Archäologen legen Geschichte Raitenhaslachs frei

Buddeln unter'm Zeltdach

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Denkmalpfleger und Städtebauer folgen interessiert den Ausführungen des Archälogen.

Burghausen - Die Neugestaltung der Ortsmitte von Raitenhaslach hat eine unerwartete "Nebenwirkung": Archäologen haben unerwartet viele interessante Funde aus der Geschichte der Gemeinde ausgraben können, die 788 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Diverse Scherben haben die Archäologen bereits gefunden. Vielleicht wartet ja noch ein Schatz ...

Kleine spitze Spachteln liegen neben handgezeichneten Erdschichtplänen und handelsüblichen Gefrierbeuteln gefüllt mit Schutt. Schutt? „Auf keinen Fall. Es handelt sich um Proben von Bodenfunden“, sagt Stefan Mühlemeier. Der selbstständige Archäologe ist derzeit für die Öffentlichkeit kaum sichtbar. Er gräbt mit seinem Team im Auftrag der Stadt Burghausen im Zentrum von Raitenhaslach verborgen hinter weißen Zeltwänden nach Resten der Geschichte

Die Menge der Funde überrascht

Dies hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLFD) angeordnet, nachdem im Herbst letzten Jahres die Arbeiten zur Umgestaltung der neuen Dorfmitte begannen. „Direkt unter der Grasnarbe kamen Mauern, Fußböden und alte Gesteinsreste zum Vorschein“, erklärt Werner Lechner, Geschäftsstellenleiter und Baukoordinator für Raitenhaslach bei der Stadt Burghausen. 

Dass sich dort so viele Bodenfunde verstecken, habe nicht einmal der „Klostermaulwurf“ und Ortsheimatpfleger Wolfgang Hopfgartner vermutet „und das will was heißen“, waren sich die Anwesenden jetzt bei der Erstpräsentation der Funde einig. Hierzu waren auch die zuständigen Referenten vom BLFD Dr. Jochen Haberstroh und Dr. Martin Pietsch aus München gekommen. 

Zuletzt stand hier ein Wirtshaus

Mit Hilfe des Grabungszeltes wird der Boden "warm" gehalten.

Auf der Wiese vor der Sporthalle Raitenhaslach, wo sich einst die Klosterpforte befunden hat, steht ein großes, weißes Zelt. Darunter graben die Archäologen seit November, um die Bodenfunde zu dokumentieren und vor allem zu „interpretieren“, wie Dr. Haberstroh, Referatsleiter für Oberbayern, erklärt. Und genau das tun Stefan Mühlemeier und sein Team Tag täglich. Sogar über die Feiertage haben sie gegraben, gezeichnet und freigelegt. 

„Die jüngste Nutzung an dieser Stelle dürfte ein Wirtshaus gewesen sein“, erklärt Mühlemeier. Etwa sechs Fußbodenschichten haben die Archäologen und ihre Helfer bereits freigelegt und dabei auch die ein oder andere „uralte“ Tonscherbe gefunden. Aus dem 13. bis 15. Jahrhundert stammten einige der Scherben. „Der letzte dokumentierte Brand war um 1448. Und wir haben auch bereits einige verbrannte Tuffsteinreste geborgen, die in diese Zeit gehören“, erklärt Mühlemeier. Der eigentliche Grund für die Arbeiten an dieser Stelle im Zentrum ist, dass dorthin die Straße verlegt werden soll und dafür wird eine Tiefe von circa 50 cm benötigt. Aber bevor die Straße verlegt werden kann, müssen die Bodenfunde analysiert werden

Wenn der Boden gefriert, ist graben unmöglich

Verschiedene Böden deuten auf unterschiedliche Nutzung hin.

Münzen oder dergleichen seien bislang an dieser Stelle im Raitenhaslacher Boden nicht gefunden worden, aber darum gehe es auch in erster Linie nicht. „Es geht darum zu verstehen, wie sich die Nutzung der Fläche über Jahrhunderte verändert hat und dies muss dokumentiert werden“, erklären die Denkmalpfleger vom BLFD. Um dies zu beschleunigen wird das Archäologen-Team aufgestockt, damit sich die Arbeiten nicht übermäßig verzögern. Ungefähr 13 Grad hat es im beheizten Grabungszelt. Genug, damit der Boden nicht friert, das würde die Arbeiten im Erdreich fast unmöglich machen. 

Nach der Offenlegung muss Schicht für Schicht abgetragen werden. „Alle Nagelfluhelemente werden wieder verwendet“, erklärt Werner Lechner. Die nicht störenden Bodenfunde werden nach der Dokumentation mit Geotextil überzogen und „in Ruhe gelassen“. Die Zuständigen hoffen, dass durch die Personalaufstockung ein rechtzeitiger Baustart im Frühjahr erfolgen kann. „Wobei der Archäologe natürlich vom mittelalterlichen Münzfund träumt“, scherzt Mühlenmeier. Es bleibt spannend, was der Raitenhaslacher Boden noch an Schätzen bereithält.

Pressemitteilung Stadt Burghausen

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