Untersuchungen dauern an

PFOA-belasteter Bauschutt: Doch keine teure Entsorgung?

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Burghausen – Möglicherweise kommen auf die Stadt enorme Entsorgungskosten für mit PFOA belasteten Bauschutt zu. Allerdings laufen derzeit noch Untersuchungen, ob es nicht doch eine andere Möglichkeit gibt. 

Der Bauschutt, konkret große Mengen Erde und Kies, fiel bei der Errichtung des Güterverkehrszentrums im Industriegebiet Vierlindenschlag an. Das Grundstück hatte die Stadt vom Freistaat erworben, bevor 2016 Richtwerte für die Belastung mit PFOA gesenkt wurden. Ursprünglich war geplant gewesen, ihn für den Ausbau der nahe gelegenen B20 zu verwenden. Die Belastung des Bauschutts ist seit einer Altlastenerkundung aus dem Juni 2017 bekannt. Anfang Dezember 2017 war jedoch klar geworden, dass das Material auf einer abgedichteten DK I-Deponie entsorgt werden muss. Denn das Bayerische Landesamt für Umwelt hat im April 2017 die einzuhaltenden sogenannten Zuordnungswerte auch für die Entsorgung von Bodenmaterial gesenkt.

"Allerdings geben die Leitlinien als vorläufige Empfehlungen einen Bewertungsrahmen vor und kann es im Rahmen einer Einzelfallbeurteilung zu begründeten Abweichungen hiervon kommen", erklärte Markus Huber, Pressesprecher des Landratsamts Altötting auf Nachfrage von innsalzach24.de. Angesichts des beabsichtigten gesicherten Einbaus des Bodenmaterials vor Ort wurde daher von Seiten der Behörde gefordert, ein Konzept zum Umgang mit dem PFOA-belasteten Bodenaushub auf der Industrieerweiterungsfläche durch einen Sachverständigen erarbeiten zulassen. "Diesbezüglich wurde bislang lediglich ein erster Konzeptentwurf vom Vorhabensträger vorgelegt", so Huber. Erst wenn das Konzept in seiner Endfassung vorliege, würde die sich daran anschließende wasserwirtschaftliche und abfall- beziehungsweise bodenschutzrechtliche behördliche Bewertung ergeben, ob ein gesicherter Einbau des Materials vor Ort erfolgen kann oder das Material in einer Deponie entsorgt werden muss.

Untersuchungen zur Auswirkungen laufen noch

Ob nur das Bahnhofsgelände oder auch weitere Flächen betroffen sind ist noch unklar. Bis zum Jahr 2008 gelangte ein Teil auch in die Luft, wie der Sprecher des Landratsamtes weiter erläutert."Durch Auswaschungseffekte und sogenannten partikelgebundenen Transport erfolgte eine Ablagerung von PFOA auch in die Böden der Umgebung", erklärte Huber, "so dass grundsätzlich nicht von punktuellen Belastungen, sondern von einer flächigen Betroffenheit auszugehen ist." 

Huber wies darauf hin, dass der Chemiepark auf behördliche Aufforderung zur Abklärung der weiteren Entwicklung der vorgefundenen PFOA-Konzentrationen in Boden und Grundwasser, zur Ergänzung und Fortführung der behördlichen Erstuntersuchungen, ein qualifiziertes Fachbüro mit weiteren Untersuchungen beauftragt hat. "Diese - derzeit noch andauernde - großräumige Detailuntersuchung wird durch die zuständigen Fach- und Rechtsbehörden eng begleitet", so Huber, "Sie bildet die Grundlage für eine abschließende behördliche Gefährdungsabschätzung und Ableitung erforderlicher Handlungs- beziehungsweise Schutzmaßnahmen."

Freistaat zahlt Blutuntersuchungen

Die Chemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) wird die Menschen der Region Altötting noch über viele Jahre belasten. Der Stoff, der nach Experteneinschätzung eine Reihe von Krankheiten wie auch Krebs begünstigen könnte, konnte 2016 bei Kontrollen in Blutspenden aus dem Raum Altötting festgestellt werden. Inzwischen wurden Trinkwasserbrunnen geschlossen und zusätzliche Aktivkohleanlagen eingebaut, um das Wasser zu reinigen. Dennoch werde die Belastung aufgrund der hohen Halbwertszeit im Blut nur langsam abnehmen, teilte die Staatsregierung mit. Die Halbwertszeit liege laut Umweltbundesamt bei dreieinhalb Jahren.

Die Chemikalie stammte aus der Produktion einer Firma im Chemiepark Gendorf im Landkreis, in der sie bis vor etwa zehn Jahren legal verwendet wurde. Das Gesundheitsamt Altötting nahm seit 2006 Trinkwasserproben; ab 2009 wurde laut Staatsregierung sauberes Wasser zugemischt und eine erste Aktivkohlefilteranlage installiert. Im vergangenen Jahr reichte das nicht mehr. Nach einer Verschärfung des Wertes 2016 wurden laut Staatsregierung Brunnen außer Betrieb genommen und der Einbau weiterer Aktivkohlefilteranlagen geplant.

Derzeit läuft eine umfangreiche Blutuntersuchung bei Betroffenen auf PFOA, den Ersatzstoff ADONA und sechs weitere perfluorierte Substanzen. Am Dienstag war bekannt geworden, dass der Freistaat die Untersuchungen finanzieren wird. 

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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