Traumberuf Fußballkommentator

Burghauser kommentiert Champions League

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"Er hat mir sehr viel Handwerk beigebracht", so Uli Hebel (r.) mit seinem Lehrer Fritz von Thurn und Taxis.
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Burghausen – Uli Hebel (31) aus Burghausen lebt seinen Traum und kommentiert Fußballspiele – egal ob Champions-League-Halbfinale oder das Finale in der Europa League. Angefangen hat es vor der Playstation.

Es ist der Traum vieler Sportbegeisterter: Kommentator. Für Uli Hebel aus Burghausen ist das inzwischen Realität. Seit dreieinhalb Jahren kommentiert er für DAZN. Am Dienstag, 26. November, ist er beim Champions-League-Spiel zwischen Lokomotive Moskau und Bayer 04 Leverkusen im Einsatz. Doch auch beim Boxen hört man ihn. So begleitet er den Schwergewichts-Rückkampf am 7. Dezember zwischen Andy Ruiz und Anthony Joshua.

„Bereits mit sechs, sieben Jahren habe ich meinen Eltern erzählt, dass ich Sportreporter werden will“, so Hebel gegenüber innsalzach24.de. Damals habe er mit seinem Bruder – ebenfalls Kommentator bei Sky - Spiele auf der Playstation kommentiert oder auch auf dem Bolzplatz jeden Schuss sprachlich ins Tor begleitet.

Mit diesem Wunsch hat er letztlich sein Journalistik-Studium mit Schwerpunkt Sportjournalismus angetreten. Bereits in der Vorstellungsrunde formulierte er sein klares Ziel: „Ich werde Fußballkommentator“. Als kleiner Junge sei dieser Gedanke sicherlich eine Spinnerei gewesen. Doch mit der Zeit hat sich der Gedanke festgesetzt. „Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, gebe ich solange keine Ruhe, bis ich es habe“, so der Burghauser.

Kommentator kein klassischer Ausbildungsberuf

Doch wie wird man Fußballkommentator? „Es ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Es ist ein Job, der eine gewisse Eignung und Handwerk benötigt“, erklärt der 31-Jährige. Das Fachwissen sollte zudem vorhanden sein. Er selbst hat 12 Jahre aktiv Fußball gespielt. Zusätzlich benötige man ausreichend Sitzfleisch.

Den wichtigsten Schritt zu seinem Traumberuf hat der Burghauser aber während eines Praktikums bei Sky gemacht. Im Radio hatte er bereits Erfahrung gesammelt, doch Fernsehkommentator war immer sein Wunsch. Gebundenes Sprechen passend zum Bild habe ihn schon immer begeistert. „Ich habe allen Mut genommen und habe einfach Fritz von Thurn und Taxis angesprochen, ob er mir Training geben kann. Erstaunlicherweise kannte er mich schon und er hat mir sehr viel Handwerk beigebracht“, so Hebel. Dieser habe nie versucht, ihm seinen Stil aufzudrücken.

Konkrete Vorbilder hat der 31-Jährige nicht. Doch neben seinem „Lehrer“ Thurn und Taxis, dem Hebel unheimlich vertraut, hat ihn der Engländer Martin Tyler beeinflusst. Dessen Art und Weise zu kommentieren, mag er besonders gerne.

Spielvorbereitung das A und O

Acht bis zehn Stunden Vorbereitungszeit benötigt der Kommentator für die Vorbereitung eines Spiels. Dabei versucht er, die letzte Begegnung beider Mannschaften anzuschauen, geht eine rund 80-seitige Statistikmappe durch und notiert sich die wichtigsten Zahlen. Wenn es möglich ist,telefoniert er im Vorfeld auch mit den Trainern beider Mannschaften und tauscht sich mit anderen Journalisten über relevante Thesen aus. Daraus erstellt Hebel ein Themenpapier und schreibt sich Spielerstatistiken auf.

Welche Spiele ihm in besonderer Erinnerung geblieben sind? „Spontan würde ich das Europa-League-Finale 2019 sagen“, so der 31-Jährige. Denn die Größenordnung dieses Spiels sei etwas Seltenes. Generell habe er aber viele Spiele, die ihm in Erinnerung bleiben werden. Das Aufstiegsspiel zur Premier League beispielsweise oder der Bundesligaauftakt 2019 zwischen FC Bayern München und Hertha BSC. Dort durfte er als „Chef“ mit seinem Lehrer Fritz von Thurn und Taxis kommentieren.

Beste Stimmung in Frankfurt

Von der Stimmung beeindruckt war Hebel vom Europa-League-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und Lazio Rom: „Es war seit Jahren das erste Spiel für Frankfurt auf internationaler Ebene. Die Besonderheit habe ich gespürt und hoffentlich auch transportieren können. Es war teilweise auch so laut, dass ich trotz Kopfhörer mein eigenes Wort nicht verstanden habe.“

Sein Wissen und seine Erfahrungen gibt der Sportkommentator inzwischen auch schon weiter. So unterrichtet er an seiner ehemaligen Universität ein Seminar „Liveberichterstattung“. „Die Alten bringen den Jungen etwas bei - das ist der Kreislauf. Ich verbessere mich selbst dadurch auch, weil ich täglich mit neuen Perspektive meinen Beruf reflektiere“, so der Burghauser. Denn sein großes Ziel hat er schon im Blick: Champions-League-Finale.

jz

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