Blindentastmodell wird im Frühjahr aufgestellt

Burghausen in Bronze gegossen

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Das Ehepaar Ulm durfte exklusiv schon das erste Burghauser Guss-Teil begutachten. Nun müssen die Rohlinge aufwendig gereinigt und versiegelt werden.

Burghausen - Heiß ging es her in der Straubinger Gießerei von Anton Gugg, als der ehemalige Stadtrat Klaus Ulm und seine Frau Brigitte live beim Guss des Burghauser Tastmodells dabei waren.

Anton Gugg erklärt dem Ehepaar Ulm die Zusammensetzung der Bronze aus der das Burghauser Blinden-Tastmodell gegossen wurde.

Etwa 1100 Grad heiß muss die Kupfer-Zinn-Legierung sein, um in die Form gegossen zu werden. Noch 2016 haben Anton Gugg und sein Team der ältesten Gießerei Europas das Burghauser Modell gegossen, wobei der Guss selbst zeitlich den geringsten Aufwand bedeutet. Denn von der Idee bis zum Guss und schließlich zur Aufstellung am Cura-Parkplatz auf der Burg, werden einige Jahre vergangen sein. „Mir kam die Idee 2002 bei der Landesausstellung in Bamberg. Dort habe ich ein ähnliches Modell von der Bamberger Altstadt gesehen“, erinnert sich der ehemalige Stadtrat Klaus Ulm. Also hat sich Ulm an den Ersten Bürgermeister Hans Steindl gewandt und ein solches Blindentastmodell von der Burghauser Burg, Altstadt und der Salzach vorgeschlagen. 

Zehn Monate dauerte die Anfertigung des Modells

Das Tastmodell wurde anhand eines Kunststoffmodells angefertigt, das dabei zum Großteil zerstört wird.

Immer wieder wurde im Nachgang über Kosten, Format und Standort eines solchen Modells diskutiert. Es wurden Angebote eingeholt, denn schließlich muss zunächst ein Modell angefertigt werden, das Burghausen möglichst realistisch darstellt. Währenddessen konnte Klaus Ulm die Sparkasse Altötting-Mühldorf gewinnen, 10.000 Euro Zuschuss zum Modell zu geben. 2011 legte schließlich der Bildhauer und Objektdesigner Egbert Broerken ein Angebot für ein Burghauser-Modell im Maßstab 1:600 vor, das die Größe 110 x 190 cm haben sollte. Der Bauausschuss stimme dem Bronzemodell mit Kosten von rund 30.000 Euro Anfang 2015 zu und Broerken machte sich an die Arbeit. 

Etwa zehn Monate Zeit nahm die Anfertigung des Modells in Anspruch. „Wir haben schon viele Tastmodelle gegossen zu denen Egbert Broerken das Modell geliefert hat. Zusammen mit ihm haben wir uns quasi ein bisschen auf Tastmodelle spezialisiert“, erklärt Anton Gugg. Die Gießerei hat in den letzten Jahren etwa 40 Stadtmodelle angefertigt.

Ein Überblick für Blinde und Sehende

Das Ehepaar Ulm war beim Guss des Modells live dabei. Anton Gugg erklärte den Gussvorgang.

Das Burghauser Modell wurde im sogenannten Wachsausschmelzverfahren gegossen, „da wir hier die höchste Detailgenauigkeit erreichen“, so Gugg. Das bedeutet, dass das Modell per Handarbeit zunächst aus Wachs hergestellt wird, um die Negativform anzufertigen in die schließlich das eigentliche Modell gegossen wird. Beim Gusstermin in Straubing wurden die letzten Einzelstücke des Burghauser Modells gegossen. Nach dem Guss muss das Modell per Sandstrahlung aufwendig gereinigt und poliert werden. Schließlich bekommt es einen Hartwachsüberzug, um es vor Verschmutzungen zu schützen. Der Sockel soll aus Nagelflu h bestehen. Die Gießerei selbst wird das Bronzemodell, das final 180 Kilo auf die Waage bringen wird, vor dem Haus der Fotografie am Curaparkplatz anbringen. 

Dort wo die Gästeführer ihre Burgführungen starten, macht das Modell am meisten Sinn, findet Bürgermeister Hans Steindl: „Die Gästeführer können es für einen ersten Überblick nutzen und natürlich ermöglichen wir Blinden und stark Sehbehinderten Menschen so eine barrierefreie Stadtansicht“, so das Stadtoberhaupt. Das Modell ist in Blinden- und Normalschrift bezeichnet. Für Brigitte und Klaus Ulm ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen, schließlich hat sich Klaus Ulm lange für das Modell eingesetzt. Anton Gugg, der die Straubinger Gießerei in neunter Generation führt, nahm sich viel Zeit, um alle Vorgänge vom Wachsmodell bis zum Guss genau zu erklären. Nun freut sich das Ehepaar auf die Einweihung des ersten Blindentastmodells in Burghausen im Frühjahr 2017, wo sie wieder auf Anton Gugg treffen werden.

Pressemitteilung Stadt Burghausen

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