Erneuter Vorfall am letzten Freitag bei Unfall auf der B20

Behinderung durch Gaffer – Feuerwehr beklagt fehlende Hemmschwelle

Florian Hobmeier, 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Burghausen, erkennt leider einen steigenden Trend an Schaulustigen an Unfallstellen.
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Florian Hobmeier, 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Burghausen, erkennt leider einen steigenden Trend an Schaulustigen an Unfallstellen.

Burghausen – Letzte Woche wurde die Freiwillige Feuerwehr Burghausen bei zwei Einsätzen durch Schaulustige behindert. Florian Hobmeier, 1. Kommandant, berichtet über die Problematik.

Vor genau einer Woche wurde die Freiwillige Feuerwehr Burghausen zur Unterstützung des Rettungsdienstes gerufen. Ein Patient musste mit einem Teleskopmast der Feuerwehr aus seiner Wohnung im ersten Obergeschoss transportiert werden. Eigentlich eher ein Routineeinsatz, der doch für viel Aufsehen sorgte. Denn die Feuerwehr wurde dabei von vielen Gaffern behindert und es musste eine Sichtschutzwand aufgebaut werden.


Florian Hobmeier, 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Burghausen, berichtet von diesem Abend: „Dass Einer oder Zwei mal stehen bleiben, lässt sich nicht verhindern. Wenn sich mehr Leute zusammenfinden, versuchen wir für den Patienten eine gewisse Privatsphäre zu schaffen. Der Patient sei bei solchen Einsätzen oft unbekleidet oder nur leicht bekleidet.“

Es sei auch verständlich, dass Blaulicht in der Nacht die Leute anziehen würde. Dennoch würde es in letzter Zeit vermehrt dazu kommen, dass sich viele Passanten versammeln. „Vor circa einem Jahr haben wir uns eine Sichtschutzwand angeschafft, um gegen die Schaulustigen vorzugehen“, so Hobmeier. Viele würden nur Blicke erhaschen wollen oder sogar mit dem Handy Fotos bzw. Videos machen.


Steigender Trend zu beobachten

Die Entwicklung der Technik kommt der Feuerwehr dabei nicht zu Gute. Mit dem Handy könne jeder schnell Schnappschüsse machen. „Die Hemmschwelle ein Handy zu zücken ist viel geringer als bei einem Fotoapparat. Deswegen müssen wir diesen steigenden Trend leider immer mehr beobachten“, so Hobmeier über die steigende Anzahl der Gaffer.

Wie auch beim Unfall auf der B20 am vergangenen Freitag. Dabei seien Autos in Schrittgeschwindigkeit an der Unfallstelle vorbeigefahren. Zusätzlich würden die Autofahrer unterm Fahren die Unfallstelle filmen oder fotografieren. „Es ist schade, dass da keinerlei Hemmschwelle da ist. Leider betrifft dies auch oft Kinder, die dann mitgenommen werden und denen gezeigt wird, was passiert ist. Meistens sind das keine schönen Bilder,“ so der 1. Kommandant. Der Anblick der Unfallstelle sei für die Einsatzkräfte schon schlimm genug, aber freiwillig zum Einsatzort zu fahren, um Fotos oder Videos zu machen ist für ihn unverständlich.

Sichtschutz und Platzverweise 

„Um die Opfer zu schützen und die Einsatzkräfte nicht zu behindern, müssen wir den Sichtschutz aufbauen“, so Hobmeier über die Maßnahmen gegen die Gaffer. Auch Personen des Platzes zu verweisen sei keine Seltenheit. Dabei würde es auch um die Sicherheit der Schaulustigen gehen.

Für die Schaffung de Freiraumes der Einsatzkräfte, ungestört arbeiten zu können, müssen zusätzlich Leute eingesetzt werden, die dadurch vom Einsatz abgehalten werden. Zwar würde die Polizei hier helfen, dennoch müsste gemeinsam dafür gesorgt werden – zum Ärger aller Beteiligten.

Die Einsatzkräfte werden dahingehend bereits gezielt geschult. „Es ist wichtig, alle darauf vorzubereiten, wie sie in gewissen Situationen umzugehen zu haben“, erklärt Hobmeier. Die Einsatzkräfte sollen dabei in einem moderaten Ton die Passanten darauf hinweisen, die Unfallstelle zu verlassen. Eine aggressive oder beleidigende Art wäre kontraproduktiv, auch wenn die Einsatzkräfte selbst dafür kein Verständnis hätten. Wenn diese Vorgehensweise nicht erfolgreich ist, müsste die Polizei zur Hilfe kommen, da es in erster Linie nicht Aufgabe der Feuerwehr sei.

Appell an Schaulustige

„Man soll sich einfach nur mal selbst in die Situation versetzen. Was wäre, wenn man selbst das Opfer ist? Ich glaube niemand will begafft, fotografiert, gefilmt oder sogar vorgeführt werden“, so der abschließende Appell von Hobmeier an alle Schaulustigen.

Auch eine Bitte an alle Autofahrer hat der 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Burghausen noch parat, auch wenn es vielleicht keine Absicht ist: „Wenn man Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn wahrnimmt, zügig zufahren und nicht bremsen. Meistens ist die Straße vorne frei und man blockiert so keine Feuerwehrautos.“

jz

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