Bürgermeister Steindl tritt ohne Gegenkandidaten an

Steindl: Ein "König" ohne Gegenkandidat

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Sieht sich eher als "Manager" denn als "König" von Burghausen: Bürgermeister Hans Steindl (hier auf dem Gelände des SV Wacker Burghausen).
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Burghausen - Der "König von Burghausen" steht vor seiner fünften Amtszeit als Bürgermeister, einen Gegenkandidaten gibt es nicht. Wie erklärt sich Steindl seinen Erfolg?

Seit 1990 ist Hans Steindl (SPD) Erster Bürgermeister der Stadt Burghausen. Das Stadtoberhaupt steht vor seiner fünften Amtszeit, einen Gegenkandidaten gibt es nicht bei der Wahl am 16. März. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete den Kommunalpolitiker jüngst gar als "König von Burghausen" - so groß sei seine Beliebtheit, so gut gehe es der Stadt finanziell.

Als König von Burghausen, so viel ist klar, sieht sich Steindl selbst freilich nicht, ihm gefällt eher das Bild des "Managers der Stadt". Er sehe sich als jemand, "der sich einfach um die Belange hier kümmert". "Ein König wird ja bekanntlich nicht gewählt. Bei den vielen Königen, die es bei uns gibt - wenn die gewählt werden würden, dann gäbe es manche Könige nicht mehr", sagt Steindl im Gespräch mit unserer Redaktion. "Wir stellen uns einer demokratischen Wahl nach sechs Jahren, egal mit wie vielen Gegenkandidaten." Das Vertrauen der Bürger freue ihn zwar und stärke ihn in seiner Position. Abheben dürfe er deshalb aber nicht. "Manche Könige sind sehr abgehoben gewesen, das weiß man ja aus der Geschichte. Die haben sich um die Leute nicht mehr gekümmert. Das ist bei einem Bürgermeisteramt nicht möglich." Wer abhebt bekommt vom Wähler eben schnell die Quittung.

2008 siegte Steindl mit über 76,9 Prozent - trotz Gegenkandidat

Das Votum der Wähler war bei der letzten Wahl im Jahr 2008 recht eindeutig. Steindl kam auf über 76,9 Prozent der Stimmen - und das, obwohl die CSU damals einen Gegenkandidaten aufgestellt hatte. Seine Beliebtheit bei den Bürgern erklärt sich Steindl, der im September 65 Jahre alt wird, mit seinem über Jahrzehnte währenden politischen Engagement. Als 21-Jähriger kam er in der Stadtrat, seit 1990 bekleidet er das Amt des Ersten Bürgermeisters. "Ich hab ja auch klein angefangen in Burghausen. Ich bin gebürtiger Burghauser, war in allen Vereinen verhaftet und habe mich von Anfang an um die Dinge gekümmert", erzählt das Stadtoberhaupt. "Ich habe im Stadtrat mitgearbeitet, habe Anträge gestellt und war bei allen Veranstaltungen weitgehend mit dabei. So baut man sich halt eine Bekanntheit auf."

Akribische Arbeit für die Belange der Bürger war - nach Ansicht Steindls - gleich doppelt nötig, schließlich führt er das Parteibuch der SPD. "Als SPD-Kandidat musst du natürlich doppelt so viel arbeiten als ein CSU-Kandidat. Das ist eine alte Bauernregel in Bayern."

"Die Leute honorieren, wenn man Erfolge einfährt"

Seine hohe Beliebtheit schreibt Steindl aber auch den Erfolgen der Stadt zu. Es ist eine lange Liste, die der Bürgermeister in Windeseile aufzählen kann. Die Landesgartenschau ist darunter, die 2004 nach Burghausen geholt wurde, das Kulturprogramm wie etwa die Jazzwoche ebenfalls, aber auch finanzielle Leistungen der Stadt im sozialen Bereich. "Bei uns zahlt man keine Kindergartengebühr. Das gibt's in Bayern sonst nirgendwo", so Steindl. Hinzu komme die wirtschaftliche Stärke der Stadt.

Maßnahmen für den Erhalt der Wirtschaftskraft, wie etwa die Schaffung weiterer Industrieflächen, hat sich Steindl für die kommenden Jahre auf die Fahnen geschrieben. "Das alles sind Themen, die man auf der Agenda hat und wo man jeden Tag unterwegs ist, um was zu erreichen. Das honorieren die Leute: Dass jemand da ist, der mit der Wirtschaft verflochten ist und für Burghausen Erfolge einfahren kann", sagt der 64-Jährige.

Es ist kein Geheimnis, dass Burghausen seinen Erfolg zu einem guten Stück der chemischen Industrie zu verdanken hat. Die finanzielle Abhängigkeit der Stadt von großen Unternehmen wie Wacker oder OMV ist entsprechend groß. "Wenn eine Problematik auftaucht, kann es sofort einen zweistelligen Millionenbetrag bei den Steuereinnahmen ausmachen. Wir sind da sehr stark abhängig", erklärt Steindl. So bewegten sich die jährlichen Gewerbesteuereinnahmen, von denen allerdings noch rund 70 Prozent an den Landkreis und den Freistaat abgeführt werden müssen, in etwa in einem Rahmen von 15-20 Millionen Euro und 40-50 Millionen Euro.

Der Wirtschaftsteil wird jeden Tag studiert

Hinzu kommt, dass die Stadt selbst kaum Einfluss nehmen kann auf die wirtschaftliche Entwicklung der großen Unternehmen. Wie beurteilt die EU die Strompreisrabatte für energieintensive Unternehmen? Erhebt China Importzölle auf Photovoltaikprodukte? Ja, selbst die Krise in der Ukraine tangiert Burghausen, schließlich schlägt sich die Krise auch auf die Börsenkurse nieder. "Das erste, was ich in der Früh mache, ist den Wirtschaftsteil in der Zeitung zu studieren. Das habe ich vor 20 Jahren nicht gemacht, aber das ist mittlerweile unsere Burghauser Situation", so der Bürgermeister. Die Energiefrage allerdings ist für Steindl "die entscheidende Frage für uns in den nächsten zwei, drei Jahren. Ob hier am Standort weiter ausgebaut wird, ob weiter investiert wird oder ob abgebaut wird."

Ein zweites wirtschaftliches Standbein sei freilich der Mittelstand, auch in Burghausen. Doch in der Stadt seien die mittelständischen und die großen Unternehmen miteinander verwoben. "Der Mittelstand arbeitet natürlich auch wieder sehr stark mit der Industrie zusammen, als Dienstleister, als Versorger, als Planungsbüro." Alleine während des Shutdowns bei OMV in diesem Jahr seien zwei- bis dreitausend Arbeiter in der Stadt.

Fällt man zurück oder kann man mithalten?

Auf Steindls Agenda für die kommenden sechs Jahre steht die Vollendung einiger Projekte, die bereits in Angriff genommen wurden, beispielsweise das Güterverkehrsterminal, das im Juli in Betrieb genommen wird. Das 25-Millionen-Euro-Projekt wird vom Bund mit knapp 20 Millionen Euro gefördert, die Stadt tritt als Mehrheits-Gesellschafter auf. Da sei man ein großes Haftungsrisiko eingegangen, sagt Steindl. Weitere große Projekte sind der Ausbau des Klosters Raitenhaslach zu einem Wissenschaftszentrum der TU München - 15 Millionen Euro nimmt die Stadt dabei selbst in die Hand, zehn Millionen kommen von Freistaat -, der Umbau der Jugendherberge für 3,5 Millionen Euro, das neue, multimediale Stadtmuseum auf der Burg - und das Dauerthema Salzachzentrum. "Wir sind dran, die Einkaufsstadt Burghausen zu stärken", so Steindl.

Dossier: Salzachzentrum

Schon in einigen Tagen soll es eine Pressekonferenz zum Salzachzentrum geben, wahrscheinlich mit neuem Partner und verändertem Konzept. "Das betrifft die ganze Einkaufsstadt Burghausen. Ob man stagniert, ob man zurückfällt im Konkurrenzkampf, oder ob man mithalten kann mit den umliegenden Städten." Es gelte, die Kaufkraft, gerade die der jungen Leute, in der Stadt zu halten.

Hoffen auf ein weiteres Jahr "Abenteuer dritte Liga"

Ein weiteres, für Steindl bedeutendes Projekt findet gerade nach und nach in der Wacker-Arena seinen Abschluss: das Projekt Klassenerhalt des SV Wacker. Steindl ist Fußballfan und hat selbst einst in der ersten Mannschaft des Klubs gespielt. Noch vor ein paar Jahren war Wacker in Liga zwei, für Steindl "einfach grandios". Aktuell kämpft der Klub um den Verbleib in der dritten Liga, ist im Moment Tabellenletzter. "Wir haben nicht genug Sponsoren, wir haben einen sehr kleinen Etat, um den wir jede Woche kämpfen müssen, damit wir die Zahlen auch halten können in Sachen Sponsoring. Denn drei Millionen bringst du nicht ohne Weiteres zusammen in einem Jahr - hier in der Provinz." Außerdem habe der Verein einfach zu wenig Zuschauer bei den Heimspielen. Rund 2000 Fans kommen derzeit, Steindl hält eine Zahl zwischen 3000 und 3500 für nötig.

Alles zum SV Wacker

"Wir sind unheimlich schlecht gestartet - nach acht Spielen einen Punkt - da bist du normal schon zum Abstieg verurteilt", sagt Steindl. Inzwischen habe man sich stabilisiert. Es werde aber bis in den Mai offen bleiben, ob es reicht, "dass wir da nochmal den Anschluss schaffen für das Abenteuer dritte Liga". Die ausstehenden Heimspiele, davon ist der Fußballfan Steindl überzeugt, müssen alle gewonnen werden. "Sonst haben wir keine Chance."

"Ich kann keinen Nachfolger zusammenbasteln"

Mit Spannung blickt Steindl auch auf die anstehende Stadtratswahl - nicht zuletzt wegen eines Deals mit der CSU. Steindl verzichtete auf eine Kandidatur auf der Stadtratsliste der SPD und die CSU stellte im Gegenzug keinen Bürgermeisterkandidaten auf. Steindl ist schon gespannt, wie sich seine Parteifreunde ohne ihn schlagen werden. "Das ist für manche Kandidaten auf der Stadtratsliste jetzt eine deutliche Bewährungsprobe ohne Zugpferd Steindl da vorne", sagt der 64-Jährige. "Wie schlagen sich die anderen Kandidaten? Das ist jetzt schon eine Standortbestimmung der Partei und der Fraktion." Für Steindl ist die anstehende Stadtratswahl daher auch ein "Wettbewerb um Zukunftschancen, um Profilierungen". Dem müsse man sich stellen, findet Steindl.

Sein möglicher Nachfolger als Bürgermeisterkandidat der SPD sollte ein jüngerer Politiker sein, "der dann auch mehrere Perioden in Burghausen diese Stadt führen kann", sagt Steindl. "Ich habe zu meiner Partei gesagt, sie müssen sich natürlich auch um meine Nachfolge Gedanken machen. Ich kann keinen zusammenbasteln."

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