Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Einer der schönsten Flecken der Welt“

„Flötzinger-Darsteller“ Christensen über seinen Lieblingsort in der Heimat Burghausen

Schauspieler Daniel Christensen
+
Schauspieler Daniel Christensen (hier bei der Premiere des neuen „Kaiserschmarrndramas“) verrät im Interview mit innsalzach24.de unter anderem warum der aktuelle „Eberhofer“-Film in seinen Augen der beste ist und welche Verbindung er noch in seine Heimatstadt Burghausen hat.

Burghausen/Wasserburg am Inn/Berlin - Schauspieler Daniel Christensen ist nicht nur als „Heizungspfuscher Ignatz Flötzinger“ in den „Eberhofer“-Krimis bekannt. Im Exklusiv-Interview mit innsalzach24.de hat er der Stadt Burghausen seine Verehrung ausgesprochen, über Heimatlosigkeit geredet, aus dem Nähkästchen zum neuen „Kaiserschmarrndrama“ geplaudert und offenbart, inwieweit die Pandemie die Premiere des neuen „Eberhofer“-Films entschleunigt hat.

Kunst und Kultur wurden aufgrund der Pandemieeinschränkungen schwer gebeutelt. Herr Christensen, wie haben Sie als Schauspieler diese Zeit erlebt und den Lockdown überbrückt?

Die Situation war für alle schwierig aufgrund der permanenten Unsicherheit. Jeder, der in unserer Branche arbeitet, ist projektabhängig. Viele Projekte wurden von links auf rechts gebügelt, verschoben oder abgesagt. Das war und ist immer noch organisatorisch eine schwierige Situation. Doch viele Filmschaffende und auch ich hatten Glück im Unglück: In dieser doch anspruchsvollen Corona-Phase wurde wahnsinnig viel gedreht - mit Testkonzept. Die Sender und Streaming-Plattformen brauchten Nachschub und Content für die Leute im Lockdown, weswegen ich überraschenderweise in diesem Corona-Jahr mehr denn je gearbeitet habe. Ich musste leider sehr viele schöne Projekte absagen aber hey, es gibt so viele Menschen, die auf der Strecke geblieben sind in dieser Pandemie. Ich kann mich da wirklich nicht beschweren.

Inzwischen sind Kinobesuche wieder möglich und die Premiere des neuen Eberhofer-Krimis „Kaiserschmarrndrama“ konnte zum Juli endlich stattfinden. Was war das für ein Gefühl?

Die Premiere war unglaublich entspannt, ruhig und geerdet. Alle wirkten so, als seien sie noch nicht recht am Platz - inklusive mir. Es entwickelte sich kein klassischer „Eberhofer“-Hype, was mitunter an der begrenzten Besetzung der Kinosäle lag. Wir wurden in München auf verschiedene Kinos verteilt. Uns umfing Jubel seitens des Publikums. Die Menschen waren froh und haben sich wahnsinnig gefreut, doch es war mehr so eine tiefsitzende Freude, die sich gar nicht in so einer Äußerlichkeit gezeigt hat. Alle wirkten aufgeräumt. Das hat mir persönlich und auch vielen Kollegen wahnsinnig gut getan.

Dann hat die Pandemie die Premiere entschleunigt, so wie Sie das schildern?

Genau. Wir sind auf dem roten Teppich von einem zum nächsten gegangen und haben uns viel Zeit genommen für Interviews. Es war natürlich eine Freude, dass wir wieder zusammen sein konnten, wenngleich das Ganze sehr ruhig, ausgeglichen und ein bisschen aus der Tiefe kommend ablief.

Wie war es nach so langer Zeit wieder vor Publikum und Fans zu stehen?

Gerade bei diesen Filmen, mit denen sich die Menschen nicht mehr nur in Bayern sondern auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz identifizieren sind Publikums- und Fankontakt essentiell. Wir sind ein bisschen das Produkt des kleinen Mannes in der gesellschaftlichen Mitte. Die Menschen identifizieren sich sehr stark mit den Figuren.

Sie sagen, die Menschen identifizieren sich mit den Charakteren in den „Eberhofer“-Filmen. Wie schaut‘s da bei Ihrer Rolle aus, die ja doch sehr extravagant scheint?

Es gibt zwei Arten von Schauspielern: Die einen sind Wirkungsschauspieler, gehen von sich aus und drücken der Figur ihren eigenen Stempel auf. Die anderen - und dazu gehöre ich - sind Verwandlungsschauspieler. Sie gehen nicht von sich selbst aus sondern kreieren eine klar definierte Figur. Nach einer gewissen Zeit fällt es mir nicht mehr schwer mich in den „Ignatz Flötzinger“ reinzuversetzen.

Wie viel „Ignatz Flötzinger“ steckt denn dann überhaupt im Daniel Christensen?

Ich bin halber Däne, halber Tscheche und Exil-Bayer. Mein Vater ist Bayer, ich bin da aufgewachsen und des Bayerischen natürlich mächtig. Seit meinem 19. Lebensjahr aber bin ich nicht mehr im Freistaat und spreche privat kein bayerisch. Dass der Daniel Christensen überhaupt nichts gemein hat mit dem „Ignatz Flötzinger“ ist gerade für Fans aus dem bayerischen oder österreichischen Kernland oftmals irritierend und schwer nachzuvollziehen. Ich glaube, dass es da auch ein bisschen zu einer Enttäuschung kommt.

Sie haben eben Ihre Wurzeln angesprochen: Sie sind in Wasserburg am Inn geboren und in Burghausen aufgewachsen. Welche Verbindung haben Sie noch zur oberbayerischen Heimat? Gibt es einen Lieblingsort hier in der Region?

Es gibt einen Landsitz in Oberösterreich mit Blick auf Burghausen, da bin ich sehr oft. Mein Lieblingsort liegt so gesehen in Österreich mit Blick auf die Heimat. Bayern ist die Heimat und gleichzeitig auch nicht, denn die Heimat bin ich. Das ist fast philosophisch und entspricht mir sehr stark, da ich ein Heimatloser bin: 1978 als Sohn einer tschechischen Mutter mit dänischer Geburtsurkunde, spanischem Namen und einem bayerischen Vater in Wasserburg geboren hatte ich im Grunde genommen nie wirklich eine Heimat. Es gibt einen starken Entwurzlungshintergrund in meiner Familie, verteilt auf ganz Europa. Das ist was Buntes und Schönes, es schwingt aber auch eine gewisse Traurigkeit und Schwere mit. Aber ich find‘s immer lustig, wenn ich auf dem Balkon stehe in Hochburg-Ach an der Salzach, rüber blicke und sage: „Ich bin nicht in der Heimat, ich gucke nur in die Heimat“ - das passt so zu mir.

Der Blick auf Burghausen versprüht ja auch einen gewissen Charme, oder?

Mega! Der Blick auf die Burghauser Burg ist einer der schönsten Flecken der Welt. Wirklich gigantisch. Dieser Ausblick kann locker mit Rio de Janeiro oder Lissabon mithalten.

Und wie hat es Sie dann nach Kreuzberg verschlagen?

Berlin ist die Heimat der Heimatlosen, mein Bruder ist auch hier. Dass wir diesen Ort gewählt haben hat sehr viel mit unserer Geschichte zu tun. In Berlin ist es erlaubt, dass du auch ohne Zugehörigkeit dazu gehörst - das geht hier am besten.

Ihre Eltern und Ihr Onkel leben in Dänemark. Welche Verbindung haben Sie zu diesem Land?

Ich habe einen dänischen Pass und einen dänischen Namen, jedoch fließt kein dänisches Blut in mir. Ich bin immer wieder dort, verbinde es mit Kindheitserinnerungen: Essen, Geburtstage, die dänische Fahne und auch den dänischen FußbalI. Ich spreche dänisch und habe schon auf dänisch gedreht. Ich habe zu jedem Land ein eigenes Gefühl. Mit der Tschechoslowakei verbinde ich meinen Großvater, der als Einziger geblieben ist - und diesen Zerrissenheitsaspekt, den der eiserne Vorhang mit sich gebracht hat.

Apropos Fußball: Wie war das jetzt bei der EM - welchem Land haben Sie da die Daumen gedrückt?

Ich bin in Deutschland aufgewachsen, Deutsch ist meine Muttersprache und ich fiebere mit der deutschen Nationalmannschaft fast am stärksten mit. Das schwierigste Spiel war für mich Dänemark gegen Tschechien. Das konnte ich nicht gucken. Mein 95 Jahre alter Großvater spielte in den 40er Jahren bei Slavia Prag - das ist ja sowas wie Bayern München. Dadurch bin ich stark mit den Tschechen verbunden.

Spannen wir den Bogen zurück zum „Eberhofer“: Die Filme wirken nach Spaß pur - Geht es hinter den Kulissen auch so lustig zu?

Es kann zu Arbeit werden und es sind auch anstrengende Stunden dabei, aber es ist meistens unfassbar lustig. Wir haben einen wahnsinnigen Spaß am Set. Der Simon Schwarz sagt, wir sind ein bisschen wie die Nationalmannschaft, die sich immer wieder trifft und zusammen spielt. Ich vergleiche es mit „Asterix und Obelix“, man weiß ganz genau, was passieren wird, es stellt sich nur die Frage wie. Und für den Sebastian Bezzel sind wir wie die „Simpsons“. Es ist alles sehr familiär und wir leben diese Figuren.

Gibt es eine Szene oder einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben in einem der „Eberhofer“-Filme?

Ich bin ein großer Fan von Gerhard Wittmann und finde es ganz toll und bewundernswert, wie er den „Leopold“ integer spielt - fast meine Lieblingsfigur. Er spielt diesen Spießer mit rührender Ernsthaftigkeit und nimmt die Figur ernst. Wenn er zum Beispiel verzweifelt auf stümperhaftem Thailändisch versucht seine Frau zurückzugewinnen oder eine Demonstration anführen möchte und zum Schluss steht er da wie der begossene Pudel ... Sehr schön. Im „Kaiserschmarrndrama“ hat er auch wieder tolle Momente.

Was ist das Besondere am neuen „Kaiserschmarrndrama“?

Er ist der beste. Meiner Meinung nach die stärksten „Eberhofer“ sind auf Platz eins „Kaiserschmarrndrama“, auf Platz zwei „Grießnockerlaffäre“ und auf Platz drei „Winterkartoffelknödel“. Im „Kaiserschmarrndrama“ wurde das „Eberhofer-Universum“ verkleinert - auf Kosten kleinerer Figuren wie den „Stopfer“ oder den „Buengo“. Der Film konzentriert sich auf die zwölf, dreizehn Hauptcharaktere, sprich das Dorf - „Asterix und Obelix“ eben. „Kaiserschmarrndrama“ ist richtig gut: Er ist tief, lustig aber nicht „vergagt“ wie beispielsweise „Sauerkrautkoma“ - und er ist sehr traurig.

Klingt definitiv nach einem Grund, ins Kino zu gehen. Steht der nächste „Eberhofer“-Krimi auch schon in den Startlöchern?

Ja, wir beginnen Anfang September mit den Dreharbeiten zu „Guglhupfgeschwader“.

Und welche schauspielerischen Stationen stehen in nächster Zeit noch auf Ihrer Liste?

Im August drehe ich eine Serie in Sachsen für den mdr. Nach den Dreharbeiten zu „Guglhupfgeschwader“ bin ich für drei Monate in Portugal und drehe eine große neue ARD-Reihe, in der ich die Hauptrolle spiele. Damit bin ich bis zum Winter erstmal ausgelastet - wobei ich sagen muss, im Herbst und Spätherbst in Portugal am Meer zu drehen ist schon auch Urlaub.

Herr Christensen, herzlichen Dank für das Interview.

mb

Kommentare