Nachzucht-Team zu Folgen für das Projekt im Gespräch

Warum wurden die drei Burghauser Waldrappe getötet?

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Oliver Habel vom Burghauser Team Waldrapp.
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Burghausen/Italien - Am Wochenende sorgte die Nachricht vom Abschuss von drei der im hohen Maß bedrohten Waldrappe, die auch in Burghausen aufgezogen werden, für Fassungslosigkeit. Wir haben uns beim Team Waldrapp erkundigt, was das für das Projekt bedeutet.

"Warum die das getan haben, ist eine gute Frage", erklärt Oliver Habel vom Burghauser Team Waldrapp gegenüber innsalzach24.de. Am Wochenende hatte die Meldung, dass drei der in Burghausen aufgezogenen Tiere in Italien von Wilderern getötet worden waren, für Fassungslosigkeit gesorgt. In früheren Zeiten galt der Waldrapp als Delikatesse und war auch eine beliebte Jagdtrophäe. "Aber in diesem Fall wurden die Tiere ja einfach liegengelassen." Eine mögliche Erklärung sei, dass die Wilderer den Sender, welchen die Tiere an sich tragen bemerkt und sie deshalb liegen gelassen hätten.

Waldrappen gehören zu den bedrohtesten Tierarten der Welt. Das Projekt "Waldrappenteam" in Burghausen hat es sich 2007 zur Aufgabe gemacht, den Vögeln, die aus der Zoohaltung stammen, den Weg in ihr Wintergebiet, die Toskana, zu zeigen. Mit der Hand aufgezogene Waldrappen lernen dies durch ein Training, bei dem sie einem Ultraleichtflugzeug folgen sollen, um in ein passendes Wintergebiet zu gelangen.

Suche nach Wilderern läuft

"In der Vergangenheit haben sich Wilderer auch damit herauszureden versucht, dass sie die Waldrappe angeblich verwechselt hätten", bemerkt Habel, "Allerdings muss man das doch sehr bezweifeln. Der Waldrapp hat ein äußerst markantes Aussehen und eine kaum zu verkennende Silhouette." Eine der wichtigsten Grundlagen dafür, dazu befähigt zu sein als professioneller Jäger auf die Jagd zu gehen sei es doch immerhin, zu erkennen was man abschießt.

Waldrappe im Flug.

Unterdessen laufe die Suche nach den Tätern. "Wir haben da inzwischen eine 'Task Force' für solche Fälle vor Ort", erläutert Habel, "Da die Tiere ihre Sender trugen, lassen sich auch Ort und Zeit der Abschüsse sehr genau eingrenzen." Es bestünde ein enger Kontakt mit den örtlichen Behörden, deren Ermittlungen derzeit laufen würden.

Wilderei inzwischen nicht mehr Haupt-Todesursache

Die Haupttodesursache der Tiere sei inzwischen allerdings nicht mehr die Wilderei, auch wenn jeder Fall davon einer zu viel sei, bemerkt Habel. Vielmehr würden die meisten Tiere inzwischen vor allem durch Stromschläge durch Stromleitungen sterben. So geschehen im Juli des vergangenen Jahres, als gleich fünf Tiere auf diese Weise ums Leben kamen.

Ein Waldrapp in Burghausen

"Insgesamt können wir aber optimistisch sein, mit derzeit 100 Vögeln ist die Population derzeit so groß, wie nie seit Projektbeginn", schließt Habel. Auch wenn es immer wieder Rückschläge gäbe, blicke das Waldrapp-Team daher positiv in die Zukunft des Projekts. "Inzwischen gibt es ja auch immer mehr Jungtiere, die nicht mehr von uns aufgezogen werden müssen, sondern bei denen das die Elterntiere übernehmen. Diese lernen dann auch nicht mehr von uns, sondern von ihren Artgenossen den Vogelzug in den Süden."  

Weitere Infos:

Mehr über das Waldrapp-Projekt erfahren Sie auf der Seite des Team Waldrapp.

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