Vorschläge "zur Kenntnis genommen"?

Streit um sozialen Wohnungsbau in Burghausen

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Burghausen - Mindestens ein Anwohner der Immanuel-Kant-Straße in Burghausen hat seinem Ärger über den geplanten sozialen Wohnungsbau in nächster Nähe Luft gemacht und einen Brief an den Stadtrat geschrieben. 

Bezahlbare Qualität im Wohnungsbau ist das Ziel eines kommunalen Förderprogramms der Regierung von Oberbayern und Burghausen will da mitmachen. Die Nachfrage nach Sozialwohnungen sei immer noch hoch in der Salzachstadt. Die eigene Wohnungsbaugesellschaft BuWoG soll laut Plan ihren Wohnungsbestand von 750 auf 850 erhöhen. „Als größter Wohnungsbesitzer in Burghausen hat die BuWoG einen Sozialauftrag“, heißt es dazu von Seiten der Stadt. Der betreffe insbesondere die Mietpreisgestaltung sowie die Vermietung an sozial schwächere Gruppen.

Eigentlich eine schöne Sache“, möchte man meinen. Schließlich ist auch das Problem mit dem für sozialen Wohnungsbau benötigtem Platz geregelt. Ganze 7.000 Quadratmeter Fläche stehen beispielsweise in der Immanuel-Kant-Straße zur Verfügung. 50 bis 55 Wohnungen könnten hier entstehen. Die Stadt hatte zwei Architekturbüros beauftragt, entsprechende Bebauungskonzepte zu erstellen. 

Streit um sozialen Wohnungsbau in Burghausen

Die Vorgaben aus dem Rathaus:

  • 60% Bebauung, 40% Grünanteil
  • Eine mittlere Dimensionierung der Wohnungszahl (rund 50 Wohneinheiten)
  • Der vorhandene Baubestand soll soweit wie möglich erhalten bleiben.
  • Der Lärmschutz muss wegen der unmittelbaren Nähe zur Bahn ganz besonders gewährleistet sein.

Auf der jüngsten Sitzung des Stadtrates haben die Vertreter der beiden Architekturbüros ihre Konzepte vorgestellt. Grundsätzlich sehr unterschiedlich erfüllen sie beide die Vorgaben der Stadt. Die Vorgabe des Förderprogramms der Regierung von Oberbayern ist es insbesondere, dass die Bauwerkskosten 1.700/qm nicht übersteigen dürfen. Maximale Qualität also bei niedrigstem Preis, die hier für eine nicht unerhebliche Förderung im sozialen Wohnungsbau gefordert wird. So gibt es in beiden Entwürfen Gemeinsamkeiten:

  • Überlagerung von Bad- und Sanitäreinheiten
  • Zentrale Zuleitungen
  • Laubengänge
  • Keine Unterkellerung
  • Keine Errichtung einer Tiefgarage

Die Herausforderungen:

Die unmittelbare Nähe zur Bahn darf offenbar ebenso als Herausforderung für die Planung gesehen werden - hier geht es um Lärmschutz ebenso wie um bauliche Vorgaben in punkto der Erschütterungen, die in solchen Gebieten auftreten - wie die gesamte Situation in der Immanuel-Kant-Straße, denn es gibt Widerstand gegen dieses Bauvorhaben der BuWoG.

Auszug aus dem Brief von Heinz Herzer an den Ersten Bürgermeister der Stadt Burghausen

Anwohner in der Immanuel-Kant-Straße haben sich offenbar bei der Stadt beschwert und zuvorderst Heinz Herzer einen Brief verfasst. Die Notwendigkeit von 47 Wohnungen im einen oder gar 58 im anderen Vorschlag sehen sie nicht und mehr noch: Sie befürchten ein Parkplatzproblem.Sogar von Zynismus seitens der Stadt ist die Rede. Hierbei geht es um die Zufahrt zu den geplanten Carports, die offenbar als Spielstraße ausgewiesen werden soll. Es sei unverantwortlich, würde man Kinder unbeaufsichtigt darauf spielen lassen. Der bekannte ehemalige Verkehrserziehungsgarten sei ein Ort, wo Kinder unbeaufsichtigt spielen könnten und das auch tun.

Die Gegenargumente:

Die Lebensqualität und nicht zuletzt der Wert der Grundstücke der Anwohner würde leiden bzw. sinken, wenn man hier bis zu 58 Wohneinheiten baue, so Herzer. In seinem Brief der Anwohner der Immanuel-Kant-Straße hat er Forderungen an den Stadtrat gestellt.

  • Rücknahme der Anzahl der Wohnungen auf 30
  • Rücknahme der Wohnetagen auf 3
  • Wegfall der Carports
  • Bau einer Tiefgarage für 38 Stellplätze
Auszug aus dem Brief von Heinz Herzer an den Ersten Bürgermeister der Stadt Burghausen

Darüber hinaus geht dieser Anwohnerbrief auf einen der beiden Vorschläge der Architekturbüros im Detail ein. Der Stadtrat Burghausen hatte auf seiner jüngsten Sitzung mit allen 24 Stimmen die beiden Vorschläge erst einmal „zur Kenntnis genommen“. Erster Bürgermeister Hans Steindl verwies auch darauf, dass es erst einmal um eine Art grundsätzlichen Fahrplan unter Berücksichtigung insbesondere der Vorgaben der Regierung von Oberbayern gehe, die einzuhalten seien, will man eine Förderung bekommen.

Rubriklistenbild: © Siegfried Märkl

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