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Zum Auftritt in Burghausen am 9. Mai

Kabarettistin Karl Faltermeier: „Die Geburt eines Kindes würden Männer gar nicht aushalten“

Eva Karl Faltermeier übt die „Goaßgschau-Meditation“. Ihre liebsten Hobbies: Watten, Gartenarbeit und Wandern mit ihren Kindern
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Eva Karl Faltermeier übt die „Goaßgschau-Meditation“. Ihre liebsten Hobbies: Watten, Gartenarbeit und Wandern mit ihren Kindern.

Eva Karl Faltermeier hat ein zwiespältiges Verhältnis zur konservativen Rollenverteilung von Mann und Frau. In ihrem Buch „Der Grant der Frau“ oder auch im Programm „Elternabend Endgame“ geht es um den schwierigen Spagat zwischen Kindererziehung, Ehe und Berufswelt. Teil 2 des innsalzach24.de Interviews mit der Künstlerin.

Burghausen - Am Montagabend (9. Mai) liest Eva Karl Faltermeier aus ihrem Buch „Grant der Frau“ im Bürgersaal Burghausen. Die Lesesequenzen werden durch Musikdarbietungen aufgelockert. Die Themen und Sequenzen aus ihrem Buch stammen oft aus Alltagssituationen. Bei aller Ernsthaftigkeit des stressigen Ehe- und Familienlebens vergisst die Künstlerin dabei nicht, eine gehörige Prise Humor mit einzustreuen.

Frau Karl Faltermeier, haben Sie Ihren Ex-Mann um Erlaubnis gefragt, ob Episoden aus dem Familienleben an die Öffentlichkeit dürfen?
Generell ist es nicht einfach als Partner oder Ex-Partner von Kabarettistinnen. Aber er hat sehr viel Humor und für ihn war das nie ein Problem.
Warum geraten Frauen und Männer zunehmend in Stresssituationen in modernen Familien?
Weil sich Gesellschaft und Rollenverteilungen verändert haben. Und nicht zu vergessen: Um finanziell durchzukommen, müssen Mann und Frau fast immer gleichermaßen arbeiten gehen. Quasi nebenbei müssen die Kinder betreut werden. An der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hakt´s immer noch.
Wie sollten Mama und Papa heute idealerweise sein?
Sie sollten - und müssen ja heutzutage auch - die Aufgaben zu Hause gerecht aufteilen. Das klappt eben in der einen Familie besser, in der anderen schlechter. Trotz alledem glaube ich immer noch, dass es gut ist, dass Männer und Frauen verschieden sind und unterschiedliche Talente haben.
Die „letzte Gerechtigkeit“ aus Sicht des Feminismus wäre es, wenn Männer auch Kinder bekommen könnten/müssten.
Das würden sie gar nicht schaffen (lacht). Im Ernst: Die Schmerzen bei der Geburt wurden mal gemessen und können von Frauen aufgrund der Physis besser ausgehalten werden. Männer haben einen komplett anderen Körper. Da sind wir bei der Biologie. Die Natur hat das schon richtig angelegt.
Kann man Männern Feminismus schmackhaft machen?
Wenn ich Kabarett spiele und der feministische Part kommt, sehe ich, wie Männer im Publikum die Arme verschränken. Da ist ein innerer Widerstand. Der löst dann auch oft wieder. Es geht ja nicht darum, Männern alle „Privilegien“ wegzunehmen, sondern, sich auf eine neue Form der Zusammenarbeit zu einigen.
Wie kommen Männer mit der modernen Papa-Rolle zurecht?
Der eine so, der andere so. Manche jungen Väter wollen gerne am Wochenende mit den Kumpels losziehen und Karten spielen. Dann haben sie am Samstagabend keine Lust darauf, am Bett einer Dreijährigen „Pettersson und Findus“ vorzulesen und dann brav ins Bett zu gehen. Aber es gibt auch andere Modelle, die ich kenne, bei denen der Papa komplett in der Rolle aufblüht und sogar als Home Daddy zu Hause bleibt. Das ist sehr modern und passt nicht für alle. Aber wenn die Frau deutlich mehr verdient: Warum nicht?
Männer und Haushalt - geht das zusammen?
Da spielt frühkindliche Prägung eine Rolle. Sie müssen oft noch lernen, sich bewusst an den Haushalt zu erinnern. An das Thema Sauberkeit. Dass sie ihre Aufgaben sehen und mit anpacken. Manche Männer konzentrieren sich trotz Familie sehr auf Beruf und Hobby. Wenn man die Perspektive ändert, wird die Zeit mit Kindern zum Lebensgewinn. Und nach wenigen Jahren - wenn die Kinder in die Schule kommen - kehrt ein großer Teil individueller Freiheit zurück.
Wird die „Care-Arbeit“, das Kümmern um die Kinder, immer noch unterschätzt?
Leider ja. Das ist eine gesellschaftliche und politische Aufgabe für die Zukunft, sicherzustellen, dass jemand nicht abgehängt wird und verarmt, weil er daheim bleibt und die Kinder betreut.
Wie erklärt man den Kids, dass die Ehe endet und der Papa auszieht?
Indem man sie immer einbezieht und ihnen nichts vorgaukelt. Man darf Kinder nicht entmündigen oder unterschätzen: Sie ergreifen oft die Initiative oder helfen aktiv mit. Sie dürfen an jedem Familien-Problem teilnehmen. Vor kurzem haben wir gemeinsam die Spülmaschine repariert. Das war toll. Die Fehler-Toleranz in einem Alleinerziehenden-Haushalt ist höher. Man muss die Spülmaschine nicht immer sofort ausräumen. Es bleibt auch mal was stehen oder ist nicht perfekt sauber.
Wie war es während des Lockdowns mit den Kindern?
Das Homeschooling mit ihnen während der Pandemie hat mir seelisch sehr geholfen. Gerade wegen unserer Trennung. Es hat mich beschäftigt, abgelenkt, war wie ein Rettungsanker. Und allen, die in einer ähnlichen Situation sind und umzukippen drohen, rate ich, auch psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da darf man sich nicht schämen.
Ist es eine gute Entscheidung, Kinder zu bekommen?
Das ist und bleibt individuell. Meine Tochter kam einfach zu mir, ohne, dass wir damit gerechnet haben. Die erste Zeit war schwierig, sie war ein Schreikind. Ich lag nachts oft verzweifelt neben meinem Mann und sagte: „Wir haben sie jetzt 18 Jahre lang bei uns. Wie sollen wir das schaffen“? Und er entgegnete, dass es einfach so ist. Es war echt eine Herausforderung am Anfang, aber wir hätten sie niemals umgetauscht.
Manche Paare entscheiden sich bewusst gegen Kinder.
Wenn beide das klar absprechen, spricht nichts dagegen. Die Welt ist groß. Sehr viele Kinder leben in ihr. Deutschland ist dicht besiedelt und aussterben werden wir schon nicht. Es liegt etwas Großes darin, zu akzeptieren, dass Menschen unterschiedliche Lebenswege gehen.

Bühnenprogamm am 9. Mai 2022 im Bürgerhaus Burghausen

Kabarettistin Eva Karl Faltermeier liest aus ihrem Buch „Der Grant der Frau“. Sie wurde 2021 für ihr Solo-Programm „Es geht dahi“ mit dem Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie „Senkrechtstarter“ ausgezeichnet.

Am Montag, 9. Mai 2022, um 19.30 Uhr im Bürgersaal. Tickets in der Stadtbibliothek, im Bürgerhaus und in der Burghauser Tourist-Info. Einlass ab 19 Uhr.

innsalzach24.de bedankt sich bei Eva Karl Faltermeier für das Gespräch.

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