Seine nächsten Aufgaben und Ziele in Burghausen

Schneider im Interview: "Der Start könnte natürlich viel leichter sein"

Freut sich trotz der aktuellen Schwierigkeiten auf den Start als Bürgermeister: Florian Schneider. 
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Freut sich trotz der aktuellen Schwierigkeiten auf den Start als Bürgermeister: Florian Schneider. 

Burghausen - Mehr als drei Wochen sind seit dem deutlichen Wahlsieg von Florian Schneider (SPD) vergangenen. Der neue Bürgermeister spricht mit innsalzach24.de über seine Aufgaben, die Bewältigung der Corona-Krise, das Salzachzentrum und über den amtierenden Bürgermeister Hans Steindl. 

Über drei Wochen sind seit Ihrem deutlichen Wahlsieg vergangen. Ist es inzwischen greifbarer für Sie geworden?


Seit 15. März hat sich viel verändert. Es gibt neue Prioritäten mit der Corona-Thematik und den daraus resultierenden Auswirkungen bis hin zu einer starken Wirtschaftskrise. Dennoch ist mein Wahlsieg in Stücken greifbarer geworden. Ich freue mich immer noch sehr, aber ich bin mir dessen bewusst, was alles auf mich zukommt.

Wie haben Sie die letzten Wochen seit der Wahl verbracht?


Ich bin nach wie vor bei der Firma Kreutzpointner in der Arbeit. Wir tun alles, dass wir vernünftig durch die Corona-Krise zu kommen und uns für die Zukunft gut aufstellen. Parallel bin ich auch im Rathaus, um dort Informationen aufzunehmen und anzufangen, mich einzuarbeiten. Natürlich freue ich mich auf ein paar freie Tage über Ostern, um Zeit mit der Familie zu verbringen.

Sie sind noch Geschäftsführer bei Elektro Kreutzpointner. Fällt es Ihnen aufgrund der aktuellen Situation noch schwerer, die Firma zu verlassen? Wie ist dort ihre Nachfolge geregelt?

Ich verlasse durchaus ungern den alten Job, aber ich freue mich sehr auf den neuen. Wir haben seit ungefähr zwei Jahren mit Markus Nußbaumer einen kaufmännischen Leiter, mit dem ich intensiv zusammengearbeitet habe. Dieser wird jetzt im April meine Nachfolge als Geschäftsführer übernehmen. Es ist gut geregelt.

Was wird Ihre erste Amtshandlung sein?

Eigentlich wäre es gewesen: Maibaum-Aufstellen, Tag der Arbeit bei der Gewerkschaftskundgebung und in den Wöhrsee springen. Das wird alles ausfallen. Ich werde mich am 4. Mai einfach bei den Mitarbeitern im Rathaus vorstellen und ganz normal mit meiner Arbeit beginnen. Also, es wird keine großen und spektakulären Termine geben.

Welches Thema wollen Sie als erstes in der Stadt anpacken?

Wir müssen uns als erstes Gedanken über den Haushalt machen und diesen nochmal kritisch durchleuchten. Man merkt jetzt aufgrund der Corona-Thematik, aber auch schon davor, dass man bei der Kalkulation der Steuereinnahmen sehr vorsichtig sein muss und die Einnahmen sehr wahrscheinlich mindestens um 20 Mio. Euro niedriger sein werden als geplant. Da werden wir uns im Stadtrat schnell beraten, wo wir unsere Prioritäten setzen, aber auch wo wir Sparmaßnahmen einleiten müssen. Hier werden Einschnitte auf alle zukommen.

Stellenabbau bei Wacker und weniger Einnahmen durch die Gewerbesteuer – der Start könnte leichter sein, oder?

Der Start könnte natürlich viel leichter sein. Aber ich muss mit der Situation zurechtkommen, in die ich rein geworfen werde. Jetzt ist es nun mal die Corona Krise mit allen Auswirkungen und diese versuche ich für die Stadt gut zu meistern.

Erschwert wird das alles durch die derzeitige Corona-Krise. Welche Herausforderungen sehen Sie in Burghausen? Wie können Sie helfen?

Es gibt ganz verschiedene Herausforderungen. Zum einen gibt es die Herausforderung bei den Großbetrieben wie beispielsweise Wacker und OMV. Wie geht die Nachfrage nach deren Produkten weiter? Was zeichnet sich dort mittelfristig ab? Mit welchen Steuereinnahmen kann die Stadt rechnen? Gleichzeitig geht es um die Kleinbetriebe, Handel, Gastgewerbe, Hotellerie – wie kommen die durch die Krise? Man weiß ja noch nicht, wie lange die Betriebe noch geschlossen sind. Ich glaube die Mischung macht es. Wir interessieren uns nicht nur für die Großbetriebe, sondern versuchen vor allem den Mittelstand und die Kleinbetriebe zu unterstützen. Wie kann man helfen, wenn die staatlichen Förderprogramme nicht mehr ausreichen? Eine Möglichkeit wäre es, wie bereits jetzt schon angedacht, ein Programm über die Wirtschaftsförderung aufzulegen. Auch werden wir gemeinsam mit dem Stadtmarketing dafür sorgen, dass die Betriebe im Bewusstsein sind und dass diese nicht vergessen werden. Maßnahmen das regionale online Angebot zu verbessern gehören hier dazu. Ansonsten sollten möglichst viele Bürger lokal einkaufen und so dort den Konsum wieder in Schwung bringen.

Ist ein Amtswechsel zu dieser Zeit noch schwieriger zu bewerkstelligen? Neben der Einarbeitung ist die derzeitige Lage eine noch nie dagewesene Situation. Da könnte Erfahrung hilfreich sein.

Ja, ich bin auch sehr froh darum, erfahrene Mitarbeiter im Rathaus zu haben. Ich bin froh, erfahrene Stadträte um mich herum zu haben. Ich selbst bin seit über 20 Jahre bei der Firma Kreutzpointner tätig und habe dort auch die ein oder andere Krise mitgemacht. Aber natürlich ist es derzeit besonders schwierig. Es ist jetzt bei jedem ein Umdenken erforderlich. Ein Umdenken bei Dingen, die man die letzten Jahre als selbstverständlich hingenommen hat, beispielsweise an kostenlosen Leistungen. Hier wird nicht einfach alles so bleiben können, wie es war, hier wird es Einschnitte und Änderungen geben.

Fast alle Bürgermeisterkandidaten sind Teil des neuen Stadtrates,. Sehen Sie darin Schwierigkeiten?

Ich sehe darin keine Schwierigkeiten. Der Wahlkampf ist vorbei. Es geht darum, mit allen zusammen zu arbeiten. Man wird sich am Anfang ein wenig finden müssen, aber wir werden das mit Sicherheit schnell und gut hinbekommen.

Ein großes Thema im Wahlkampf war das Salzachzentrum. Gab es bereits Kontakt zum Investor Hanseatische Betreuungs und Beteiligungs GmbH (HBB)? Sehen Sie das Projekt aufgrund der aktuellen Situation in Gefahr – egal welche Lösung angestrebt wird?

Es gab bisher keinen Kontakt zur HBB. Als Betreiber von Einzelhandelsimmobilien ist HBB derzeit sicherlich in einer sehr schwierigen Situation. Für das Burghauser Projekt ist dies keine Vereinfachung. Die Steuereinnahmen der Stadt werden zurückgehen. Es sind völlig neue Voraussetzungen gegeben. Ein Engagement auch nur annähernd in der damals angedachten Höhe (Anm. d. Red.: bis zu 25 Millionen Euro) ist unmöglich.

Es gibt viel zu tun. Langweilig wird es die nächsten sechs Jahre mit Sicherheit nicht. Auch wenn Sie ihre eigene Politik betreiben wollen. Haben Sie sich dennoch schon den einen oder anderen Tipp von Hans Steindl geholt?

Ich bin mit Hans Steindl im Austausch. Ich bin bei weitreichenden Entscheidungen entsprechend informiert und eingebunden. Natürlich wäre ich schlecht beraten, Erfahrung nicht nutzen zu wollen. Bis 30. April ist er amtierender Bürgermeister, bis dahin bin ich nur Begleiter. Ab 1. Mai werde ich es selber machen. Wenn ich es für den richtigen Zeitpunkt halte, werde ich ihn durchaus um Rat fragen können.

Was haben Sie an ihrem Vorgänger geschätzt?

Sehr viel. Ich schätze sein großes Herzblut mit dem er für Burghausen eintritt, seine Kreativität und sein Durchsetzungsstärke, mit der er Burghausen über 30 Jahre lang wunderbar vorangebracht hat. Bis 30. April wird er mit Sicherheit mit ganzen Herzen und ganzer Kraft dabei sein. Es war ihm ein echtes Anliegen, Burghausen als sozialgerechte Stadt für die Menschen weiterzuentwickeln und für die Zukunft aufzustellen.

Wie sehen die nächsten Wochen bis zum Amtsantritt aus?

Ich habe nichts Besonderes geplant. Im Endeffekt ganz normal: Ich arbeite mich im Rathaus ein, versuche bei der Firma Kreutzpointner eine gute Übergabe zu machen und viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Ansonsten so wie es derzeit allen geht: Gut und gesund durch die Corona-Krise kommen.

Vielen Dank für das Gespräch und einen guten Start.

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