist er offenbar aufgrund der sich stetig ändernden Welt und der steigenden Schlagzahl, in der so etwas pro Zeiteinheit passiert

Erstmeldung:

Ist eine international wettbewerbsfähige Produktion in Deutschland aufgrund der steigenden Strompreise bald nicht mehr möglich? Davon ist Wacker-Vorstandschef Rudolf Staudigl offenbar überzeugt. Deshalb könne es sein, dass in Zukunft Kapazitäten der Wacker Chemie AG in Burghausen ab- und in den USA neu geschaffen werden. Deutschlands starke industrielle Basis sei der wichtigste Garant unseres Wohlstands und unserer Arbeitsplätze und ohne Wohlstand und Arbeitsplätze seien auch Energiewende und Klimaschutz nicht zu finanzieren. "Ich habe den Eindruck, dass dieser Zusammenhang vielen Menschen hierzulande nicht in ausreichendem Maße bewusst ist."

Kein Strompreis, mit dem man rechnen kann

Was tut Dr. Rudolf Staudigl hiermit? Muskeln spielen lassen? „Nein“, sagen die befragten Vertreter der Politik durch die Bank. Alle finden, dass er im Kern Recht habe. Was aber ist dann mit der Energiewende? Diese Frage ist offenbar nicht leicht zu beantworten. Beispiel Solarenergie: Um Solarzellen zu produzieren braucht es Polysilizium. Wacker produziert es. 40.000 Tonnen sind es pro Jahr am Standort in Burghausen. Das Problem an Polysilizium: Es braucht viel Strom, um es herzustellen. „Strom in Deutschland ist aber teuer geworden und die Preise steigen weiter“, sagt die Industrie. Sie will von diesen Mehrkosten befreit werden und mehr noch: Wacker-Vorstandschef Dr. Rudolf Staudigl sieht die entsprechende derzeitige Politik als „konzeptlos“ an.

Kein gutes Gefühl bei der Sache

Was also tun? Immerhin braucht es für die Produktion von Polysilizium die entsprechenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, also Arbeitsplätze. Die Pressestelle der Wacker Chemie AG sagt auf Nachfrage, dass in Burghausen auf gar keinen Fall das Licht ausgehen würde, sollte das Unternehmen die ausgesprochene Drohung von Dr. Rudolf Staudigl wahr machen und die Produktion von Polysiliziumqualitäten nach Charleston/USA verlagern. Ein wirklich gutes Gefühl hinterlässt das wohl dennoch nicht.

Parteiübergreifend: Kein Zweifel an Staudigls Aussage

innsalzach24.de hat Vertreter der Politik zur Drohung der Wacker Chemie AG um Stellungnahme gebeten. Die bisherigen Antworten, kurz zusammengefasst:

Günther Knoblauch, MdL a.D. (SPD): „Rudolf Staudigl hat recht“, sagt der SPD Politiker und MdL a.D. auf Anfrage von innsalzach24.de. Er könne den Vorstandsvorsitzenden der Wacker Chemie AG verstehen. „Wir brauchen (hier) den günstigen (regenerativen) Strom aus dem Norden und die entsprechenden Trassen dafür.

Andreas Krahl, MdL (Die Grünen): „Grundsätzlich gebe ich Herrn Staudigl Recht“, erklärt Andreas Krahl, Abgeordneter für die Grünen im Bayerischen Landtag. Die Energiewende in Deutschland sei tatsächlich konzeptlos.Noch immer werde viel zu viel auf endliche Energiequellen gesetzt wie etwa Erdgas gesetzt statt den Weg frei zu machen für Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Letztendlich gehöre da auch die Photovoltaik dazu und die bedeut schließlich nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Energiewende sondern auch Aufträge für den Wacker Konzern und damit Arbeitsplätze in der Region.

Stephan Mayer, MdB (CSU): "Die Warnungen des Vorstandsvorsitzenden der Wacker Chemie AG Dr. Rudolf Staudigl sind ein Warnschuss, den wir sehr ernst nehmen müssen." Die Stromkosten für energieintensive Produktionen dürfen aus seiner Sicht nicht weiter steigen. "Als Bundesregierung werden wir das im Koalitionsvertrag verankerte Ziel umsetzen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie nicht durch die Energiewende zu gefährden."

Die ausführlichen Stellungnahmen bisher lesen Sie hier: Keine Massenentlassungen: "Stromkosten dürfen nicht weiter steigen".

„Keine kluge Standortpolitik in Deutschland“

Franz Bergmüller, der Betreuungsabgeordnete der AfD-Fraktion für den Landkreis Altötting im Bayerischen Landtag sieht die Kritik von Dr. Rudolf Staudigl an zu hohen Strompreisen für die energieintensive Industrie vollkommen gerechtfertigt: „Weiter steigende Strompreise sind jedoch von der Bundesregierung und auch von den Grünen politisch gewollt. Die AfD will keine weiter steigenden Strompreise und setzt sich dafür ein, dass die Kernkraft solange am Netz bleibt, bis die regenerativen Energien so zuverlässig und preiswert sind, dass sie mit anderen Energieträgern konkurrieren können, ohne subventioniert werden zu müssen.

Als besonders bedenklich findet Bergmüller offenbar die Drohung der Wacker Chemie AG, mit der Polysiliziumproduktion in die USA zu gehen: „Auch in den von Herrn Staudigl ins Spiel gebrachten USA gibt es einen solchen Indusriestrompreis. Bei den USA, die Herr Staudigl für die Wacker Chemie ins Spiel bringt, dürfte aber als Standortfaktor zusätzlich noch die Politik von Donald Trump eine Rolle spielen, dass dieser über den Standortvorteil eines Indusriestrompreises hinaus noch zusätzliche Anreize setzt in den USA Arbeitsplätze aufzubauen: Einen Standortvorteil, den die Bundesregierung eben nicht setzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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