Betrug in 558 Fällen

Anklage gegen Burghauser Unternehmer

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Burghausen - Ein Gerichtsverfahren rückt näher: Gegen den Finanzunternehmer, der hunderte Kunden betrogen haben soll, hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben.

Zum wiederholten Mal verdeutlicht eine einzelne Zahl das Ausmaß dieses mutmaßlichen Betrugs. Die Staatsanwaltschaft München II hat gegen einen Burghauser Finanzunternehmer, der hunderte Kunden betrogen haben soll, Anklage erhoben - wegen Betrug in 558 Fällen. Dies hat Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich, Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, gegenüber unserer Redaktion mitgeteilt. Demnach hat die Staatsanwaltschaft im Juni Anklage erhoben.

Bis es tatsächlich zu einem Prozess kommt, muss die Anklage jedoch erst vom Gericht zugelassen werden. Angesichts dessen, wie sich der Fall derzeit zumindest in der Öffentlichkeit darstellt, und ob der Tatsache, dass der Finanzunternehmer sich selbst angezeigt hatte, muss dies wohl kaum bezweifelt werden. Allerdings könnten bis zu einem Gerichtsverfahren von nun an noch mehrere Monate vergehen.

783 Kunden investierten bei dem Burghauser

Wie bereits berichtet, soll der Finanzunternehmer hunderte Anleger mit einem Schneeballsystem betrogen haben. Mehrere Fachanwälte vertreten derzeit dutzende mutmaßlich Geschädigte. 783 Anleger investierten bei dem Burghauser Beträge von insgesamt knapp 40 Millionen Euro. Der Unternehmer, für den bis zu 35 Anlagevermittler auf Provisionsbasis tätig waren, investierte das Geld vorwiegend in Wertpapieren im Rohstoffbereich. 1999 und 2000 muss der Burghauser offenbar mit einem Großteil der Kapitalanlagen Verluste erwirtschaftet haben. Um alte Kunden dennoch ausbezahlen zu können, soll der Burghauser Investitionen neuer Kunden herangezogen haben - ein zum Scheitern verurteiltes Schneeballsystem.

Rechtsanwalt André Haider, der einige Kunden des Finanzunternehmers vertritt, hatte bereits, als der Fall im vergangenen Jahr publik geworden war, vermutet, der Burghauser könnte "eventuell so reingerutscht" sein. Damit wäre das Schneeballsystem erst aus einer durch Fehlspekulationen verursachten Not heraus entstanden.

Knapp sieben Millionen Euro sind noch da

Für seine Kunden hatte dies teils dramatische Folgen. Manche vertrauten dem Burghauser ihre gesamte Altersvorsorge an. Wie viel sie von ihrem Geld wiedersehen, ist völlig offen. Bislang haben die Kunden Forderungen in Höhe von knapp 74 Millionen Euro angemeldet. Nach Angaben des Insolvenzverwalters beläuft sich die freie Masse aber auf gerade einmal rund 6,76 Millionen Euro. Einzelne Forderungen könnten allerdings bestritten werden, außerdem kann sich die freie Masse durchaus noch erhöhen.

Derzeit werden beispielsweise Zahlungen an die Ehefrau des Unternehmers geprüft. Diese ist auch die Eigentümerin eines Wohnhauses in Österreich, das in den letzten Jahren mehrfach um- und ausgebaut wurde. Nach Feststellungen des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bestellten Abwicklers könnten diese Baumaßnahmen mehr als drei Millionen Euro gekostet haben.

Daneben stehen eine Immobilie in Italien und ein Bild auf dem Prüfstand. Das Bild war ein Weihnachtsgeschenk des Unternehmers an seine Frau - und hat 120.000 Euro gekostet. Außerdem prüft der Insolvenzverwalter die Provisionszahlungen an die Anlagevermittler in Millionenhöhe. Doch auch wenn sich die freie Masse noch erhöht, ist ein Großteil der Kundeneinlagen aller Voraussicht nach weg.

Rubriklistenbild: © dpa

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