Projekt soll in wenigen Jahren umgesetzt sein

Burghausen pocht auf seine Umfahrung

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Burghausen - Für die Stadt steht die B20-Ortsumfahrung bereits seit langem auf der Tagesordnung, nun will man, dass das Projekt im Bundesverkehrswegeplan die allerhöchste Priorität bekommt.

"Es geht ja nicht nur um die Ortsumgehung von Burghausen, sondern auch um den Ausbau einer Bundesstraße. Die Bürger erwarten ein Signal - und ich will später nicht zu denen gehören, die da nichts gemacht haben", stellte Bürgermeister Hans Steindl in der Stadtratssitzung am Mittwoch klar. Schon seit den 1990er-Jahren hat Burghausen die B20-Ortsumfahrung auf der Agenda. Durch die verabschiedete Resolution will man es schaffen, dass das Projekt im Bundesverkehrswegeplan an höchster Stelle steht und die Priorität "Vordringlicher Bedarf plus" erhält.

Noch führt die vielbefahrende B20 mitten durch die Stadt. Auf den ersten Blick würde sich auch eine "Umfahrung" über die etwa parallel verlaufende Burgkirchener Straße am Stadtrand anbieten - sprich: eine Umwidmung der Burgkirchener Straße zur Bundesstraße. Aber auch in diesem Fall seien Lärmbelästigung und Straßenschäden zu hoch - Burghausen will die große Lösung und eine neue Umfahrung vom Knoten Wegscheid bis zum Gewerbegebiet Lindach im Südwesten der Stadt.

Die höchste Kategorie "Vordringlicher Bedarf plus" im Bundesverkehrswegeplan stellt sicher, dass ein Projekt auch wirklich anfinanziert und im Laufe der nächsten fünf bis sechs Jahre umgesetzt wird. Eine Kategorisierung "nur" nach "Vordringlichem Bedarf" sieht eine Realisierung innerhalb von 15 bis 18 Jahren.

"Wer heute gegen diese Resolution stimmt, blockiert die Ortsentwicklung Burghausens in Richtung Süden und von Mehring Richtung Burghausen", so Steindl - wohl wissend, dass die Pläne in der Nachbargemeinde nicht auf Gegenliebe stoßen. Von einem "Lückenschluss" der B20 spricht man in Burghausen: Denn wenn die B20-Umfahrung realisiert wird, könnte der Verkehr auf der Bundesstraße von der A94 bis zu den Grenzübergängen bei Freilassing und Piding rollen. Allerfrühestens könnte das Projekt ab 2017 realisiert werden: Dann sollte der dreispurige Ausbau der B20 zwischen der A94 und Burghausen umgesetzt sein. Mit den Gegenstimmen von Gunter Strebel und Stefan Angstl (beide "Die Grünen") wurde die Resolution am Mittwoch verabschieden.

Die Resolution im Wortlaut

Die Stadt Burghausen beantragt bei der bevorstehenden Entscheidung des Bundesverkehrswegeplans die Aufnahme des "Lückenschlusses B20" zwischen Marktl (Autobahnabfahrt A94) und dem Grenzübergang Freilassing/Salzburg in die Kategorie "Vordringlicher Bedarf plus".

Begründung:

1) Bereits seit den neunziger Jahren steht die Ortsumfahrung der B20 zwischen Burghausen und der Anschlussstelle Pirach/Hochöster in der Stadt Burghausen in höchster Priorität. Mehrere Resolutionen in den letzten 25 Jahren belegen dies. Auch die Tatsache, dass die Stadt mit 350.000 € Eigenkosten die Vorplanungsarbeiten des Landratsamtes Altötting unterstützt hat, sind ein deutliches Zeichen von Eigeninitiative und Dringlichkeit für den Industrieschwerpunkt Burghausen/Burgkirchen.

2) Auf die Notwendigkeit der B20 – Ausbau in Burghausen kann noch einmal kurz in Stichpunkten eingegangen werden:

a) Ausbau Overfly vor Burghausen zu einer voll funktionsfähigen und zukunftssicheren Lösung 2012 (Verkehrsaufkommen an diesem Knoten 22.000 – 25.000 Fahrzeuge!). Eine absolute Notwendigkeit, jahrelang diskutiert und letztendlich fertiggestellt. Dazu kommt 2016/2017 der dreispurige Ausbau zwischen Marktl und Burghausen auf der B20-Trasse und damit eine weitere erhebliche Verbesserung des Pendler- und Industrieverkehrs von und nach Burghausen.

b) Bau eines Güterverteilungszentrums durch die Regio Investgesellschaft (Stadt Burghausen 72 % Gesellschafter und Initiator) mit 28 Millionen Invest und 80 %iger Förderung des Bundesministeriums für Verkehr (vertreten durch das Eisenbahnbundesamt. Ausbauplanung für 2016 bereits vorgesehen mit modernster Technik und Logistik für Industrie, Dienstleister und mittelständische Wirtschaft am Standort Burghausen – damit auch Steigerung des Verkehrsaufkommen aus der Region (hauptsachlich B20 alt!) zum Güterverladezentrum.

c) Offizielle Trasse der alten B20 im Wasserschutz – und Landschaftsschutzgebiet, kurvenreich, nicht ausbaufähig auf einer Länge von ca. 6 km von Burghausen Süd zur Anschlussstelle Hochöster.

d) Umfahrung über Burgkirchener Straße mit Teilbeschilderung des Straßenbaulastträgers erfolgt über eine Gemeindeverbindungsstraße mit dem Ergebnis hoher Lärmbelästigung im Siedlungsgebiet beidseitig auf 3,5 km Länge. Außerdem in einem Zeitraum von 3-5 Jahren hohe Straßenschäden und Unterhaltskosten, da der Unterbau durch den Schwerlastverkehr völlig überlastet wird und so gefährliche Aufbrüche und Spurrillen die Regel sind.

Außerdem ist die hauptbetroffene Nachbargemeinde Mehring nicht in der Lage und auch Willens, diese Unterhalts- und Herstellungskosten auf Dauer zu tragen.

e) Wir haben zwischen Burghausen und Burgkirchen das Zentrum des bayerischen Chemiedreiecks mit hochinnovativen Dax-Unternehmen, erfolgreichen Produkten weltweit und auch exorbitanten Steuerleistungen für den Freistaat Bayern (Gewerbesteuerumlage 2015 ca. 20 Millionen) und dem Landkreis Altötting (Kreisumlage Burghausen/Burgkirchen 2016 ca. 40 Millionen Euro!!).

Diese Prosperität, globale Vernetzung, Arbeitsplatzsicherheit, hoher Ausbildungsstand der Fachkräfte und spezialisierte Dienstleister der mittelständischen Wirtschaft kann nur erhalten werden bei rechtzeitiger Verbesserung der Schienenanbindung mit Elektrifizierung und Zweigleisigkeit München-Mühldorf-Tüßling-Burghausen und einem beschleunigtem Ausbau der B20 als Ost-West Achse (auch den Urlaubsverkehr der "Blauen Route" Nürnberg-Regensburg-Straubing- Freilassing-Salzburg nicht zu vergessen!)

3) Warum "vordringlicher Badarf plus"?

Die Nachbargemeinde Burgkirchen als 2. Industriestandort im Chemiedreieck leidet seit Jahren darunter, dass die Staatstraße Nr. 2107 mit hohem LKW-Speditionsverkehr mitten durch den Ort verläuft (wie auch in Burghausen!). In Burgkirchen kommt erschwerend als Gefahrenmoment dazu die Bergsteigung mitten im Ort von nahezu 10 %, was für die Ortsmitte bei schwierigen Fahrverhältnissen (regennasser Fahrbahn, Wintereinbruch, Frost etc.) und bei der Mischung des Verkehrs mit hohem Schwerlastenverkehrsanteil eine große Unfallgefahr (s. auch Gefahrenguttransport) auslöst. Die Staatsbauverwaltung versuchte mit der Gemeinde Burgkirchen in einem 5-jährigem Dialogprozess eine Ortsumfahrung in Richtung "Ortsteil Thalhausen" mit einer Ausschleifung und einer steigungsorientierten Einhausung zu planen und mit den Grundstückseigentümern zu einer Übereinkunft zu kommen. Dies ist nicht gelungen, Planungen sind in der Schublade gelandet bzw. wurden zurückgestellt, obwohl Staatsmittel zum schrittweisen Ausbau in Aussicht gestellt wurden.

4) Jetzt der Vorschlag beider Partner Burghausen / Burgkirchen – aus zwei Ortsumgehungen die beide ohne Vorbehalt dringend notwendig sind (sh. Argumentation vorher) eine zu konzipieren – dafür besteht eine einmalige Realisierungschance, sobald die Ortsumgehung Burghausen realisiert ist. Eine Einschleifung aus Burgkirchen über die Straße Richtung Hohenwart und auf der Staatsstraße Nr. 2356 bis über den Alzkanal zur Anbindung an die Burghauser Anfahrung.

5) Diese Planungsvariante erhöht deutlich die Wirtschaftlichkeit (Einsparungskosten ca. 13 – 20 Millionen Euro), bringt eine effiziente Verlagerung und Steigerung des Verkehrsaufkommens und gibt den beiden Städten/Gemeinde die Möglichkeit der Verkehrssteuerung im innerörtlichen Bereich.

Wir bitten herzlich darum, diesen Planungsvorschlag in die Beratungen der Einstufung und der Dringlichkeit ernsthaft zu prüfen. Gerade durch die sinnvolle Differenzierung von "Bedarf plus" sind genau diese Kriterien von

-überörtlicher Bedeutung

-Lückenschluss von Staats- und Bundesstraßen

-hoher Entlastungseffekt von zwei hoch belasteten Bevölkerungsschwerpunkten im Planungsgebiet

-ausreichender Bürgerdialog und breiter Unterstützung von nahezu fast allen Parteigruppierungen im Umfeld

-erfüllt und in jahrelanger Kleinarbeit zur Entscheidung vorbereitet.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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