„Das Gras wächst, egal was passiert“

Burghauser Tänzer Patrick Grigo und sein Umgang mit dem Lockdown

Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor Corona.
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Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor Corona.

Patrick Grigo ist viel mehr als „nur“ Hip Hop & Breakdance Welt- und Europameister. Seit 21 Jahren gibt er sein Wissen an Schüler weiter, eröffnete vor 16 Jahren seine erste Tanzschule, gründete eine Online Plattform für Tänzer und ist Herausgeber eines Szene Magazins. Ganz vorne steht für ihn aber nicht sein eigenes Ego, sondern der soziale Aspekt seiner Arbeit.

Burghausen - Über 15.000 Schüler hat Patrick Grigo bereits unterrichten dürfen. Und das nicht nur in seiner Burghauser Tanzschule „Move Too Hot Company“, sondern in vielerlei verschiedenen Projekten im In- und Ausland. Sein Schulkonzept ist vor allem auf sozialen Aspekten aufgebaut, Begrüßung und Gespräche spielen eine große Rolle in Patricks Traineralltag. Und gerade das ist, was er und seine Schüler derzeit am meisten vermissen.


Nicht nur die unvergesslichen Erfahrungen, die seine Schüler während Shows und Aufführungen erleben dürfen, fehlen momentan. „Der Vorbereitungsprozess, die Zielstrebigkeit und Disziplin, das Verantwortungsbewusstsein, das man für eine Darbietung dieser Art benötigt: All das können die Kids gerade nicht erleben.“ Vielen Kindern gehe es nicht gut mit der Situation, ihnen fehle die Bewegung, die Gruppe, die frische Luft.

„Sich die Veränderung zur Gewohnheit machen“


Patrick Grigo und seine Ehefrau Diana unterrichten beide aktuell nur online. Bloß 20 Prozent der Schüler würden das Angebot nutzen. Über die Disziplin und die Motivation dieser Zöglinge können die beiden Profis nur staunen. Dass der Rest ihrer Schüler für das „Tanzen im Quadrat“ weniger Lust aufbringt, können sie gut verstehen.

Burghauser Tänzer Patrick Grigo über den Lockdown: „Das Gras wächst, egal was passiert“

Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown.
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown. © Isabella Haschek
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown.
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown. © Bettina Hüttner
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown.
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown. © Bettina Hüttner
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown.
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown. © Bettina Hüttner
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown.
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown. © Heiner Heine
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown.
Patrick Grigo bei einem seiner Kurse in Zeiten vor dem Lockdown. © Heiner Heine
Patrick Grigo aus Burghausen
Patrick Grigo aus Burghausen © Michaela Tita

Grigo ist aber deswegen noch lange nicht untätig. „Sich die Veränderung zur Gewohnheit machen“ ist sein Motto und auch die zugrundeliegende Philosophie seines Tanzstils „Breaking“. Das Wort „Breakdance“, ein Modewort aus den 80ern trifft nicht, was „Breaking“ eigentlich ist, nämlich das Tanzen auf „Breaks“, auf rhythmische Pausen. 2024 wird „Breaking“ übrigens bei den Olympischen Sommerspielen in Paris vertreten sein.

„Wir Tänzer sind vor allem eines: Überlebenskünstler“

Obwohl Patricks Auslandstermine, künstlerische Tätigkeiten und Shows seit dem ersten Lockdown ausfallen mussten, und seit November ein Zehntel seiner Schüler nicht mehr wiederkam, steckt Patrick nicht den Kopf in den Sand. „Wir Tänzer sind vor allem eines: Überlebenskünstler“, meint der 40-Jährige dazu, und auch seine Frau Diana kann das bestätigen. Die beiden sind seit 2006 ein Paar. Die Liebe zum Tanzen hat sie zusammengebracht.

„Teach more than dance“

Was die beiden verbindet, ist aber nicht nur die Freude am Tanz, sondern auch die am Unterrichten. „Teach More Than Dance“ , also mehr zu lehren, als nur das Tanzen selbst, ist die Devise der beiden. Der Glaube „funktionieren“ zu müssen, ist für viele Tänzer der Beginn eines leidvollen Weges voller Verletzungen, Überlastung, Leistungsdruck. Etwas, dem Patrick Grigo und seine Frau bewusst entgegenwirken wollen. „Intuition und auf den eigenen Körper zu hören, das steht für uns im Vordergrund. Viele sehen den Tanz, als eine Challenge mit sich selbst, doch das sollte nicht der Grund sein, warum man tanzt.“ Und Patrick Grigo weiß, wovon er spricht.

Viele seiner Schüler hätten ihre Liebe zum Tanz damit begründet, dass sie durchs Tanzen den Schulstress vergessen. Der enorme Leistungsdruck, den Schüler heute ertragen müssen, stimmt Patrick und Diana nachdenklich. Gerade auch, um dem Stress entgegenzuwirken, bietet Diana Grigo auch Yogaunterricht im Tanzzentrum an. Doch aktuell gibt es leider keine Stunden, Diana: „Online-Yoga funktioniert für mich nicht. Da fehlt jede die Atmosphäre.“

Doch Yoga praktiziert das Tänzerpaar weiterhin, auch weil die dazugehörige Philosophie und Entspannung für die derzeitige Situation hilfreich sind: „Das Gras wächst, egal was passiert“. Und auch Patricks Projekte wachsen, egal was passiert. Derzeit bastelt er daran seine Tanzschule in eine größere Bildungseinrichtung zu verwandeln, die sich auf vier Säulen konzentrieren soll. Ausbildungsprogramme sollen ebenso absolviert werden können, wie eine professionelle Vorbildung zum Tänzer. Neben einem Leistungskader soll aber weiterhin Tanzen als Freizeitsport für Schüler angeboten werden. Und die können schon ab vier Jahren einsteigen.

Der neue Internetauftritt, geht am 10. Februar online unter: www.burghausen-tanzt.de

dha

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