41 Tage lang ruht die Produktion

So läuft der große Shut Down bei OMV

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Dr. Gerhard Wagner, Geschäftsführer OMV Deutschland GmbH, informierte im Rahmen eines Pressegesprächs über den anstehenden Shut Down.
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Burghausen - Zwei Jahre Planung, 55 Millionen Euro Kosten und nur 41 Tage Zeit: Im Herbst steht bei OMV und Borealis der große, siebenjährliche Shut Down an.

Die Unternehmen OMV und Borealis stehen an ihrem Standort in Burghausen in diesem Jahr vor einer Mammutaufgabe: dem großen, alle sieben Jahre stattfindenden Shut Down. Bei dieser vorübergehenden Stilllegung des Werkes gilt es, all das zu erledigen, was bei laufendem Betrieb nicht möglich ist. Die Abnahme der Anlagen durch den TÜV Süd findet während des Shut Downs statt und die Unternehmen nutzen das kurze Zeitfenster des Stillstands - anberaumt sind 41 Tage - um ihre Werke zu modernisieren und zu erweitern.

"Autos werden immer vier Reifen haben"

OMV wird den Shut Down nutzen, um eine Butadien-Anlage mit einer Kapazität von 80.000 Tonnen Butadien pro Jahr zu installieren. Bereits im ersten Quartal 2015 soll die neue Anlage in Betrieb genommen werden. Butadien ist der Grundstoff von Industriekautschuk, woraus wiederum Autoreifen hergestellt werden. "Wir sind in einer günstigen Situation, weil sehr viele Automobilunternehmen in der Nähe sind", erläuterte Dr. Gerhard Wagner, Geschäftsführer der OMV Deutschland GmbH, im Rahmen eines Pressegesprächs zum Shut Down die Überlegungen des Unternehmens. Mit der Butadien-Anlage möchte sich die OMV weniger abhängig machen vom Geschäft mit Brennstoffen wie Heizöl oder Benzin. "Womit auch immer die Autos fahren - sie werden immer vier Reifen haben", sagte Dr. Wagner.

Die Butadien-Anlage ist bereits ganz unabhängig vom Shut Down ein Großprojekt. So müssen beispielsweise 1200 Tonnen Rohrleitungen und 145 Kilometer Kabel verlegt werden. Außerdem wird die werkseigene Gleisharfe erweitert und das Tanklager wird um zwei 1200 Kubikmeter große und 42 Meter lange Butadien-Tanks ergänzt.

"Keine Unfälle, das ist das hehre Ziel"

Insgesamt benötigt das Gesamtprojekt Shut Down zwei Jahre Vorlauf. Wenn es dann im Herbst 2014 soweit ist, muss alles ganz schnell gehen - binnen 41 Tagen soll alles erledigt sein. Oberste Priorität hat dabei die Sicherheit. "Keine Unfälle, das ist das hehre Ziel", sagte Martin Pipek, OMV-Gesamtprojektleiter Shut Down 2014. An zweiter Stellen schauen OMV und Borealis auf den Kosten- und Zeitplan, denn: "Jeder Tag ist Geld und hat einen Deckungbeitragsverlust, der nicht wieder reingeholt werden kann", so Pipek.

Martin Pipek, OMV Gesamtprojektleiter Shut Down 2014

Am 30. September 2014 soll der Shut Down beginnen, bis zum 5. Oktober wollen OMV und Borealis ihre Anlagen heruntergefahren haben. In jener Zeit kann es auch zu erhöhter Fackelaktivität kommen. Die sogenannte Fackel, ein hoher Turm auf dem Werksgelände, ist eine Sicherheitsvorrichtung. Dort wird beispielsweise überschüssiges Gas verbrannt. Weil damit auch bares Geld verbrannt wird, wollen die Unternehmen die Fackelaktivitäten grundsätzlich so gering wie möglich halten. Während des Herunterfahrens (und ebenso während des Wiederhochfahrens) der Anlagen können jedoch Schwankungen die Fackelaktivitäten kurzzeitig erhöhen.

Von 6. bis 31. Oktober finden bei OMV und Borealis die Prüf- und Reparaturarbeiten im Rahmen des Shut Downs statt, ab 1. November werden die Anlagen wieder hochgefahren und am 9. November soll die Produktion wieder aufgenommen werden.

3000 Arbeiter zusätzlich bei OMV und Borealis

Eine regelmäßige Generalinspektion der Anlagen ist gemäß Betriebssicherheitsverordnung gesetzlich vorgeschrieben. Deshalb kommt dem TÜV Süd beim Shut Down eine entscheidende Bedeutung zu. Alleine für den Shut Down bei OMV werden 30 Fachexperten vom TÜV Süd abgestellt, bei Borealis sind sechs TÜV-Mitarbeiter im Einsatz. Sie werden die Anlagen auf Herz und Nieren prüfen und unter anderem in Augenschein nehmen, ob die Sicherheitsventile noch zuverlässig arbeiten und ob die Anlagen dem Betriebsdruck (und einem gesetzlich vorgeschriebenen Aufschlag von 30 Prozent) standhalten.

OMV und Borealis haben am Standort Burghausen 480 beziehungsweise 236 Mitarbeiter. Während des Shut Down werden in der Spitze rund sechs Mal so viele Menschen auf dem Gelände im Einsatz sein. Rund 50 Partnerfirmen entsenden für den Shut Down 2500 Mitarbeiter zu OMV, hinzu kommen 500 Mitarbeiter von Partnerfirmen, die für Borealis tätig sein werden. Pipek betonte beim Pressegespräch den Nutzen des Shut Downs für die Region. "Die Hotels und Zimmer werden ausgebucht sein im Landkreis."

Angesichts der Vielzahl an Arbeitskräften und zu erledigenden Aufgaben wird der Shut Down OMV und Borealis auch vor eine logistische Herausforderung stellen. Pipek spricht von einem "gigantischen Puzzle". "Das ist eine Meisterleistung von unseren Betreibern, unserem Produktionspersonal", so Pipek. Die Kosten des Shut Downs belaufen sich bei OMV auf 42 Millionen Euro, Borealis kostet der Stillstand 13 Millionen Euro.

Standort für die nächsten Jahre gesichert

Am Ende der Mühen sollen die Anlagen wieder für Jahre "TÜV geprüft" sein. Außerdem versprechen sich OMV und Borealis von den Arbeiten, dass ihre Anlagen runderneuert sind und die Energieausnutzung verbessert ist. Die Butadien-Anlage werde zudem den Standort Burghausen für die nächsten Jahre sichern, betonte Dr. Wagner.

Die Bürger sollen in den nächsten Monaten umfassend über den Shut Down informiert werden. Geplant ist etwa eine Reihe von Informationsveranstaltungen für die Bürger der Anrainergemeinden. Außerdem möchte OMV auf seiner Homepage während des Shut Downs aktuell mit Artikeln, Fotos und Videos über den Fortgang der Arbeiten berichten.

Pressegespräch zum Shut Down in Burghausen

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