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Altöttinger Kreisrat im Interview - Teil 1

Ex-Wacker-Manager Kammergruber: „Verfügbarkeit von Öl und Erdgas für das Industriedreieck essentiell“

Jetzt nur noch Politiker, davor 32 Jahre lang bei der Wacker Chemie AG: Konrad Kammergruber
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Jetzt nur noch FDP-Politiker, davor 32 Jahre lang bei der Wacker Chemie AG: Kreisrat Konrad Kammergruber aus Burghausen.

Kreisrat Konrad Kammergruber (FDP) kennt die Bedürfnisse und Perspektiven des Chemiedreiecks Altötting-Burghausen-Gendorf. Der Diplom-Kaufmann war 32 Jahre lang bei der Wacker Chemie AG beschäftigt. Er agierte als Verantwortlicher, u.a. für Logistik, technischen Einkauf und Rohstoffeinkauf und saß zuletzt im Aufsichtsrat des Unternehmens. Er vertrat dort die Leitenden Angestellten. Mittlerweile ist er im Ruhestand und zeigt als Politiker auch, dass er ein Herz für alle Bürger hat. Im Gespräch mit innsalzach.24.de spricht er über die Zukunft des Chemiedreiecks. Er macht sich Sorgen wegen der Rohstoffknappheit.

Burghausen. Die Diskussionen um Material- und Rohstoffknappheit auf internationalen Märkten erreichen auch Oberbayern und seine Industriestandorte. Direkt betroffen sind die Regionen um Ingolstadt (Gunvor Raffinerie Kösching) sowie die Trias Burghausen-Burgkirchen-Gendorf. Von entscheidender Bedeutung ist die hier der Fokus auf der Verarbeitung fossiler Brennstoffe - Erdöl und Erdgas. Es geht um mehrere 10.000 Arbeitsplätze in Bayern. Und um die Zukunftsfähigkeit einer ganzen Branche.

Architekten und Industrie-Verantwortliche sprechen von einer lang andauernden Rohstoffknappheit. Vor allem beim Stahl, aber auch bei Öl und Erdgas. Welche Auswirkungen hat das?
Die Verfügbarkeit von Öl und Erdgas ist für das Industriedreieck essentiell. Sollten hier die Versorgung eingestellt werden oder mengenmäßig massiv beschnitten, hätte das erhebliche Auswirkungen: es könnte weniger produziert werden, das heißt dann auch, dass man weniger Personal braucht, es könnte zu Kündigungen und Wohlstandsverlust in der Region führen. Da die chemischen Erzeugnisse in vielen Schlüsselindustrien (z.B. Auto, Bau) gebraucht werden, wird sich das wiederum dort auswirken.  
Wie abhängig sind die Industrie-Betriebe im Chemiedreieck von Ressourcen aus Russland, der Ukraine, Belarus? 
Die größte Abhängigkeit besteht beim Erdgas und beim Rohöl
Ist der Fokus auf Alternativen Energien negativ für die Produktion im Chemiedreieck?
Es ist eher anders herum. Die Industrie profitiert auch von einem weiter steigenden Drang nach erneuerbaren Energien, z.B. weil mehr Silizium für die Photovoltaik benötigt wird, weil viele chemische Produkte bei alternativen Antrieben benötigt werden, weil mit chemischen Produkten der Wärmeschutz verbessert werden kann. 
Welche Strategie könnten die Unternehmen der chemisch-verarbeitenden Industrie wählen, um sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen?
Zunehmende staatliche Regionalisierung fordert folgende Anpassungen: verstärkt in den Regionen investieren, näher zum Kunden kommen, regionale Produktwünsche aufnehmen und umsetzen. Rohstoffknappheit und Preissteigerungen, Zwang zur Reduzierung des Energieverbrauch, klimafreundliche Produktion, Nachhaltigkeit fordern Folgendes: Interne Prozesse optimieren, Energie einsparen, Wärmerückgewinnung nutzen, Anlagen modernisieren in Richtung Energieeffizienz; Umstellung auf CO2-freie Produktion.
Welche volkswirtschaftliche Sichtweise konnten Sie als Aufsichtsrat der Wacker Chemie AG entwickeln – für die Region Oberbayern? 
Es wird einem sehr bewusst, wie abhängig wir in der Region vom weltweiten Wettbewerb sind. Wacker macht 85 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Das heißt, dass wir hier in Oberbayern mit weltweitem Wettbewerb zu tun haben. Dem entsprechend ist der Druck sehr hoch, dass man die Kosten im Griff hält, dass man innovativ ist.
Bedeutet das eine Auslagerung der Produktion aus Kostengründen?
Man kann nicht mehr alles nur in Oberbayern produzieren, weil die Länder immer mehr autark werden wollen und vorzugsweise von lokalen Produzenten kaufen. Dies führt dazu, dass auch im Ausland regionale Produktionsstrukturen und Technische Beratungszentren aufgebaut werden. Damit sichern diese Investitionen im Ausland auch die Standorte in Bayern ab.
Wie beurteilen Sie die Vernetzung der Unternehmen wie Wacker, Vinnolit, OMV oder Borealis mit den Menschen der Region?
Hier im ChemDelta Bavaria sind circa 20.000 Menschen beschäftigt. Dazu kommen die Firmen, die dieses ChemDelta beliefern, vom Packmittel über Montagedienstleistern und IT-Service-Anbieter bis hin zu Hotels und Restaurants. Weil diesen Personen und auch der gesamten Bevölkerung diese hohe Bedeutung der chemischen Industrie bewusst ist, ist die überwiegende Mehrheit der Chemie gegenüber sehr positiv eingestellt.
Verschiedene Medien berichten, dass die Unternehmen im Chemie-Dreieck bis 2040 CO2-neutral arbeiten möchten. Ist dies realistisch?
Vor allem Wacker Chemie ist dafür bekannt ist, Zielsetzungen auch zu erreichen. Natürlich ist eine Vorhersage immer schwierig, wie schnell sich Grundlagen verändern können, erleben wir doch gerade. Wichtig wird sein, dass schnell Skaleneffekte erreicht werden, die die CO2-neutrale Produktion billiger als heute werden lassen. Das geht nur, wenn in allen Stufen der Produktionskette, von allen Vorlieferanten bis zur eigenen Produktion die neue Technik auch mit hohen Mengen machbar ist.
Ist eine CO2-neutrale Politik überhaupt vereinbar mit der chemischen Industrie?
Ja, natürlich. Sehr viele Erzeugnisse der bereits heutigen Produktion tragen dazu bei, dass die Käufer dieser Produkte weniger Energie verbrauchen und tragen dazu zur Verbesserung der CO2-Bilanz bei. Siehe die vorher aufgeführten Beispiele wie Photovoltaik oder Baustoffe zu Dämmung. Ansonsten hat natürlich die Umstellung der eigenen Produktion hohe Investitionen in Anlagen zur Folge.
Wasserstoff gilt als Energiequelle der Zukunft. Als Ersatz für Erdöl und Erdgas.
Er wird in sehr großen Mengen benötigt. Für die günstige Herstellung dieses Wasserstoffs setzt man auf Erzeugung aus sehr großen und kostengünstigen Photovoltaik-Flächen oder Windenergie. Dafür werden aber auch wieder große Mengen der chemischen Industrie benötigt.
Wie wünschen Sie sich das Chemiedreiecks im Jahr 2040?
Ich wünsche mir, dass das Chemiedreieck nach wie vor im weltweiten Wettbewerb bestehen kann und daher auch so viele hochwertige Arbeitsplätze bietet wie heute. Und damit auch 2040 noch den Wohlstand ermöglicht, den wir heute im Chemiedreieck genießen können.

innsalzach24.de bedankt sich bei Konrad Kammergruber für das Gespräch. Lesen Sie mehr zum Thema Chemiedreieck in Teil zwei unseres Interviews mit dem Altöttinger Kreisrat und FDP-Politiker (folgt).

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