Hoher Besuch beim Güterterminal in Burghausen

"Von der Straße auf die Schiene": Warum das Vorhaben nicht ganz einfach ist

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"Von der Straße auf die Schiene": Warum das Vorhaben nicht ganz einfach ist
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Burghausen – Den Güterverkehr auf der Straße reduzieren und ihn auf die Schiene bringen: Eine schöne Sache, die aber jede Menge Anstrengungen bedeutet. Am späten Montagnachmittag hat sich Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) am Güterterminal vor den Toren der Herzogstadt ein Bild davon gemacht.

Das Stichwort ist KV, kombinierter Verkehr. Das heißt am Beispiel des Terminals vor den Toren Burghausens, dass man dort nicht nur Container sondern gleich ganze Lkw-Anhänger verladen kann. Das freut die Ministerin, denn „es sind zu viele Lkws auf der Straße“. Ihr Motto: „Die Logistikbranche auf die richtige Spur bringen“. Hierzu hat Burghausen laut Aigner alles richtig gemacht und mehr noch: „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich eine Stadt in dieser Frage so engagiert.“

Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner beim KV-Güterterminal in Burghausen. Ihr Motto: "Logistikbranche auf die richtige Spur bringen"

„Export braucht Transport“ (Ilse Aigner)

Vom Terminal in Burghausen aus gehen Güter ebenso nach Hamburg, Bremen oder Rotterdam im Norden wie nach Trieste im Süden und das auf der Schiene statt auf der Straße. So ein Logistikzentrum ist nicht einfach mal eben so gebaut. Burghausens Erster Bürgermeister Hans Steindl (SPD) erklärte der Ministerin am Montag, dass der Druck der Industrie immer größer geworden sei und die Stadt habe handeln müssen. So habe man vor 10 Jahren mit den Planungen begonnen und ein halbes Dutzend Gutachten angestrengt.

von links nach rechts: Ilse Aigner (CSU), Ingrid Heckner (CSU), Hans Steindl (SPD)

„Der Standort ist kerngesund und erweiterungsfähig“ (Hans Steindl)

Weil die Bahn nur wenig Interesse an dem KV-Güterterminal zeigte, habe man eine Beteiligungsgesellschaft gegründet. Anteilseigner seien die Stadt Burghausen (75%), der Landkreis Altötting, die Raiffeisenbank, Wacker und die OMV. Ob dieses Projekt heute noch so umsetzbar wäre – Steindl bezweifelt das. Es sei gut gewesen, den Bund Naturschutz frühzeitig mit ins Boot zu holen, befinde man sich doch im sogenannten Bannwald. Die Fläche sei schließlich zur Zufriedenheit aller 1:1 ausgeglichen worden. Heute sei der Standort kerngesund und erweiterungsfähig, so Steindl gegenüber der Ministerin.

"Kerngesund und erweiterungsfähig", sagt Burghausens Erster Bürgermeister Hans Steindl zum KV-Güterterminal.

Das Problem mit der Kapazität

Gut, nicht alles ist offenbar super und wunderbar. Das KV-Güterterminal krankt derzeit an einem Problem: die Bahn. So könne die nunmehr dritte Ausbaustufe anlaufen. Noch mehr Güter würden „just in time“ auf die Schiene gebracht werden können. Das sei aber im Moment unsinnig weil das Netz der Bahn kranke, so Steindl. So schnell wie man am KV-Güterterminal verladen könnte, würden die Güter nicht transportiert werden können. Die Schiene ist demnach das Problem. Das Netz offenbar nicht für mehr Güter auf ihr ausgelegt.

Laut Hans Steindl könnten bereits jetzt noch mehr Güter auf die Schiene verladen werden. Problem: Die Schiene schafft das nicht.

Das Problem mit der Technik

Vorstöße wie das KV-Güterterminal in Burghausen seien wichtig, wenn man den Güterverkehr weg von der Straße haben will, so Ilse Aigner am Montag. Ein weiterer Punkt sei die Entwicklung neuer Fahrzeuge. Nicht jeder Lkw kann verladen werden. Das liegt laut Aigner an der Bauweise. Klar: So ein Sattelzug muss irgendwie angehoben und auf das Schienenfahrzeug gebracht werden können. Die Ministerin machte deutlich: „Alle Sattelschlepper sollen verladbar sein.“ Dies sei eine weitere Chance für den Wirtschaftsstandort Bayern, sich mit entsprechenden technischen Lösungen zu beweisen.

"Alle Sattelschlepper sollen verladbar sein", sagte Ilse Aigner am Montag in Burghausen.

rw

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