Bahn und Bürger ziehen an einem Strang

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Niedrige Mauer, große Wirkung? Die Bahn testet in Burghausen eine neue Variante der niedrigen Lärmschutzwand.
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Burghausen - Durchbruch in der Lärmschutzdebatte: Zwischen Bahn und Bürgern herrschte bei der Informationsveranstaltung am Dienstagnachmittag große Einigkeit.

War das der Durchbruch in der Lärmschutzdebatte in Burghausen? Bei der Informationsveranstaltung der Südostbayernbahn am späten Dienstagnachmittag im Bürgerhaus herrschte große Einigkeit zwischen Vertretern der Bahn und der Bürgerinitiative Verkehrskonzept Burghausen. Bahn und Bürger dankten einander sogar.

Niedrige Lärmschutzwand zum Anfassen

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Im Mittelpunkt, und zwar im wahrsten Wortsinn, stand die Lärmschutzwand, die die Bahn exemplarisch vor dem Bürgerhaus zur Anschauung aufgestellt hatte. Vertreter der Bahn standen interessierten Bürgern für Fragen zur Verfügung und erläuterten das in Burghausen geplante Vorhaben zudem in einer kleinen Präsentation.

In dem Burghauser Pilotprojekt soll im Stadtgebiet über eine Strecke von 700 Metern eine neue Variante der niedrigen Lärmschutzwand getestet werden. Wie groß der Lärmminderungseffekt sein wird, soll mithilfe von Messreihen ermittelt werden. "So etwas, wie Sie es jetzt draußen gesehen haben, hat es in Deutschland noch nicht gegeben", erklärte Denis Kollai, Investitionsleiter bei der Südostbayernbahn, den zu Dutzenden erschienenen Burghausern.

Werden hohe Mauern bald Geschichte sein?

Vielerorts wären für einen optimalen Lärmschutz bis zu acht Meter hohe Mauern notwendig - aufgrund der hohe Kosten und schon alleine aus praktischen Gesichtspunkten völlig undenkbar. Der Trend geht deshalb hin zu niedrigen Lärmschutzwänden, die dafür näher am Gleis aufgestellt werden. "Jetzt suchen wir nach innovativen Produkten, die die hohe Lärmschutzwand vermeiden", so Kollai.

Der Bahnsteig dient als Vorbild

Bei der in Burghausen zu testenden Varianten orientiert man sich am Bahnsteig. Die niedrige Lärmschutzwand ist genauso hoch und steht genauso nahe am Gleis. Die besondere Innovation ist hierbei das Material des Absorbers, also der Schalldämmung, die in die Mauer eingearbeitet ist. Der Absorber wird in Burghausen aus Holzbeton bestehen.

Neuer Absorbertyp "sehr, sehr vielversprechend"

Schon die bisher erprobten niedrigen Lärmschutzwände verringern die Schallbelastung um vier bis sieben Dezibel. In Burghausen zeigten sich die Bahnvertreter vorsichtig optimistisch, dass die neue Lärmschutzwand den Schallschutzseffekt sogar noch verbessert. Für Tristan Mölter, Arbeitsgebietsleiter Lärmschutz bei der DB Netz AG bezeichnete den neuen Absobertyp als "sehr, sehr vielversprechend".

Ob die neue Lärmschutzwand flächendeckend zum Einsatz kommen wird, hängt auch von praktischen Aspekten ab. Noch ist nämlich ungewiss, ob das Gleis zwischen relativ eng stehenden Wänden im Winter ausreichend vom Schnee befreit werden kann. Getestet und gemessen werde übrigens solange "bis belastbare Ergebnisse herauskommen", so Kollai.

Bauarbeiten sollen nachts stattfinden

Wann genau der Bau der Testwände beginnt, steht noch nicht fest, einen Fahrplan gibt es aber schon. Insgesamt werden die Bauarbeiten rund acht Wochen in Anspruch nehmen und nachts stattfinden - dann also, wenn auf dem Gleis keine Züge fahren. Für Kollai ist dies "der einzige Wehrmutstropfen, den wir Schlucken müssen", schließlich belasten die nächtlichen Bauarbeiten die Anwohner.

Wie die Lärmschutzwände in Burghausen genau aussehen werden, ist ebenfalls offen. Optisch ansprechend an der Außenseite der Wände wären sogenannte Gabionen, also mit Schotter gefüllte Drahtkörbe. Da diese für den Lärmschutz irrelevant sind, wird die Bahn die Kosten dafür nicht übernehmen. Denkbar ist, dass die Stadt Burghausen die Gabionen bezahlt. Wenn nicht, ist die Außenseite eben eine graue Mauer.

So sieht die neue Lärmschutzwand aus:

So niedrig sind die neuen Lärmschutzwände

Lärmschutzwand ist freiwillige Leistung der Bahn

Insbesondere Denis Kollai betonte, dass die neue niedrige Lärmschutzwand eine freiwillige Leistung der Bahn sei. Weil nachts keine Züge fahren und die Strecke nur zum Teil durch ein Wohngebiet verläuft, sind die Lärmschutzauflagen vergleichsweise niedrig. "Wir wollen Ihnen helfen und uns für Sie einsetzen."

Für die Bürgerinitiative Verkehrskonzept Burghausen hatte die Bahn am Dienstag nur Lob im Gepäck. "Ich möchte eine Lanze brechen für die Bürgerinitiative", meinte etwa Christian Kubasch, Leiter Infrastruktur bei der Südostbayernbahn. "Wenn Sie nicht so gebohrt hätten gegenüber der Stadt, gegenüber uns, wären wir nicht so weit." Mölters von der DB Netz AG forderte die Burghauser gar zu noch mehr Engagement auf. "Je mehr Bürger es sind, umso mehr kann man bewegen."

Von der Initiative selbst kam nach einigen kritischen Tönen in der Vergangenheit ebenfalls nur Positives. "Wir sollten uns bedanken, dass man diese Teststrecke macht. Da sollte man stolz sein", so Heinz Herzer von der Bürgerinitiative.

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