350 Bürger bei Demo in Burghausen

„Steht auf für die dauerhafte Öffnung von Bildungseinrichtungen und Kitas!“

350 Bürger bei Demo für Schulöffnungen in Burghausen.
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350 Bürger bei Demo für Schulöffnungen in Burghausen.

Nicht nur Eltern, Kinder und Lehrer fanden ihren Weg zur Demo am Messeplatz in Burghausen. Auch etliche Bürgermeister umliegender Gemeinden und Florian Schneider, 1. Bürgermeister von Burghausen, waren anwesend. Stefan Angstl, 3. Bürgermeister, stand selbst sogar mit auf dem Podium und sprach sich als betroffener Vater und Lehrer für die Öffnung der Schulen aus.

Burghausen - Als Organisatorinnen der Demo am 10. März am Messeplatz in Burghausen waren Claudia Ochs und Julia Jeschko eingetragen. Sie fordern die dauerhafte Öffnung der Bildungseinrichtungen und Kitas unabhängig von Inzidenzen. „Schulen können nicht im An- und Aus-Modus funktionieren“, begründet Claudia Ochs ihr Anliegen, „es überfordert Schüler, Eltern und Lehrer!“. Sie erntet für Ihre wissenschaftlich begründete Rede viel Applaus: Das Publikum, das sich trotz Kälte vor der Messehalle eingefunden hat, trägt FFP2-Masken, aus mehreren Ecken rufen Kinder „Wir wollen lernen!“.

Demo für Schulöffnungen in Burghausen

Die beiden Organisatorinnen sind Mütter und wissen, wovon sie reden. Ihr Aufruf sei eine Folgeaktion der Demonstration in Emmerting. Dort ist man erst vergangene Woche für die gleichen Ziele auf die Straße gegangen. „Hotspots im Landkreis müssen natürlich beobachtet und mit angemessenen Maßnahmen in Schach gehalten werden“, so Claudia Ochs, „dennoch sollten Ereignisse im Landkreis, die zu einem Anstieg der Infektionszahlen führen, nicht automatisch dazu führen, dass flächendeckend alle Schulen und Kitas zugesperrt werden.“

350 Bürger bei Demo für Schulöffnungen in Burghausen.

Es könne nicht sein, dass jeden Wochentag nervös auf die täglichen Inzidenzen geschaut werde, und im Falle eines Anstiegs, innerhalb von Tagen Schulen geschlossen oder in den Wechselunterricht müssten, meint Claudia Ochs. Dass die Inzidenz ein willkürlicher Wert sei, untermauert sie mit den Aussagen von Professor Matthias Schrappe, der an mehreren Unikliniken gearbeitet hat und seit 1990 in Deutschland, Österreich und Luxemburg lehrt. Seiner Meinung nach dürften Grundrechte aufgrund dieses Wertes nicht eingeschränkt werden.

Kindern und Jugendliche würde mehr aufgebürdet als anderen

„Innerhalb kürzester Zeit müssen schlecht kommunizierte und plötzliche Entscheidungen von Schulen und Lehrern umgesetzt werden, und das seit bereits einem Jahr. Claudia Ochs bedankt sich bei Schulleitungen und Lehrern, betont aber gleichzeitig, dass der Inzidenzwert für Kinder und Jugendliche besonders hart ausgelegt würde, insbesondere für Schüler der Jahrgangstufen 5 bis 11.

350 Bürger bei Demo für Schulöffnungen in Burghausen.

„Es wird mit zweierlei Maß gemessen: Kindern und Jugendlichen wird mehr aufgebürdet als anderen Teilnehmern der Gesellschaft. Sind nicht Kinder und deren Bildung das höchste Gut unserer Gesellschaft?“ Der heftige Beifall von den Anwesenden unterstreicht das Gewicht dieser Frage. Dennoch betonen die Rednerinnen und auch Stefan Angstl dass man die Pandemie nicht leicht nehmen dürfe, sondern fachlich begleitete Maßnahmen zur Infektionseindämmung nötig seien.

Mehr Tests und mehr positive Fälle in der Grenzregion

„Es geht uns nicht um eine sofortige Öffnung!“ betont Stefan Angstl, „es geht uns darum die Aufmerksamkeit auf die besondere Leistung der Kinder und der Jugendlichen zu lenken. Diese sollte auch als solche in der Gesellschaft anerkannt werden.“ Kinder und Jugendliche hätten keine Lobby, und dass sie weder im TV, noch von der Politik ins Gespräch genommen werden, müsse wahrgenommen werden. „Kinder und Jugendliche sollten, wie andere Bevölkerungsgruppen, geschützt und beachtet werden“, so Angstl.

„Gerade bei uns in der Grenzregion wird mehr getestet, und deswegen auch mehr positive Fälle gefunden“, führt Claudia Ochs bei ihrer Ansprache an, und zitiert noch einmal Professor Schropp: „Wir müssen mit dem Virus leben lernen! Das Virus wird nicht verschwinden und wir müssen für immer damit leben.“ In den Schulen sei das bereits passiert und die entsprechenden Laufwege, Desinfektionsspender und Unterrichtskonzepte seien vorhanden, doch Claudia Ochs findet auch wichtig dass dieser Bereich nun vorrangig Beachtung findet: „Alle Lehrer sollten sofort geimpft werden, sowie alle, die die meisten Kontakte haben.“

Sorge um die Generation der „Corona-Kinder“

Nach drei vollen Monaten Distanzunterricht wollen auch die anwesenden Eltern und Schüler endlich wieder Präsenzunterricht. Eine anwesende Mutter äußert im Gespräch ihre Sorgen um die Generation „Corona-Kinder“. Sie fühle sich als Elternteil im Stich gelassen und habe den Glauben an die Politik verloren. Vor allem die Perspektivlosigkeit wäre schlimm, aber am meisten störe sie die - fast schon moralische - Auslegung der Inzidenzwerte.

„Gute Zahlen, gute Bürger. Schlechte Zahlen, schlechte Bürger. Und die Kinder werden bestraft“, so die betroffene Mutter zweier Töchter im Gespräch. Beide Töchter und der Vater sind extra von Emmerting nach Burghausen gefahren, um auf der Demo zu frieren. Mit ihren Plakaten fordern auch sie die Öffnung der Schulen unabhängig vom Inzidenzwert.

dha

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