Highlights, seine Zukunft und ein gefährliches Abenteuer

Steindls Abschiedsinterview: "Das würde ich so nicht mehr machen"

Burghausen und Bürgermeister Hans Steindl waren in 30 Jahren nicht zu trennen. 
+
Burghausen und Bürgermeister Hans Steindl waren in 30 Jahren nicht zu trennen. 

Burghausen - 30 Jahre Bürgermeister von Burghausen: Im Interview mit innsalzach24.de spricht Hans Steindl über besondere Erlebnisse, Enttäuschungen und was er am meisten vermissen wird. 

In Ihren 30 Jahren gab es viele Höhen und Tiefen. Was war besonders positiv?


Besonders positiv herausstellen würde ich den Bürgerentscheid für das Burghauser Krankenhaus im Jahr 2015. In der jetzigen Situation sieht man, wie notwendig es ist. Damals haben 72 Prozent der Landkreisbürger für das Burghauser Haus gestimmt. Das hat mich damals unheimlich gefreut. Natürlich war aber auch die Landesgartenschau 2004 sehr positiv, wo die Bürger sehr viel mitgeholfen haben. Über 1.000.000 Besucher waren zu Gast. Wir haben damals tolle Anlagen in der Stadt geschaffen.

Ich möchte aber auch die Situation in Raithenhaslach erwähnen, wo wir ein Kulturgut, mit 15 Millionen Euro und zehn Millionen vom Freistaat, gerettet haben. Dort ist die TU jetzt als Mieter für das Wissenschaftszentrum. Das war eine Sache, die konnten wir nicht voraussagen. Da heben wir viele Helfer gehabt, aber auch Glück. Wir sind das risikoreich und engagiert angegangen. Auch die Fachhochschule, die wir zusammen mit dem Landkreis ins Leben gerufen haben, war äußerst positiv. Das alles sind so Highlights einer Stadt zwischen 18.000 und 20.000 Einwohnern, die über das normale Maß weit hinausgehen.


Und negativ?

Enttäuschend war für mich, dass bei der Ortsumgehung der B20 in Burghausen nicht so richtig weitergegangen ist, weil die Nachbargemeinde Mehring aus mir unersichtlichen Gründen eine Blockadesituation einnimmt. Wir bekommen von Mehring keine Hilfe, obwohl wir sie unterstützen - sei es mit Arbeitsplätzen, Sport und Kultur. Es entstand trotz der geringen Entfernung kein Gemeinschaftsgefühl. Und die Straße wird irgendwann trotzdem gebaut. Das ist für mich unverständlich, warum sie das unnötigerweise blockieren.

Auch das Salzachzentrum muss hier genannt werden. Das ist eine große Enttäuschung, dass wir das in zehn Jahren nicht geschafft haben. Das Grundstück gehört nicht der Stadt und wir sind hier mehr oder weniger von einem Investor abhängig. Wir haben eine Mitarbeit angeboten, die sich dann zerschlagen hat. Ich bin mittlerweile sehr froh, dass wir die 20 bis 25 Millionen Euro dort nicht mehr benötigen und wir das Geld in der Stadtkasse haben. Das Geld benötigen wir jetzt für ganz anderen Sachen.

Wie hat sich die Stadt in den letzten 30 Jahren gewandelt?

Die Stadt hat sich vollkommen in eine sehr moderne Industriestadt mit einem wunderbaren historischen Alstadtkern gewandelt. Wir haben die letzten Jahre eine dynamische Entwicklung in der Neustadt gehabt. Wir haben jeden Quadratmeter, der innerhalb unserer Grenzen liegt, mittlerweile bebaut. Wir haben keine weiteren Vorratsflächen mehr. Wir haben sechs GmbHs gebildet, also haben uns in der Stadtverwaltung sehr modern aufgestellt. Beispielsweise die BuWog mit dem Wohnungsbau, alleine 800 Wohnungen werden hier von der Stadt verwaltet. Da unterscheidet sich Burghausen eklatant mit vergleichbaren Städten. Wir werden überall dazu befragt und beneidet. Die Stadt Burghausen hat sich in Bayern einen Sonderstatus erkämpft, erarbeitet und erreicht. Den gilt es die nächsten zehn Jahre zu behaupten.

Das Anschwimmen am Wöhrsee gehörte am 1. Mai traditionell zu den Aufgaben von Hans Steindl. 

Was war das kurioseste und lustigste Erlebnis in Ihrer Amtszeit?

Zwei Sachen werden mir immer in Erinnerung bleiben. Zum einen die Auswärtsfahrten mit der Fußballabteilung des Wacker Burghausen. Als Zweitligist haben wir in Stadien gespielt mit mehr als 50.000 Zuschauern. In Köln sind wir mit 50 Zuschauern angekommen. Oft wurden wir wie eine Werkself angesehen und Vergleiche zu Bayer Leverkusen wurden gemacht. Viele dachten der Verein wird von der Wacker Chemie gesponsert. Erst als wir die Situation beschrieben haben, waren alle baff erstaunt. Leider haben wir das Spiel in Köln damals 8:1 verloren.

Ein weiteres Erlebnis bleibt unvergessen, als der Hochseilartist der Traber-Familie zu Gast war. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen ein Seil über die Salzach spannen, um dann mit dem Motorrad rüber zu fahren. Das haben die dann auch gemacht. Am nächsten Tag wurde ich gefragt, ob ich auch mal mitfahren will. Ich habe nichtsahnend Ja gesagt. Die letzten 50 Meter ging es dann fast senkrecht bergauf, weil das Seil durchgehangen ist. Ich bin fast in Ohnmacht gefallen. Das war ein Erlebnis, das würde ich ein zweites Mal so nicht mehr machen.

Ihre politische Karriere setzt sich als Mitglied im Kreisrat fort. So ganz ohne Politik geht es wohl für Sie nicht?

Ich habe mich sehr gefreut über das Kreistagsergebnis. Wenn man den CSU-Bonus abzieht, sind meine 29.000 Stimmen nach dem Landrat das zweitbeste Ergebnis. Auch den Bürgermeister-Bonus hatte ich nicht mehr. Ich sehe es als Aufforderung, dass ein Sprachrohr Hans Steindl in einem Kreistag auf alle Fälle gebraucht wird, nicht nur für die Burghauser, sondern für die ganze Landkreis-Bevölkerung. Es ist eine große Verantwortung und ich werde diese ganz engagiert und couragiert angehen. Denn die Landkreis-Probleme sind fast größer als bei den Kommunen, weil dieser in große finanzielle Unebenheiten kommen wird. Allein die Defizite der Krankenhäuser nach der Fusion sind gewaltig. Der Kreishaushalt wird auch neu aufgestellt werden müssen aufgrund der Corona-Krise. Die nächsten zwei Jahren werden ein Gang durch viele Unklarheiten. Dafür will ich meine Erfahrung und Kompetenz einbringen.

So erlebt Hans Steindl die derzeitige Corona-Krise.

Was werden Sie am meisten an der Arbeit als Bürgermeister vermissen?

Vermissen werde ich einen gewissen Arbeitsrhythmus. Ich bin jeden Tag um halb acht ins Büro und bis mittags geblieben. Am Nachmittag standen dann Außentermine auf Baustellen oder Besprechungen an. Am Abend war ich dann oft auf Kultur- oder Vereinsveranstaltungen. Mein Ablauf war sehr stark terminiert. Dieser Rhythmus hat mich geprägt, auf diesen habe ich mich eingependelt. In 30 Jahren hatte ich zwei Krankheitstage. Ich war immer motiviert und habe diese Arbeit sehr gerne gemacht. Ich habe über 800 Besuche bei Bürgern gemacht zu deren Geburtstagsjubiläen. Das vergisst man nicht. Der Rhythmus endet am 1. Mai abrupt und dann muss ich mich auf einen neuen Tagesablauf einstellen.

Wie werden Sie ihre viele Freizeit in Zukunft nutzen?

Ich bin ein reisefreudiger Mensch, der auch gerne Kultur- und Sportveranstaltungen besucht. Ich lerne auch gerne Sprachen. Das sind so meine Hobbys. Mit meiner Familie zusammen werden wir das ganz gut hinbekommen.

Vielen Dank und alles Gute für die Zukunft.

jz

Kommentare