Ein Spiel aus Kolonialzeiten verbindet

Cricket in Burghausen: Flüchtlinge sollen bleiben!

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Die Cricketabteilung des SV Wacker
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Burghausen - Ein Problem mit der Integration gibt es aktuell in Burghausen, aber anders herum: Für 18 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge gibt noch keinen Platz. Dabei sind sie bestens integriert.

Die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen war unter anderem Thema auf der jüngsten Stadtratssitzung in Burghausen. Derzeit sind laut Klaus Rieder, Pressesprecher der Diakonie Traunstein, dem sozialpädagogischen Träger, noch 18 Minderjährige in der Jugendherberge untergebracht. Die müssen da aber bis 1. Oktober raus. Grund: Umfassende Bauarbeiten. Zum Platzproblem kommt ein weiteres, wenn auch im umgekehrten Sinn: Die Integration.

Diese funktioniert in Burghausen sehr gut über Cricket, ein Sport aus Kolonialzeiten und nach Fußball das wohl weltweit am meisten verbreitete Spiel. „Weil sich immer mehr Flüchtlinge bei uns gemeldet und Interesse an Cricket gezeigt hatten, haben wir diese Abteilung aufgebaut“ erzählt Heiko Hiller, Geschäftsleiter beim SV Wacker.

Ein Einblick in Cricket:

In den vergangen zwei Jahrzehnten ist der Cricketsport in Deutschland kontinuierlich gewachsen“, schreibt der Deutsche Cricket Bund und der SV Wacker ist bei dieser Entwicklung offenbar ganz vorne mit dabei. Ein Grund dafür sind die über den Sport mittlerweile gut integrierten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die beim SV Wacker nicht nur trainieren und spielen sondern auch Freunde gefunden haben. Sie jetzt da rauszureißen, wäre ein falsches Signal. Da sind sich alle Verantwortlichen einig.

Was kann passieren?

Es kann sein, dass die verbliebenen 18 Minderjährigen weit weg von Burghausen untergebracht werden, weg vom Sport, weg vom SV Wacker, weg von ihren neuen Freunden. Bürgermeister Hans Steindl sprach auf der Stadtratssitzung von einem Zuständigkeitsproblem: Regierung von Oberbayern an Landratsamt, Landratsamt an Jugendamt und Jugendamt an den Träger, der Träger mit dem SV Wacker und wieder zurück – Möglichkeiten gäbe es viele, die jungen Leute in Burghausen zu behalten, allein ein „über den Schreibtisch hinaus“-Denken fehle, so Steindl.

Wie ist der Stand der Dinge?

Immerhin: Elf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge konnten schon an anderer Stelle in Burghausen untergebracht werden. Für die verbleibenden 18 fehlt im Moment noch der Raum. Klaus Rieder von der Diakonie Traunstein und Heiko Hiller vom SV Wacker sind dennoch guter Dinge und letztlich gebe auch die Stadt grünes Signal. „Die Regierung muss jetzt mal in die Gänge kommen“, so Steindl. Das Jugendamt seinerseits müsse nach Grundsätzen handeln, die das Wohl der Minderjährigen garantieren „und sollten sie wider Erwarten wirklich nach Traunstein kommen“, erzählt Heiko Hiller gegenüber innsalzach24.de, „dann haben wir dort auch Mitglieder und bilden einen Fahrdienst nach Burghausen“.

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