Burghausens Bürgermeister zur Corona-Krise

Steindl: "Weiß nicht, wie die Stadt in fünf Jahren aussieht"

Hans Steindl (l.) bezeichnet die Corona-Krise als schwierigste Situation in seiner 30-jährigen Amtszeit. 
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Hans Steindl (l.) bezeichnet die Corona-Krise als schwierigste Situation in seiner 30-jährigen Amtszeit. 

Burghausen - Bis zum 30. April ist Hans Steindl noch Bürgermeister von Burghausen. Insgesamt 30 Jahre hat er die Fäden gezogen. Im Interview mit innsalzach24.de spricht der scheidende Bürgermeister über die Corona-Krise. 

Hallo Herr Steindl, Sie sind jetzt noch knapp zwei Wochen im Amt. Welches Gefühl überwiegt mehr? Wehmut oder Freude?


Durch die Situation mit der Corona-Epidemie kann ich diese Frage nicht mehr so salopp beantworten. Wenn dies nicht wäre, wie wäre es dann? Jetzt haben wir aber eine andere Situation. Ich bin jeden Tag um 8 Uhr im Rathaus und hast deinen Krisenstab um dich herum. Es werden Maßnahmen besprochen. Vor Corona hätte ich gesagt Freude, Gelassenheit und ein gutes Gefühl. Jetzt würde ich sagen, es wird wahnsinnig schwierig und ich weiß nicht, wie die Stadt Burghausen in fünf Jahren aussieht.

Wie sehen diese Maßnahmen aus?


Zum Beispiel wird der Haushalt untersucht, ob die Zahlen überhaupt noch was hergeben, so wie wir ihn für das aktuelle Jahr aufgestellt haben, oder ob nicht radikal neu geplant werden muss. Passen die Steuereinnahmen noch? Wo kann gespart werden? Wo kann jetzt schon der Hebel angesetzt werden? Das Finanzjahr 20/21 wird katastrophal für die Industriestadt Burghausen werden, in der wir von der Gewerbesteuer und den Industriebetrieben leben. Ich bin komplett hin- und hergerissen. Ich bin noch einige Tage im Amt, dann habe ich in Florian Schneider einen würdigen Nachfolger, der bereits jetzt schon bei allen wichtigen Beratungen dabei ist, um einen guten Übergang zu schaffen. 

Fällt es Ihnen aufgrund der Corona-Krise schwerer das Zepter an Florian Schneider weiterzureichen? Würden Sie am liebsten selbst mithelfen, die Krise zu überstehen?

Es müssen alle mithelfen. Wir haben eine hervorragend motivierte Mannschaft hier im Rathaus – mit den Abteilungsleitungen und den Sachgebietsleitern. Wir besprechen auch mit dem Landkreis Aktionen. Wir haben kürzlich erst einen Zuschuss zwischen 150.000 und 200.000 Euro an den Landkreis für die Schutzmasken für alle Bürger zugesichert, damit man die Exil-Strategie fahren kann. Das sind alles Dinge, die ich mit meinem Nachfolger bespreche. Wie macht man sowas? Wie bereitet man sich vor, dass es keine Engpässe in der Schutzausrüstung kommt? Wir sind jeden Tag im Austausch, was wir tun können. Wie können wir den kleinen Händlern helfen? Wie kann man das Kino in der Burghauser Neustadt retten? Es ist im Moment ein sehr fließender Übergang, der jetzt natürlich völlig andere Schwerpunkte hat. Ich bin jetzt natürlich viel stärker im Übergang gefordert als zunächst angenommen. Wir sind voll gefordert, helfen aber gerne mit.

Ist die Corona-Krise die schwierigste Situation in ihrer Amtszeit?

Mit Sicherheit. Für alle Mandatsträger ist dies keine leichte Aufgabe. Es ist ja noch lange nicht vorbei. Die Corona-Krise wird uns im Jahr 2021 auch noch beschäftigen. Wir gehen ja davon aus, dass wir vielleicht im Sommer gewisse Erleichterungen bekommen. Aber bis die Wirtschaft wieder anläuft, das wird sich bis Mitte 2021 hinziehen. Die Krise, die Auswirkungen, die Konsequenzen, die negativen Nachwirkungen mit den vielen Insolvenzen, die kommen werden, die Veränderungen des Ortsbildes, wenn die kleinen Geschäfte verschwinden, das gesellschaftliche Leben mit dem Kulturprogramm, mit den öffentlichen Veranstaltungen, egal ob 100 oder 500 Besucher, das wird sich alles erst einspielen müssen. Es wird sich vieles verändern. Das ist mit Sicherheit die schwierigste Zeit, die weit über meine Amtszeit hinaus wirkt. Das ist eine völlig neue Herausforderung.

Am Mittwoch erscheint ein weiteres Interview mit Hans Steindl auf innsalzach24.de, in dem der scheidende Bürgermeister auf seine 30-jährige Amtszeit zurückblickt. 

jz

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