Burghauser Filialleiter: „Für viele existenzbedrohend“ *Umfrage*

Wie Reisebüros unter der Corona-Krise leiden: Mehr Arbeit, weniger Umsatz

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Die internationalen Reisewarnungen haben viele Reisen unmöglich gemacht. Reisebüro-Filialleiter Oliver Sommer aus Burghausen und sein Team haben schwer mit der Corona-Krise zu kämpfen.

Burghausen – Die Corona-Krise trifft viele Branchen, ganz besonders die Touristiker. Auch bei den Reisebüros läuft noch immer alles anders als vor Corona. Wir haben mit einem Reisebüro in Burghausen gesprochen.

Insgesamt elf Mitarbeiter beschäftigt die Filiale von RT Reisen in Burghausen unter der Leitung von Oliver Sommer (50). Das gesamte Team befindet sich derzeit in Kurzarbeit. „Die Corona-Krise trifft uns schwer – unser Geschäft kam ja auch mit der internationalen Reisewarnung zum Erliegen und gleichzeitig hatten wir einen enormen Aufwand aufgrund der ganzen Stornierungen bzw. Reiseabsagen zu bewältigen. Zudem muss der Verdienst der vergangenen Monate wieder zurückgezahlt werden“, berichtet Sommer gegenüber innsalzach24.de.


„Mit Hochdruck haben wir daran gearbeitet, die Stornierungen schnellstmöglich abzuwickeln - bisher haben wir ungefähr 80 Prozent abgearbeitet“, schildert Sommer. Sein Team habe Kontakt zu ihren Kunden aufgenommen, die von einer Stornierung betroffen waren und größtmögliche Hilfestellung geleistet. Dies unterscheide das Reisebüro von Online-Portalen, bei denen es keinen persönlichen Ansprechpartner gibt.

Mehr Beratungsaufwand

„Aktuell haben wir alle Hände voll zu tun, unsere Kunden, die nun wieder verreisen dürfen und wollen, mit allen Informationen zu versorgen“, so Sommer. Das sei zurzeit etwas mehr als sonst, da sich beispielsweise Zeiten und Flugpläne ändern. Im Grunde genommen hätten die Reisebüros mehr Arbeit, jedoch weniger Ertrag.


Zwar erhalten sie das erhöhte Kurzarbeitergeld, das bis Ende des Jahres seitens der Regierung zugesichert worden ist. Allerdings befürchtet Sommer, dass sie auch darüber hinaus noch das Instrument der Kurzarbeit in Anspruch nehmen müssen. „Daher wäre hier meine Hoffnung, dass die Aufstockung auch über das Jahresende hinaus gezahlt wird“, so der 50-Jährige über die staatlichen Hilfeleistungen.

Oliver Sommer, Filialleiter von RT Reisen in Burghausen, befürchtet, dass seine elf Mitarbeiter auch im nächsten Jahr noch in Kurzarbeit sind. 

Erste Schließungen

„Für viele Kolleginnen und Kollegen ist die derzeitige Situation existenzbedrohend und einige mussten bedauerlicherweise bereits aufgeben“, erzählt Sommer, der seit 2007 Filialleiter ist. Besonders deutlich sei das an der Situation, die ihm seine Auszubildende geschildert hat: „Von 20 Azubis sind mittlerweile nur noch 15 in ihrem Jahrgang“. Viele Experten erwarten zudem im Herbst eine Insolvenzwelle.

Trotz der Kurzarbeit hat die Filiale in Burghausen von 10 bis 14 Uhr für ihre Kunden geöffnet - sowohl telefonisch als auch persönlich nach vorheriger Terminvereinbarung. „Dieser Service wird von unseren Kunden auch gut angenommen“, erläutert der Filialleiter. Manche Reisebüros haben dagegen permanent geschlossen.

Sommer: "Buchungsverhalten von Verunsicherung geprägt"

Die Nachfrage sei zwar da, aber insgesamt spüre man noch eine allgemeine Zurückhaltung beim Kunden. „Das Buchungsverhalten ist noch von Verunsicherung geprägt“, so Sommer. Beliebt seien gerade Griechenland und Spanien. Aber auch heimische Gefilde und unser Nachbarland Österreich erleben gerade eine Renaissance. „Die Kunden, die aus ihrem Urlaub zurückkommen, berichten, dass es sehr schön und erholsam war“, erzählt der 50-Jährige.

Bemerkbar macht sich diese Situation auf die anstehende Hauptsaison. „Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen wir einen erheblichen Rückgang, da Länder wie die Türkei und Ägypten weiterhin nicht bereist werden können“, erklärt Sommer. Darauf hat auch die Branche reagiert mit speziellen Preisnachlässen und anderen Angeboten. Viele Veranstalter haben zudem ihre Stornierungsbedingungen sehr zum Vorteil der Kunden angepasst. So bietet TUI beispielsweise eine Reisestornierung für Neubuchungen ohne Angaben von Gründen bis 14 Tage vor Abreise an.

Umfrage

Angst vor unvernünftigen Touristen

Trotzdem sei eine mögliche Quarantäne ein hemmender Faktor. Auch die sich schnell verändernde Nachrichtenlage sowie die im Zuge dessen laufend angepassten Regelungen sorge für Unsicherheit und Zurückhaltung. „Mir persönlich macht das unvernünftige Verhalten Einzelner Angst. Wenn sich die Urlauber nicht an die Hygienemaßnahmen halten, könnte unsere Branche schnell wieder getroffen werden, indem weniger Menschen durch verschärfte Regelungen verreisen möchten oder Reisen erneut schlicht nicht möglich sind“, ärgert sich Sommer über Partyvideos in Urlaubsregionen.

Dennoch liege es den Touristikern fern, Trübsal zu blasen - auch in dieser nie dagewesenen Situation. „Es geht weiter, wenn auch unter anderen Bedingungen. Unsere Kunden, die aus ihrem Urlaub zurückkehren, empfinden die vielzitierte 'neue Normalität' als nicht störend und konnten ihren Urlaub genießen“, berichtet Sommer. Mit einem Medikament oder Impfstoff sollte sich die Lage jedoch weiter normalisieren. „Bis dahin freuen wir uns über die zunehmenden Möglichkeiten, die sich für unser Geschäft und das Reisen ergeben“, so der Filialleiter abschließend.

jz

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