Bleiben sie auf der Strecke?

Alexandra Bürger aus Burghausen: „Viele Kosmetiker werden einfach vergessen“

Die Burghauser Kosmetikerin Alexandra Bürger über den Lockdown.
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Die Burghauser Kosmetikerin Alexandra Bürger über den Lockdown.

Die Burghauser Kosmetikerin Alexandra Bürger hat noch Glück im Unglück: Ihr Behandlungsraum befindet sich in einem Laden mit Schaufenster. Doch viele Ihrer Kolleginnen üben ihr Handwerk in versteckteren Räumlichkeiten aus und werden nun einfach vergessen. Dass die meisten KosmetikerInnen Soloselbständige sind, macht die Situation für die Branche auch nicht einfacher.

Burghausen - Seit Dezember 2017 ist Alexandra Bürger nun Pächterin eines Ladens in den Burghauser Grüben. Im hinteren Teil des historischen Gewölbes behandelt sie ihre Kundinnen. Natürlich nur, wenn gerade kein Lockdown ist. Ihren Aushilfsjob in der Gastronomie, den sie im Sommer 2020 zum Aufbessern ihrer Einkünfte annahm, kann sie gerade auch nicht ausüben. Jetzt bleibt ihr nur noch die Hoffnung auf baldige Lockerungen.


Natürlich war schon beim ersten Lockdown der Schock in der Branche groß, doch dann konnten Kosmetikerinnen wieder hinter FFP2-Masken arbeiten. Weil vor und nach kosmetischen Behandlungen ohnehin viel desinfiziert wird, änderte sich diesbezüglich nicht viel im Arbeitsalltag einer Kosmetikerin.

Bürger: „Natürlich kamen weniger Kundinnen. Viele sprachen offen an, dass sie sich nicht trauen würden. Andere arbeiten beruflich mit Risikogruppen und mussten Kontakte reduzieren.“


Und dann gab es da noch weitere Kundinnen, die zwar gerne gekommen wären, aber nun sparen müssten. Auch dafür hat die Kosmetikerin natürlich Verständnis, denn auch sie selbst muss auf ihren Geldbeutel schauen: „Die Corona-Hilfen beziehen sich ja nur auf die beruflichen Kosten. Niemand fragt danach, wovon man als Selbstständiger lebt. Wovon man die private Miete zahlt, das Auto, die Versicherungen, die Lebensmittel.“

Januar als finanzielle Nullrunde

Der Januar war eine Nullrunde für Alexandra Bürgers Geschäft. Und die Februarumsätze werden ähnlich aussehen. Ein Drama zeichnet sich in der gesamten Branche ab, und viele Kosmetikstudios stehen vor dem Aus.

„Im November und Dezember liefen die Verkäufe dank Weihnachten recht gut, aber wenn ich meine Familie nicht hätte, weiß ich nicht, wie es weiterginge.“, erzählt Alexandra, selbst Mutter eines 14-jährigen Sohnes. Die Grundsicherung ist für viele Selbstständige ein Schreckgespenst. Anders als Angestellte bekommen sie kein Arbeitslosengeld, sondern müssen Hartz4 beantragen, wenn die Arbeit ausbleibt. Und das wird schnell mit persönlichem Versagen und sozialem Abstieg assoziiert. Auch Alexandra Bürger erlebt, wie Kunden unter den Folgen von Arbeitslosigkeit oder Auftragsmangel leiden: „Sie fühlen sich gelangweilt, nicht gebraucht und verlieren mehr und mehr die Achtung vor sich selbst.“

Dass Friseure ab dem 1. März wieder öffnen dürfen, hat laut Markus Söder auch mit Würde zu tun. Gehört der Gang zur Kosmetikerin dann nicht auch zu einer Art „Grundsicherung“ der Würde? Alexandra Bürger hat berufsbedingt ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Kunden. „Da sind die Mamas, die drei Kinder im Homeschooling unterrichten. Krankenschwestern, die täglich in voller Montur in Corona-Stationen arbeiten müssen, Lehrer und Mitarbeiterinnen in Steuerkanzleien. Alle haben nun viel mehr Stress, fühlen sich überlastet und überfordert.“

Kunden berichten von mehr Hautproblemen

Und wenn der Geist leidet, dann schlägt sich das auf den Körper nieder. Vor allem auf die Haut. „Kundinnen, die von Hautausschlägen berichten, sind derzeit keine Seltenheit.“, berichtet Bürger, aber vor allem das „Periorale Maskenproblem“ sei derzeit Thema Nummer Eins. „Um den Mund und die Nase bilden sich Pickelchen und Ausschläge, die vom vielen Maskentragen kommen. Sie entstehen durch zu viel Feuchtigkeit, Wärme und Reibung und durch Bakterien, die beim Ausatmen auf die Gesichtshaut gelangen.“

Die Kosmetikerin hat dazu gleich passende Tipps parat: „Wichtig ist vor allem, dass man täglich die Maske wechselt. Und man sollte auch das Gesicht öfter reinigen. Wenn die Haut stark gereizt oder entzündet ist, helfen entzündungshemmende Substanzen, wie z.B. Aloe-Vera-Gel.“

Für sich selbst und für ihre Branche wünscht sich Alexandra Bürger derzeit nur eins, nämlich dass die Politik wieder mehr auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung setzt. „Viele Kunden waren schon im Herbst so sensibilisiert, dass sie bereits an der Ladentür fragten, ob sie reinkommen dürften.“ Platz hätte Alexandra jedenfalls genug in ihrem Gewölbe. Und mehr, als eine Kundin auf einmal, kann die Kosmetikerin ohnehin nicht behandeln. Warum Friseure nun bald öffnen dürfen und Kosmetiker nicht, das kann wohl nur ein Politiker erklären.

dha

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