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Wasserstoff als primärer Energieträger

Burghausen soll Deutschlands erster „grüner“ Chemiestandort werden

Sitzordnung(vlnr): Florian Schneider, Erwin Schneider, Dr. Martin Huber, Stephan Mayer, Dr. Dieter Gilles, Anton Steinberger
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Sitzordnung(vlnr): Florian Schneider, Erwin Schneider, Dr. Martin Huber, Stephan Mayer, Dr. Dieter Gilles, Anton Steinberger

Bereits Ende Juni wurde die gemeinnützige GmbH „Reallabor Burghausen – ChemDelta Bavaria“ gegründet. Das neue Unternehmen hat die Aufgabe nach Möglichkeiten und Wegen zu suchen, wie man die drittgrößte Region der Chemieindustrie in Deutschland von der aktuell auf Erdöl basierenden Wertschöpfung mittelfristig und klimaneutral auf Wasserstoff als primärem Energieträger umstellen kann.

Burghausen - Im Beisein des parlamentarischen Staatssekretärs im Innenministerium Stephan Mayer(CSU), dem Landtagsabgeordneten Dr. Martin Huber, Landrat Erwin Schneider (alle CSU) und dem Burghauser Bürgermeister Florian Schneider (SPD) präsentierten die Geschäftsführer Anton Steinberger und Dr. Dieter Gilles am Freitag im Campusgebäude der Burghauser FH die weitere Marschroute.

An dem neuen Unternehmen sind neben dem Landkreis Altötting, der in seiner Junisitzung 10.000 Euro locker machte, auch die Firmen Wacker (Burghausen), Linde (Tacherting), Infraserv und Vinnolit (beide Burgkirchen) jeweils mit 20.000 Euro sowie die Stadt Burghausen mit 110.000 Euro am Stammkapital von 200.000 Euro beteiligt. „Nach einer Vorauswahl unter rund 260 Projekten sind jetzt noch 62 verblieben, die sich um die insgesamt 8 Milliarden Euro an Fördergeldern bewerben“, erklärte Stephan Mayer (MdB) über den aktuellen Stand. Ziel der Bundesregierung sei es schließlich, bis 2045 den CO2-Ausstoß deutlich zu senken, weshalb man das nicht nur als Chance begreifen dürfe, sondern „es geht darum, die Arbeitsplätze in der Region langfristig zu sichern!“.  Mayers Einschätzung zufolge ist das Projekt in Burghausen sogar schon „am weitesten gediehen“.

Sein Parteifreund und Kollege aus dem bayerischen Landtag, Dr. Martin Huber, der mit einem regionalen Wasserstoffgipfel Anfang 2020 das Projekt erst ins Rollen gebracht hatte erklärte, dass man „jetzt die Weichen stellen“ müsse, um in Zukunft überhaupt noch auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein. Die fachlichen Details erklärte dann Dr. Dieter Gilles, der frühere Werksleiter von Wacker in Burghausen: „Es gab in der 100-jährigen Geschichte des Chemiedreiecks schon einmal die Umstellung von der Essigsäure auf petrochemische Prozesse, wieso sollte man also nicht auf Wasserstoff umstellen können?“, stellte der Physiker und Materialwissenschaftler klar. Konkret bereitet man derzeit die Bewerbung zweier Förderprojekte beim Bundeswirtschaftsministerium vor.

Eines soll erforschen, wie die Umstellung der chemischen Wertschöpfung auf Wasserstoff als Energieträger möglich ist und wie die vorhandene Kreislaufwirtschaft noch weiter verbessert werden kann. Konkret muss herausgefunden werden, welche Energieströme, welche Stoffströme, wie viel Wasserstoff und wo er benötigt wird. Darüber hinaus beinhaltet dieser 20,4 Millionen Euro umfassende Förderantrag die Erforschung von Wegen zur Herstellung und Anbindung klimaneutraler Flugtreibstoffe sowie die Möglichkeiten zur klimaneutralen Elektrolyse von Wasser und die Umwandlung des gewonnenen Wasserstoffs in Methanol als Grundstoff. In diesem Zuge soll auch der Campus Burghausen zu einem Forschungs- und Bildungszentrum für neue H2-Technologien erweitert werden. Geplant sei es auch, dass Professor Wolfgang Arlt von der Universität Erlangen zum Oktober an den Fachhochschul-Standort wechseln soll, wie Dr. Martin Huber erklärte. Damit wäre dann wohl auch die Möglichkeit gegeben, in Burghausen im Rahmen dieser Förderprojekte zu promovieren.

Der andere Forschungszweig soll Möglichkeiten für eine bedarfsgerechte Wasserstoff-Transportlogistik über Schiene und Straße finden, wobei der vor wenigen Jahren eingeweihte Güterterminal in Burghausen eine zentrale Rolle spielen wird. Im Rahmen dieses insgesamt 29,8 Millionen Euro umfassenden Projektantrags sollen in Burghausen und Ulm Informationsstände in Containern errichtet und eine Agenda erstellt werden, wie Süddeutschland langfristig auf Wasserstoff als primärem Energieträger umgestellt werden könnte. Auch hierfür könnte die Forschung von Professor Wolfgang Arlt als Basis dienen, der mit LOHC eine inerte Flüssigkeit entdeckt hat, die den höchst explosiven Wasserstoff entschärfen würde.

Zu Guter Letzt stellt der Landkreis Altötting noch einen Forderantrag für 400.000 Euro, um eine eigene dezentrale Wasserstoffversorgung zu verwirklichen: es soll Wasserstofftankstellen geben und der Werks- und Schwerlastverkehr sowie der ÖPNV soll auf diese Weise auf klimaneutrale Antriebe umgestellt werden. Ziel dieses Projekts ist es auch, sich mit anderen Wasserstoffregionen in Bayern zu vernetzen.

Peter Becker

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